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Morgoth: "Cursed To Live" in eigenen Worten

Frontmann Marc schwelgt in der Vergangenheit

Harald Busse beim Rock Hard Festival 2011

Zum Thema

The-Pit.de: Suffer Life“ vom Album „Cursed“, 1991.

Marc: Das ist dann eher ein klassischer Song, der einen guten Refrain hat, wo auch schon früher die Leute gut mitgesungen haben. Ich habe bereits damals immer eine Ansage mit „Suffer…“ gemacht , wo die Leute dann mit „…life“ geantwortet haben. Das war halt schon immer ein kleines Ritual. Heutzutage ist das ein bisschen schwieriger, auch weil früher die Fans andere waren als sie heute sind. Heute hat man häufig das Gefühl, dass dort wirklich viele junge Leute stehen, die die Songs manchmal gar nicht kennen. Insofern war es früher immer ein Kult-Song von uns, bei dem die Leute immer mitgegrölt haben und ich hoffe, dass es sich auch heute wieder so entwickelt, wenn die Fans die Live-Platte hören, dass sich das in die heutige Zeit ebenso transferieren lässt. Es gibt ja auch auf der DVD zwei Videos von unserem allerersten Auftritt, als wir in Wermelskirchen gespielt haben, und das ist natürlich ein Publikum, was einfach Death-Metal-spezialisiert ist.

Es hat wirklich unheimlich viel Spaß gemacht, dort in Wermelskirchen zu spielen. Ganz ehrlich, ich mag Clubshows, es macht immer Riesenfreude, in solch einem Club zu spielen und es ist ja auch immer etwas anderes, wenn man da nicht drei Meter Fotograben vor sich hat. Ich kann mich an Shows erinnern, die wir gespielt haben, da sind die Leute auf die Bühne und sind auch mal auf den Verzerrer getreten, aber irgendwie war die Zeit auch wilder. Heute muss sich der Clubbesitzer überlegen, ob er sich nicht eine Anzeige einhandelt, weil keine Barrieren dastehen und weil sich jemand vielleicht verletzten könnte. Früher gehörte das einfach dazu und da wäre auch keiner auf die Idee gekommen, den Clubbesitzer zu verklagen, weil er irgendwie mit einem Hechtsprung auf den Boden geknallt oder weil er vor die Boxen gehauen ist. Die Zeiten haben sich einfach geändert. Die Leute waren damals einfach etwas wilder, ja klar, Death Metal war neu und wild und im Prinzip auch das, was Metal ausgemacht hat, das war natürlich auch der Kontakt zum Publikum. Meines Erachtens gehört zu einer Death-Metal-Show dazu, dass die Leute stagediven dürfen, das ist heutzutage leider nicht immer möglich. Ich habe das immer sehr genossen, ich fand es super, wenn die Leute enthusiastisch waren und auf die Bühne gesprungen sind oder auch auf der Bühne ins Mikro gebrüllt haben. Das war dann immer für die Security und unsere Gitarristen, die dann Angst um ihre Verstärker hatten, nicht so toll, aber ich fand das immer gut und es war diese Wildheit, die ich auch selber bei Konzerten geil finde.

Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann will ich auch Action und nicht immer nur gucken und schön ist. Für mich gehört das dazu. In Wermelskirchen hat man in so einem kleinen Club die Möglichkeit, weil dort ein Publikum ist, was im Prinzip ein Szene-Publikum ist, welches Death Metal lebt. Ich mag einfach kleine Clubshows, wo man schwitzt und man weiß, dass man sich das Geld tatsächlich redlich verdient hat, was man nach der Show bekommt.

The-Pit.de: Pits Of Utumno“ von der Demo „Pits Of Utumno“, 1988.

Marc: „Pits Of Utumno“ war der erste Song, den wir unter dem Namen Morgoth geschrieben haben, uns gab es ja vorher schon mit solchen Namen wie Cadaverous Smell oder auch Minas Morgul, und nachdem wir uns dann 1987 endgültig in Morgoth unbenannt haben, war das dann unser erster Song. Ich denke, dass er nach wie eine Hymne von uns ist; die Fans haben ihn früher geliebt und lieben ihn heute noch, weil er auch relativ einfach ist. Das Riff ist relativ einfach zu verstehen und der Kopf ist schnell im Rhythmus dieses Riffs. Insofern ist es schon die Morgoth-Hymne schlechthin.

The-Pit.de: Sold Baptism“ vom Album „Cursed“, 1991.

Marc: „Sold Baptism“ ist auf jeden Fall ein Song, zu dem wir unser erstes Video gedreht haben, zumindest professionelles Video. Es gab ja vorher schon eines vom Rock Hard Festival 1991 zu „Isolated“, aber das war ja eher ein Live-Dingen. Mit diesem Song verbinde ich diesen Videodreh, den wir damals in einer alten Burgruine in der Nähe von Warburg gedreht haben - ganz kuriose Geschichten. Es war ja alles im Do-it-yourself-Verfahren, es gab ja nicht wie heute ein großes Budget für Videos, sondern man hat sich einen Generator geliehen, ein paar Lampen dazu, jeder hat dabei jeden Job gemacht.

Einer hat die Kamera gemacht, ein anderer hat ein bisschen Licht gesetzt, der andere hat vielleicht noch den Dolly geschoben und insofern verbinde ich das auch mit einer coolen Zeit, wo die Plattenfirma noch recht klein war und es nur ein kleines Budget für dieses Video gab. Man hat versucht, aus Scheiße Gold zu machen. Das, was man da hatte, ist mit dem heutigen Equipment, wie Videos entstehen, gar nicht mehr zu vergleichen, aber es war Abenteuer; man hat halt zum ersten Mal ein professionelles Video gedreht, auch wenn das unter heutigen Gesichtspunkten alles andere als professionell ist. Es gibt da eine Szene, wo ich am Kreuz hänge und wir haben diese Szene so oft gedreht, denn dieses Kreuz dreht sich auch - das konnte man damals nicht mit irgendwelchen Computeranimationen machen, das Kreuz musste dann tatsächlich gedreht werden. Da mussten wir noch eine Konstruktion und ein Rad anbauen, damit sich das auch wirklich dreht, also alles ganz abenteuerlich. Ich habe jedenfalls länger an diesem Kreuz gehangen als Jesus Christus selber. Das Video ist also in unendlich langer Arbeit entstanden und natürlich auch nachts gedreht worden, es musste ja dunkel sein. Es war außerdem im November, daher war es saukalt, man ist da im Hemd herumgesprungen und am nächsten Tag waren alle krank und total durch, aber es hat sich im Endeffekt gelohnt, es war auch so ein Stück, was die Band zusammengeschweißt hat.

Da war jeder für den anderen da, es gab auf der Burgruine auch keine große Möglichkeit, sich aufzuwärmen. Wir hatten da einen VW-Bus stehen, wo dann alle nach ihrer Szene bibbernd in den Bus geflüchtet sind und heißen Tee oder heißes Bier getrunken haben, um sich wieder aufzuwärmen. Wenn man so etwas heute von einer Band verlangen würde, die würden sofort sagen, dass man sie nicht mehr alle hat.

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