Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Zodiac: Sonic Child

Kaufen, abfeiern und aufs nächste Konzert gehen!
Wertung: 9/10
Genre: Blues Rock/ Hard Rock
Spielzeit: 60:39
Release: 19.09.2014
Label: Napalm Records

Das Tempo, das die sympathischen Münsteraner Blues-/ Hard-Rocker Zodiac vorlegen, ist schon beinahe beängstigend: „Sonic Child“ markiert die dritte Full-Length-Platte im dritten Jahr hintereinander – ganz wie die alten Meister (und damit auch Vorbilder für die Westfalen) in den Siebzigern. Damals waren Bands bekanntermaßen meist sehr schnell mit neuen Scheiben und das Tollste daran: Es ging trotzdem keinerlei Qualität verloren, schließlich sind die meisten dieser Alben heute Klassiker.

Auch Zodiac haben in Form von „A Bit Of Devil“ (2012) und „A Hiding Place“ (2013) zwei vorzügliche Platten veröffentlicht und wenn dann fürs nächste Jahr tatsächlich schon wieder die nächste Langrille angekündigt wird, hebt sich automatisch die skeptische Augenbraue, denn man traut Bands heutzutage einfach nicht mehr zu, innerhalb so kurzer Zeit ausschließlich hochwertiges Material an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Das ergänzende Statement zu „Sonic Child“ hörte sich allerdings schon einmal sehr vielversprechend an, von einem „Konzeptalbum über die Liebe zur Musik“ war die Rede; der Albumtitel stehe dafür, dass man als Kind Musik noch in seiner ursprünglichsten Form, ohne auf Kleidungsstil oder Image zu achten höre. Eine nachvollziehbare Denkweise und eine interessante Idee, die gleichzeitig jedoch sehr ambitioniert erscheint und jede Menge Feingefühl erfordert, um adäquat umgesetzt werden zu können. Und um es gleich ganz fies vorab zu spoilern: Ja, es ist den Jungs gelungen, tatsächlich liefert das Quartett sein reifstes und vielseitigstes Werk ab – ob damit auch das beste, sei dahingestellt, dies dürfte eher eine Frage des persönlichen Geschmacks sein.

Fakt ist allemal, das man nicht nur in kompositorischer Hinsicht erneut glänzen kann, sondern dabei noch mehr mit verschiedenen Stilmitteln jongliert. Das ruhige, mit drei Minuten vergleichsweise lange Intro stellt mittels gesprochenen Textes den Protagonisten vor, bevor es mit „Swinging On The Run“ richtig losgeht. Der Song rockt zunächst sehr amtlich, erfährt jedoch in der Mitte ein recht abruptes Break, dem ein wahnsinnig gefühlvolles, mitreißendes und durchdacht aufgebautes Gitarrensolo folgt – eines von der Sorte, die man immer und immer wieder hintereinander hören will, weil es schlichtweg bei keinem Durchlauf weniger geil wird. Wer da nicht schon begeistert im Dreieck springt, der liest hier das falsche Review. Mag ja sein, dass sich so mancher mit den zwei recht unterschiedlichen Hälften jenes erstes Songs etwas schwer tut, aber dass das schon so passt, sollte man nach spätestens dreimal Hören erfasst haben.

Die nächsten Highlights folgen allerdings auf dem Fuß, wobei die Stimmung streckenweise etwas melancholischer herüberkommt als auf den Vorgängern, was sicherlich auch dem sehr nostalgischen lyrischen Konzept geschuldet ist. Hier fällt in erster Linie natürlich der „Sad Song“ auf, bei dem Akustikgitarren dominieren und leicht Gospel-artige Backing Vocals das Ganze ziemlich passend bereichern. Auch die Neun-Minuten-Nummer „Rock Bottom Blues“ besitzt eine wehmütige Stimmung; schleppend und bedächtig baut sich dieser Longtrack auf, getragen von Nick van Delfts markanter, rauchiger Stimme sowie seinem exzellenten Leadgitarrenspiel. Ein abermals recht überraschendes Break lässt den Track schließlich sehr dramatisch werden, sodass durchaus Erinnerungen an Monsterballaden à la „Since I’ve Been Loving You“ von Led Zeppelin aufblitzen. Auch das fantastische, verspielte „Just Music“, das herrlich befreit zwischen geheimnisvoll-eindringlicher Strophe und ausladendem Refrain schwebt und dessen Titel die Essenz der Scheibe praktisch zusammenfasst, soll an dieser Stelle nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Auf der anderen Seite hat man aber auch Stücke, die – ähnlich wie der erste Part von „Swining On The Run“ – einfach nur supercool rocken und Spaß machen, wie das funkig geprägte „Good Times“, ein Song, der einen zum Tanzen geradezu auffordert, das absolut lässige „Not Fragile“, mit dem sich Zodiac der Tradition, auf jedem Album eine Coverversion zu haben, treu bleiben (in diesem Fall von Bachman-Turner Overdrive) und das sich locker in die Tracklist integriert, das leichte Uriah Heep-Vibes versprühende „Holding On“ oder die bereits zuvor auf einer Splitsingle mit Audrey Horne veröffentlichte Singalong-Nummer „Out Of The City“. Bei „A Penny Of A Dead Horse“ hingegen fühlt man sich besonders im ersten Part mit den Dobro-Gitarrenklängen und den vielen Bendings in die Wüste irgendwo in den amerikanischen Südstaaten versetzt.

Wie erwähnt: Die Westdeutschen agieren stilistisch breitgefächerter denn je und können dabei das hohe Songschreiber-Niveau mindestens halten. Die Gegner der sogenannten „Retro-Rock-Welle“ meinen ja immer, in diesem Genre würde nur altes neu aufgewärmt, vergessen dabei aber, dass diese Art Musik eben zeitlos ist. Und wenn man solch herausragende Alben wie „Sonic Child“ hört, ist es doch völlig egal, in welcher Zeit diese geschrieben wurden, zumal die Produktion erdig, natürlich, aber nicht überholt tönt. Kaufen, abfeiern und aufs nächste Konzert gehen! Demnächst wird übrigens bei The-Pit.de ein Interview mit Gitarrist Stephan Gall zu lesen sein.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging