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Bohemian Rhapsody

Zum biographischen Film über Freddie Mercury und Queen

"Bohemian Rhapsody" kam am 31. Oktober im deutschsprachigen Raum in die Kinos, in den USA am 2. November.

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Bereits 2010 wurde angekündigt, dass ein Film über Queen geplant sei – bekanntermaßen eine der erfolgreichsten, wichtigsten und größten Rockbands aller Zeiten. Zynisch ausgedrückt, könnte man sagen, dass dies schon deswegen nur folgerichtig ist, da die Band mit Freddie Mercury eine der schillerndsten und charismatischsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte als Frontmann hatte – der noch dazu weit vor seiner Zeit (am 24. November 1991 im Alter von 45 Jahren) verstarb, und das ist doch stets der Stoff, aus dem Legenden sind und nach dem Hollywood lechzt. Frühe Tode machen sich halt gut für ein Biopic, tragen sie doch enorm zu Legendenbildung, Märtyrertum und Mystifizierung bei.

Doch halt: Hier waren immerhin von Anfang an die drei noch lebenden Bandmitglieder involviert, da sollte doch nichts schiefgehen und am Ende ein mehr an Orgien und Exzessen denn an der wahren Geschichte interessierter Streifen wie seinerzeit beim „The Doors“-Film von Oliver Stone herauskommen. Bei jenem Film zeigte sich insbesondere Doors-Keyboarder Ray Manzarek schwer enttäuscht von der nahezu komplett einseitigen Darstellung Jim Morrisons als egozentrischem, destruktivem Säufer, der nur an Provokationen interessiert schien.

In einem Punkt waren sich damals allerdings alle einig: Val Kilmers schauspielerische Leistung in der Rolle von Morrison war brillant (er sang sogar die Songs bei den Liveaufführungen selbst) – ob man auch für „Bohemian Rhapsody“ jemanden finden würde, der Mercury ähnlich überzeugend verkörpern könnte wie Kilmer seinerzeit Morrison?

Zunächst hatte man Comedian Sacha Baron Cohen für die Hauptrolle im Visier, dies bestätigte Queen-Gitarrist Brian May damals höchstselbst; bereits 2011 verließ Cohen das Projekt jedoch wieder, aus „künstlerischen Differenzen“, wie es hieß. Wer die Arbeit von Cohen kennt weiß, dass er sich nicht viel aus Konventionen macht und sein Publikum auch gerne mal schockiert. Somit könnte man in diesem Zusammenhang bereits erahnen, dass er möglicherweise dafür votierte, Mercurys inneren Kampf was seine Sexualität anging, seine Ausschweifungen und seine HIV-Erkrankung deutlicher in den Vordergrund zu rücken, während die andere Seite nicht wollte, dass man „das Erbe Mercurys in irgendeiner Weise beschädigt“.

So verständlich letzteres auch sein mag – nach Ansehen des Films bleibt der Eindruck, dass hier deutlich mehr drinnen gewesen wäre. Nach jahrelangen Querelen, die befürchten ließen, das ganze Projekt würde am Ende doch noch abgebrochen (u.a. wurde sogar Regisseur Bryan Singer gefeuert, angeblich wegen unprofessionellen Verhaltens, andere behaupten, aufgrund mehrerer Klagen wegen mutmaßlich sexueller Belästigung von Minderjährigen – ersetzt wurde er durch Dexter Fletcher, der aus rechtlichen Gründen in den Credits trotzdem nur als „Executive Producer“ aufgeführt wird), wurde der Streifen schließlich doch gedreht und kam in die Kinos; klar, dass die Erwartungshaltung nach so langer Zeit nicht gering war.

Zumal man inzwischen Rami Malek für die Hauptrolle verpflichten konnte und der „Mr. Robot“-Star schien allein rein optisch geradezu prädestiniert für den Part, wie schon einzelne vorab im Internet kursierende Fotos vom Set bewiesen. Und man muss ganz klar sagen, dass Malek wahrlich nicht enttäuscht; der in Los Angeles geborene Schauspieler liefert ganz im Gegenteil eine überragende Leistung ab – besonders in den Passagen auf der Bühne (wobei die Gesangsstimme von einem dem Original erstaunlich ähnlichem Freddie-Soundalike namens Marc Martel übernommen wurde), aber auch sonst in seiner Art sich zu bewegen und zu sprechen.

Auch Gwilym Lee überzeugt in seiner Rolle als Brian May durch die Bank, ebenso waren Ben Hardy als Schlagzeuger Roger Taylor und Joseph Mazzello (vielen sicher bekannt als Tim in „Jurassic Park“) als Bassist John Deacon nicht nur optisch eine gute Wahl. Allerdings sind die schauspielerischen Leistungen im Prinzip alles in allem stark, auch kleinere Nebenrollen wurden zum Teil mit großen Namen besetzt – so u.a. Mike Myers als skeptischer Plattenboss Ray Foster, der nicht davon überzeugt ist, den sechs Minuten langen Track „Bohemian Rhapsody“ als Single auszukoppeln. Auch die opulente Ausstattung kann sich sehen lassen.

Warum sich jedoch so viele historische Ungenauigkeiten ins Drehbuch geschlichen haben, bleibt angesichts der Tatsache, dass die übrigen Bandmitglieder in die Filmarbeiten involviert waren, fraglich. Dass beispielsweise „Another One Bites The Dust“ bereits auf dem 1980er Album „The Game“ zu finden ist und nicht erst auf dem 1982er Werk „Hot Space“, wie im Film suggeriert wird, kann man natürlich verschmerzen, doch dass Freddie aus dramaturgischen Gründen den Bandmanager John Reid (Aidan Gillen) während einer Limousinenfahrt erbost feuert (ohne vorher May, Taylor und Deacon zu konsultieren), nur weil dieser ihm ein Angebot für ein Soloalbum vermittelt, und überhaupt die Band sich zwischendurch im Ärger trennt, eben weil Freddie dann doch zwei Soloalben aufnehmen will, ist historisch nicht korrekt. Hier kann man zwar immer noch zu Recht anführen, dass es sich ja um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation handelt – doch es wirkt auch einfach sehr erzwungen und nicht authentisch, zumal andere Bandmitglieder bereits vor Freddie Soloalben aufgenommen hatten.

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