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Zoro: Core

Eine neue Hoffnung für den Oshare Kei?
Wertung: 8/10
Genre: Pop-Rock/Alternative Rock
Spielzeit: 58:11
Release: 05.03.2010
Label: Gan Shin Records

Hört der gediegene Visual-Kei-Anhänger „Oshare Kei“, so denkt er augenblicklich an bunte, quietschige Kostüme und die passende Musik dazu – oft mit dem Vorurteil von anspruchslosen Pop-Rock verbunden. Gänzlich unbegründet ist dieser Gedanke sicherlich nicht, denn derlei Bands findet man in dieser Richtung reichlich. Dass das Ganze jedoch auch mit Substanz geht, beweisen die Japaner Zoro mit ihrem Europa-Debüt „Core“, das nicht nur Oshare-Fans gefallen dürfte.

Die Basis der Musik des Quartetts ist zwar immer noch poppig angehauchter Rock, allerdings hat man keine Angst vor Experimenten und die Alternative-Rock-Komponente hält dem Pop oft die Waage. Auffällig ist hierbei die häufige Verwendung von funkigen Passagen, die dank den technisch sehr versierten Musikern durchweg glaubwürdig herüberkommen. Obwohl die gesanglichen Fähigkeiten des Frontmannes außer Frage stehen, werden hier schon eher die Gemüter gespalten: Nicht die Stimme an sich ist es, die gewöhnungsbedürftig ist, sondern die Oshare-typische zuckersüße Intonation der Texte. Nach einigen Durchläufen gewöhnt man sich jedoch recht schnell an den Gesang und bemerkt, dass er vielen der Genre-Kollegen weit voraus ist.

Der „Kung-fu Dance“ stellt dann auch einen sehr interessanten Einstieg dar – das sehr bass-lastige Stück verfügt über einen ordentlichen Groove und begeistert mit Tribal-Drums, die sich sehr gut ins Gesamtbild einfügen. „Digo“ geht anschließend einen deutlich rockigeren Weg – das eingängige Riffing verbunden mit einer wabernden Synthie-Melodie geht sofort ins Ohr und macht den treibenden Song zu einem der besten auf „Core“. „Senkon“ ist noch deutlich poppiger als die beiden vorangegangenen Tracks, überzeugt wegen der austauschbaren Melodie jedoch nicht so sehr wie diese.

Neben den aus Funk und Pop-Rock zusammengesetzten Stücken wie „Dansoon“, das mit Slap-Bass-Passagen und einem beeindruckenden Solo hervorsticht, gibt es auch ein paar Überraschungen. Der Name „Nana“ lässt nicht gerade erahnen, was folgt: Hartes Riffing und ein wütender Scream leiten den Song ein, in dem der gelegentlich etwas süßliche Gesang elektronisch verfremdeten Vocals und Gebrüll weicht, einzig der Refrain ist eher poppig gehalten. „Water Inside“ behält die harten Gitarren bei, kommt aber für Band-Verhältnisse ungewöhnlich düster und mit sehr präziser Gitarren-Arbeit daher.

Ansonsten wird auf dem Album mehr flotter Synth-Rock geboten – viele der Tracks sind treibend und oft richtig spaßig, ab und zu schleicht sich allerdings auch mal ein etwas gesichtsloser Song wie „Highmusic“ ein. Abwechslung ins Spiel bringen „F.O.G“ und „Kid“: Erstgenannter Song überrascht mit geradezu melancholischen Passagen und einem überragenden Solo, während bei den Uuuh-aaah-Chören von „Kid“ wohl so mancher Hörer schmunzeln muss.

Mit zwei Bonus-Tracks und der hübschen Aufmachung der CD samt Gan-Shin-typisch beiliegendem Übersetzungs-Booklet ist „Core“ für Freunde des etwas poppigeren Rocks eine lohnenswerte Investition. Die schillernden Synthie-Melodien unterstützen die eingängigen Stücke perfekt, doch wirklich hervorheben aus dem Oshare-Einheitsbrei können sich Zoro durch die Spielfreude der Musiker, die fast allen Stücken einen treibenden Groove verpassen. Wer sich für funkigen Rock mit massivem Pop-Einschlag begeistern kann, sollte sich von dem bunten Image der Band nicht abschrecken lassen, denn hinter der Fassade steckt eine talentierte junge Band, die sich hervorragend auf das Songwriting in diesem Genre versteht.

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