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Axolotl: Listening-Session im Studio

"Voices Of Luna"-Lauschangriff

„Nicht nur drüber reden, auch machen“, so könnte die Überschrift bei allen Protagonisten stehen, die heute Abend beteiligt sind: Zum einen wären da natürlich die Gelsenkirchener Axolotl, die unlängst ihren zweiten Full-Length-Rundling einholzten, und zwar in der noch recht neu eingerichteten Anubis Klangwerkstatt in Dortmund, zum anderen die Köpfe hinter der Klangwerkstatt, denn mittlerweile ist das großzügig dimensionierte Studio auch gemütlich eingerichtet. Auf dem Probestand ist heute das neue Album „Voices Of Luna“, welches Ende Februar erscheint und das zweite Full-Length-Eisen der Band markiert.

Zur Erinnerung: Die 2007 gegründeten (Old School) Black-Thrash-Melodic-Death-Metaller veröffentlichten 2010 ihre erste Demo „Rise Of The Waterdemon“ – ein augenzwinkernder Hinweis auf den Bandnamen. Fast auf den Punkt ein Jahr später überraschten sie mit einer weiteren Demo, die sie unter dem „Alive Risings“-Banner unters Metallervolk brachten. Nochmals ziemlich genau zwei Jahre später lieferten sie mit „Teutonic Invaders“ ihr Debüt aus, welches sie dann auch auf zahlreichen Shows ausreichend vorstellten, wobei sie sogar vor blutenden Kopfwunden nicht zurückschreckten.

Anno 2015 steht also mit „Voices Of Luna“ der zehn Track starke Rundling an, daher auch die Listening-Session. Der Zeitrahmen gibt leider nur ein einmaliges Hören her, weswegen alle sehr konzentriert auf den Sesseln herumlümmeln und dem Sound lauschen. Schon bei den ersten Tracks „In A Prosekturian Mind (Intro)”, „Warriors Of A 1000 Fires” und „Passion Possession” wird die Weiterentwicklung der Band sehr deutlich, denn neben einem breiter gefassten Spektrum sind es gerade die Übergänge bei Tempoveränderungen, die einfach nahtloser daherkommen, was dann Bassist Dennis wie folgt erklärt:

„Wir haben das jetzt nicht bewusst gemacht…allerdings haben wir in „Passion Possession“ tatsächlich Temposprünge drin, die wir auch bewusst eingebaut haben. Beim alten Album waren ja so gut wie nie hohe bpm-Wechsel drin… man merkt wohl doch schon, dass wir uns gesteigert haben.“

Dem stimmt dann auch der Rest zu, wobei Gitarrist Michael noch ergänzend einwirft, dass sie ja nun seit mehreren Jahren Musiker sind, schon lange zusammenspielen und jeder sich auch verbessert habe. Axolotl wollen schon den Fokus darauf lenken, dass sie nun als Einheit funktionieren und dass der Teamgeist einfach nicht nur gewachsen, sondern auch gefestigt sei. Es liegt wohl aber auch daran, dass das Songwriting zwischen Dennis und Michael einfach sehr viel besser ineinander greift, zudem will Dennis den Vergleich damit auflockern, dass das Debüt ja auch eine Best-Of der alten Songs darstelle und einzelne Ideen schon lange vor der Bandgründung entstanden, „Voices Of Luna“ aber komplett dem aktuellen Stand entspricht und vollständig neu komponiert wurde.

Nicht mehr nur etwas zusammenwursteln, sondern richtig komponieren, was man dann auch bei „Wielder Of  Tranquility” spürt, der so ganz nebenbei der „älteste“ Track der CD und somit kaum zwei Jahre jung ist, „Hate You“ vom Erstling dagegen eben schon weit vor 2008 entstand. War auf dem Debüt die Bandbreite noch größer, so ist die Leistungsdichte auf „Voices Of Luna“ spürbar angezogen. Frontmann Matthias liefert noch nach:

„Bei „Voices Of Luna“ sieht man auch noch (Entwicklungs-)Sprünge, da gibt es schon noch Unterschiede zwischen dem ersten Song „Wielder of Tranquility“ und dem neuesten Track „...To Her Golden Throne“. Den haben wir noch nie live gespielt und der wird vor Albumrelease auch nicht live gespielt werden. da sieht man auch einen Sprung, aber nicht so gigantisch wie bei „Teutonic Ivaders“.“

Klar ist auch, dass den Gelsenkirchenern das Melo-Death-Reinheitsgebot komplett am Allerwertesten vorbei geht, haben sie doch auch jede Menge Thrash-Elemente verbaut, was Matthias dann mit „facettenreich“ auch sehr schön umschreibt. Black, Thrash, Melo Death, alles drin, aber eben homogen, so das Fazit, dem sich alle anschließen können. Ein wenig aus der Reihe tanzen sie mit dem Bonustrack „The Rise Of The Waterdemon“, womit sie nicht nur einen mehr als deutlichen Wink gen „Debüt-Demo“ aufzeigen. Kein Spaß-Song wie noch „Metal And Beer“ auf dem Debüt, das will Michael noch hervorheben. Matthias geht auch kurz auf die Texte ein, nachdem klar gestellt ist, dass Axolotl kein Konzeptalbum geschrieben haben, wie zwischendurch kurz aufkeimte:

„Ich habe da lyrisch verschiedenste Einflüsse drin, wir haben geschichtliche Einflüsse drin, persönliche Sachen kommen auch immer vor. Ich habe auch viel von der Szene eingebaut, weil ich im Vorlauf auf dieses Album extrem gemerkt habe, was das an vielen Stellen für ein Kasperletheater ist, was da für Leute herumrennen, was da an Materialimus herrscht. Die Metalszene will sich zwar ein bisschen abheben, aber auch da machen Kleider Leute… Das ist nicht der künstlerische Anspruch, den wir verfolgen, was auch dann bei „Passion Possession“ und „The Rise Of The Waterdemon“ das Hauptthema ist.“

Das feuert dann auch prima die Schubladendiskussion an, was dann Gitarrist Michael auf den Punkt bringt:

„Wir sind nicht reiner Melodic-Death-Metal, wir sind nicht reiner Black Thrash, wir sind nicht reiner Thrash, wir sind Axolotl. Man erkennt uns an der Mischung. Wir sind Axolotl, fertig.“

Große Worte, an denen schon viele Bands gescheitert sind, die dann allerdings nicht so ein starkes Album wie „Voices Of Luna“ in der Hinterhand haben. Gut gebrüllt, Wasserdämon, ob zu Recht, wird dann eh die Zukunft zeigen. Den „True-Olmyp“ haben sie somit schon einmal ausgeschlossen, wollen nicht auf einem Konzept herumreiten und sich in die zahlreichen Bands einfach einreihen, sondern setzen auf die eigenen Persönlichkeiten.

Schweren Stoff bieten sie mit der kaum zwei Minuten kurzen „The Day When The Sun Decided To Wake Up Too Early“-Nummer und der lyrischen Umsetzung einer Atombombenexplosion - schnell und kompromisslos, allerdings an „The Final Cut“ von Pink Floyd orientiert – der Arbeitstitel lautete dabei noch „Speed Kills“, was dann sogar in einer Livereview von The-Pit.de dokumentiert ist.

Bei Axolotl heißt die Devise dann Weiterentwicklung und nicht Stillstand, weiteres verbessern als sich auf Vergangenes auszuruhen – „Voices Of Luna“ wird ganz sicherlich ein weiterer beeindruckender Schritt sein.

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