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ZZ Top: Double Down Live

Der legendäre erste Deutschland-Auftritt endlich auf DVD
keine Wertung
Genre: Blues-/ Southern-/ Hard Rock
Spielzeit: 154:00
Release: 16.10.2009
Label: Eagle Vision

ZZ Top haben etwas geschafft, was keine zweite Band auf diesem Planeten hinbekommen hat: Sie sind bereits seit 40 Jahren am Start und haben die ganze Zeit in ein und derselben Besetzung gespielt: Die beiden Frontmänner Billy Gibbons und Dusty Hill an der Gitarre beziehungsweise am Bass, deren Markenzeichen ihre langen Bärte sind, die sie inzwischen seit gut 30 Jahren tragen, und am Schlagzeug Frank Beard – ironischerweise der einzige des Trios, der keinen Vollbart, sondern meist lediglich einen Schnauzer trägt.

Ihren Durchbruch schafften die Texaner mit ihrem dritten, 1973 erschienenen Album „Tres Hombres“, auf dem auch der weltbekannte Hit „La Grange“ enthalten ist, und in den USA waren sie längst eine Riesennummer, als sie sich 1980 anschickten, erstmals endlich auch außerhalb von Uncle Sam aufzutreten. Das 1979 auf den Markt gebrachte „Degüello“ markierte einen weiteren Volltreffer und so fragte die Band an, ob sie denn nicht einen Rockpalast-Auftritt bestreiten könnte, was ihr natürlich umgehend gewährt wurde, denn es war nicht schwer zu erkennen, dass die Gruppe in Europa genauso viel Potential hatte wie in ihrem Heimatland.

Das Resultat ist auf der ersten DVD von „Double Down Live“ zu finden – der legendäre Konzertmitschnitt vom 20. April 1980 aus der Essener Gungahalle. Jahrelang warteten die Fans darauf, dass dieses historische Dokument komplett auf DVD erscheinen würde und nun ist es so weit. ZZ Top spielten bei diesem Gig fast ihr komplettes „Degüello“-Album (lediglich „Esther Be The One“ blieb außen vor), sowie jede Menge weiterer Hits, vornehmlich von „Tres Hombres“ („Waitin’ For The Bus“, „Jesus Just Left Chicago“, „Precious And Grace“, „Beer Drinkers & Hell Raisers“ und selbstredend „La Grange“), sowie dem 1975 veröffentlichten „Fandango“, welches mit „Tush“, „Nasty Dogs & Funky Kings“ und „Heard It On The X“ vertreten ist. „Jailhouse Rock“ ist ebenfalls auf „Fandango“ in einer Live-Version zu finden (bei diesem Album enthielt die erste Seite Live-, die zweite hingegen Studioaufnahmen), aber jeder weiß wohl, dass es sich hierbei um eine Coverversion handelt (geschrieben wurde das Stück von Jerry Leiber und Mike Stoller), die vor allem durch Elvis Presley bekannt wurde.

Ansonsten kommen noch „El Diablo“ und „Arrested For Driving While Blind“ von „Tejas“ (Album von 1976) und „Just Got Paid“ vom Zweitwerk „Rio Grande Mud“ zum Zuge, und mit „Tube Snake Boogie“ haben die Amerikaner sogar noch ein damals brandneues Stück, das auf dem ein Jahr später erscheinenden „El Loco“ den Opener markieren sollte, im Ärmel.

Eine Setlist also, die einen guten Querschnitt durch das gesamte bis zum damaligen Zeitpunkt vorhandene Schaffen der Band bietet und alle Elemente vereint, die ZZ Top sowohl 1980 ausmachten, als auch heute noch ausmachen: Sei es Boogie wie „Arrested For Driving While Blind“ (bei dem Gibbons ein Gitarrensolo auch mal nur mit der linken Hand spielt und die rechte ganz entspannt in die Hüfte stemmt), ein cooler Southern-Rocker der Marke „El Diablo“, eine treibende Rock’n’Roll-Nummer wie „Nasty Dogs & Funky Kings“, oder wunderbar gefühlvoller Blues des Kalibers „Fool For Your Stockings“, bei dem Billy Gibbons’ verrauchtes Organ so richtig seine Wirkung entfaltet. Der Auftritt ist sehr intensiv und das Publikum logischerweise, da es ZZ Top hierzulande zum ersten Mal live erleben durfte, außer sich vor Begeisterung. Minutenlang werden Zugaben gefordert und die Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Die Coolness in Person ist das Trio schon damals – es gibt wohl keine andere Band, bei deren Mitgliedern es so lässig aussieht, wenn sie in aller Seelenruhe nach Instrumentalpassagen zum Mikroständer stolzieren, oder bei der die Synchronbewegungen von Gitarre und Bass mal wirklich cool und nicht total affig aussehen. Da ist es auch nicht schlimm, dass die Band ansonsten nicht viel Action auf der Bühne veranstaltet. Bei „Cheap Sunglasses“ kommen dem Titel entsprechend dann auch die Sonnenbrillen zum Vorschein, die ebenfalls zu einem Markenzeichen der drei Texaner avancierten.

Das Bild mag auf dieser ersten DVD nicht gestochen scharf sein, ist für die damaligen Möglichkeiten aber ziemlich gut (zu viel Nachbearbeitung ist außerdem auch nicht immer optimal und kann das Ganze schnell verpfuschen) – außerdem wurde der Ton zu Dolby Digital 5.1 aufgemotzt.

Auf der zweiten DVD finden sich dann im Gegensatz zu dem kompletten Konzert auf dem ersten Silberling einzelne Songs von verschiedenen Gigs während der Tour im Jahre 2008, unterbrochen von kurzen Interview- und Backstagesequenzen. An sich gefällt es mir gar nicht, wenn ein Liveauftritt durch solche Szenen unterbrochen wird, schließlich kann man so etwas auch seperat im Bonusmaterial unterbringen und stört so den Fluss nicht, aber in diesem Fall ist das nicht so dramatisch, da es sich eben nicht um einen einziges, laufendes Konzert handelt.

Und zumindest zeigt sich in den Interviews erneut, dass die Herren Gibbons, Hill und Beard nichts von ihrer Coolness und Lässigkeit verloren haben, auch wenn (oder gerade weil) sie mittlerweile nun auch schon fortgeschrittenen Alters sind. Zumindest erklären sie, sie würden auch heute noch nur von Tag zu Tag denken und auf die Frage, was ihnen durch den Kopf gehe, wenn sie vor 50.000 Leuten spielen, entgegnet Billy grinsend: „Find a pretty girl“.

Die Songauswahl unterscheidet sich nur leicht von der auf der ersten Scheibe, was zeigt, dass die Fans immer noch nicht genug von den alten Klassikern kriegen können. Trotzdem hätte man da etwas variabler sein können, immerhin hat die Band bereits 14 Studioalben herausgebracht. Wenigstens kann man auf diese Weise ZZ Top damals und ZZ Top heute sehr gut vergleichen – und damals klangen sie schon allein wegen des äußerst dreckigen Gitarrensounds wesentlich bluesiger. An dieser Stelle sei noch die DVD „Live From Texas“ aus dem vorigen Jahr empfohlen, dort gibt es um einiges mehr an Material aus der Achtziger-Phase, die ja ebenfalls sehr erfolgreich war, zu hören.

Insgesamt gibt es jedoch nicht wirklich Anlass zur Kritik, da man schon durch das Rockpalast-Konzert bestens unterhalten wird, das einfach für jeden Fan unverzichtbar ist. Sicherlich hätte das ganze Paket mit zweieinhalb Stunden Gesamtlänge auch auf eine Einzel-DVD gepasst, aber darüber will ich mal großzügig hinwegsehen.

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