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Hicsos & Mortal Factor: Split
Ungleicher Bandbattle mit Sieg auf der routinierten Seite
Bewertung: 7 von 10 Punkten
Release: 16.10.2009
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 41:38
Label: Mr. Vain Records
Eine Split-CD ist heutzutage schon seltener anzutreffen. Hier haben sich aber mit Hicsos und Mortal Factor zwei Bands gefunden, die sich auf diesem Weg zum ersten Mal Gehör in Deutschland verschaffen wollen. Hicsos kommen aus Brasilien, spielen schon satte 18 Jahre zusammen und besitzen in ihrer Heimat schon einen gewissen Status. Trotzdem bringt man es bisher lediglich auf drei Demos und zwei Alben. Das letzte hört auf den Namen „Technologic Pain“ und beinhaltet die sechs hier vertretenen Songs.
Mortal Factor kommen aus der Schweiz und sind seit 2003 existent. Neben einer Drei-Track-Demo hat man hier noch den vierten Albumtitel auf einem Sampler namens „Kill City Vol.13 - Cradle To The Grave“ unterbringen können. Insofern bekommt der Fan hier drei neue Songs und sogar statt eines sechsten Audiobeitrages auf dieser Split-CD ein Video spendiert.
Aber der Reihe nach, zuerst einmal versorgen uns Hicsos via „Mea Culpa“ mit einem klasse Opener. Die Einleitung ist düster und sehr melodisch gehalten, wie man es gerade in den Endachtzigern gerne in der Thrashszene gehört hat. Langsamere, melodischere Slayer und auch ein bisschen Sepultura schimmern durch, ohne aber die eigene Identität zu überlagern. René und QD von der Gitarrenfraktion sorgen für mächtig Druck.
Ich muss zugeben, dass mir die Band hier auf Anhieb wirklich gut gefällt, und dass sie auch mal das Gaspedal ein wenig mehr treten kann, beweist dann „Cry Of Souls“, auch wenn man im Mittelteil lieber wieder ins Midtempo verfällt. Der melodische Anteil ist in Hicsos' Musik nicht wegzudenken. Dave am Bass und Limi am Schlagzeug sorgen für den trotzdem nie belanglos wirkenden Rhythmusteppich. Man variiert das Tempo, ohne den Härtegrad aus den Augen zu verlieren. Die Headbanger unter euch werden kräftig zum Tanz gebeten.
„Violence And Blood“ ist dann der erste Song, der ein wenig ins Mittelmaß abzudriften droht. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, woran das liegt, denn das Tempo wird gelungen variiert, es gibt groovende Parts, exzellentes Riffing, aber dennoch will der Song nicht im Ohr hängen bleiben.
„Candyman“ ist dann das letzte Stück der Brasilianer auf dieser Split-CD. Er wartet mit einem gelungenen Gitarrensolo auf, das eigentlich gar nicht so recht ins typische Hicsos-Klangmuster passen will. Kein schlechter Abschluss für den ersten Part dieser CD, der die Punktewertung für die Brasilianer bei 8,5 Punkten sieht.
Dann wird es Zeit für die Schweizer Eidgenossen von Mortal Factor. Man kocht auch hier eine kräftige Thrash Metal-Suppe, die aber doch deutlich anders geprägt ist als die von Hicsos. Man zelebriert hier mehr einen Mix aus rauem, teilweise ungestümem Thrash Metal mit pikanten Würzungen aus dem Death Metal und einem guten Schuss amerikanischen Hardcores.
„Point Zero“ beginnt mit animalischem Intro und breaklastigen Melodiewechseln. Marco Anvito schreit seine Botschaften ins Volk und man kann der Band sicher nicht vorwerfen, dass sie eintönig wirkt. Trotzdem klingt das noch nicht wirklich ausgereift. Gute Fragmente werden hier zusammengerifft und der Druck, der da erzeugt wird, ist auch ordentlich. Zum Headbangen geeignet, aber irgendwie wird das Gedächtniszentrum links liegen gelassen, schade eigentlich.
„Sophisticated Hate“ thrasht sich auch ganz ordentlich durch die Lautsprechermembranen. Leider schafft man es - auch wegen des deutlich helleren Klangbildes - nie, die Intensität der Brasilianer zu erreichen und droht somit recht deutlich damit, als Verlierer dieser „versus“-CD von der Bühne zu gehen.
„5 Fucking Days“ wirkt da zu Beginn etwas ausgereifter, aber ich merke, dass der größte Unterschied durch den Gesang bestimmt wird. Auch wenn Marco Anvito hier sicher das aktuellere Publikum ansprechen wird, so liegt bei mir Amadé doch deutlich vorne.
„Sick Dot Six“ lebt von der mehr als gelungenen Schlagzeugarbeit von Marcelo Ledd, der hier den Song zusammenhält. Dazu gute, vielleicht ein wenig auf Machine Head schielende Gitarren von Antonio Saba und Nilmon Filho. Bisher der beste Song der Band, aber trotzdem nicht die Klasse der Anspieltipps des CD-Gegners.
Bei „Bastard Nation“ wird dann leider wieder ein wenig zurückgerudert, auch wenn die Verbindung von Growls und heiserem Geschrei schon ein wenig Charme versprühen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass hier doch noch nicht die letzte Produktionsstufe erreicht ist. Zu roh klingt das Material stellenweise noch.
Statt des sechsten Songs gibt es dann auch noch das offizielle Video zu „Point Zero“. Und irgendwie verdeutlicht das auch das eben schon Angesprochene visuell. Man hat sich Mühe gegeben und verknüpft Off Stage- und On Stage-Material und versucht irgendwie auch durch die vorwärts und rückwärts laufenden Szenen eine gewisse Lustigkeit zu dokumentieren, die ich der Band aufgrund der Musik nicht unbedingt zugeordnet hätte. Dass hier natürlich nicht mit einem großen Budget gearbeitet wurde, ist klar, dennoch lohnt es sich, ein Auge zu riskieren.
Fazit: Zwei Bands auf unterschiedlichem Niveau. Interessant wäre der Vergleich, wenn Mortal Factor mal 12 Jahre älter sind. Diesen Erfahrungs- und sicher auch Selbstfindungsvorteil haben nämlich Hicsos. Talentiert sind beide Bands auf jeden Fall. Mit 5,5 Punkten für den zweiten Teil der CD kommt man dann auf einen Gesamtschnitt von sieben Punkten.
1. Mea Culpa (Tipp)
2. Technologic Pain (Tipp)
3. Face To Face (Tipp)
4. Cry Of Souls (Tipp)
5. Violence And Blood
6. Candyman
Tracklist Mortal Factor:
1. Point Zero
2. Sophisticated Hate
3. 5 Fucking Days
4. Sick Dot Six (Tipp)
5. Bastard Nation
6. Point Zero (Videoclip)






