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Zodiac: Grain Of Soul

Fast schon eine 180-Grad-Wendung
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock / Blues Rock
Spielzeit: 42:55
Release: 29.07.2016
Label: Napalm Records

Fleißig sind sie, die Jungs von Zodiac: Auf drei erstklassige Platten innerhalb von drei Jahren folgte im letzten Jahr die erste offizielle Liveplatte „Road Tapes Vol. 1“, nachdem man zu „Sonic Child“ erstmals eine Headlinertour absolviert hatte. Da auf der faulen Haut zu liegen aber mal so gar nicht das Ding dieser sympathischen Truppe zu sein scheint, hat man sich daraufhin jedoch gleich an die nächste Studioscheibe herangewagt, die, so die Münsteraner selbst, „das am bisher härtesten rockende Material“ beinhalten würde.

Wie oft schon hat man dieses „Schneller, Härter, Lauter“-Geblubber gehört und wie oft schon entpuppte es sich als heiße Luft – „Grain Of Soul“ allerdings ist tatsächlich mit Abstand das härteste Album, das die Band bislang hervorgebracht hat. Die Blues-Wurzeln treten klar in den Hintergrund und machen saftigem, ohne großes Brimborium in Szene gesetztem Hard Rock Platz. Zeigten sich die Westfalen in ihren Arrangements bisher stets recht verspielt, kommt man diesmal schneller auf den Punkt – auffällig schon allein dadurch, dass die Songs sich fast alle in Längen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Minuten bewegen.

Gerade der direkte Vorgänger „Sonic Child“ war doch relativ komplex, vielseitig und bis dato zweifellos das ambitionierteste Werk, nicht nur wegen des Konzeptcharakters des Albums. „Grain Of Soul“ ist, um es mal etwas drastisch auszudrücken, fast schon eine 180-Grad-Wendung. Der eröffnende Midtempo-Rocker „Rebirth By Fire“, bei dem von Anfang an die Gitarren ordentlich drücken, sowie das besonders im Refrain regelrecht ausbrechende „Animal“, dessen Härtegrad durch eine flotte Uptempo-Sequenz in der Mitte noch mal angezogen wird, sprechen eine sehr klare Sprache und zeigen mehr als deutlich, wo bei Zodiac im Jahre 2016 die Prioritäten liegen.

Riffpower statt verschachtelte, schnörkelige Gitarrenfanfaren steht im Fokus, wobei die Band handwerklich zu stark agiert, als dass Fans befürchten müssten, es würde jetzt nur noch mit primitivsten Mitteln herumgefuhrwerkt. Besonders wenn das Quartett trotz aller neu gewonnenen Härte eine Prise Melancholie über dem Material verteilt, präsentiert es sich sehr stark: „Follow You“ ist einer dieser Kandidaten, ebenso das treibende „Get Out“, das zwischen sehnsüchtiger Strophe und Headbanger-kompatiblem Mainriff im Refrain plus Mitsing-Zeile pendelt. Herausragend ist mit Sicherheit aber das fast sechsminütige „Down“ (der mit Abstand längste Track des Rundlings), das einen leicht düsteren, fast geheimnisvollen Touch besitzt und ein wenig Southern-Rock-Feeling versprüht. Schlicht großartig, wie das Stück aufgebaut wurde, da die Jungs hier mit interessanten Wendungen aufwarten, aber doch einer klar nachvollziehbaren Struktur folgen.

Auffällig außerdem, dass auch die Instrumentierung insgesamt wesentlich einfacher gehalten wurde; noch auf dem Vorgänger wurde recht viel experimentiert, viel mit Keyboards gearbeitet, während auf der neuen Platte eigentlich nur die typische Basis einer Rockband zutage tritt: Gitarren, Bass, Schlagzeug – das war’s. Lediglich im nahezu schwebenden, leichtfüßigen finalen Part des an letzter Stelle stehenden Titelsongs, welcher in wunderbarem Kontrast zum ansonsten erneut sehr hardrockigen Rest des Stückes steht, kommt dezent im Hintergrund eine Orgel zur Geltung.

Für Hard-Rock-Fans, denen Zodiac bisher zu bluesig waren, ist diese Scheibe definitiv der richtige Einstieg, alle anderen werden sich möglicherweise erst noch ein wenig an diese deutlich härtere und sicher auch einfachere Ausrichtung gewöhnen müssen. Objektiv betrachtet ist es natürlich begrüßenswert, dass sich die Band weiterentwickelt hat – ob einem diese Entwicklung gefällt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Rein technisch macht den Westdeutschen niemand etwas vor, aber diese Tatsache war ja allen Szenekennern auch vorher schon bekannt.

Auch wenn „Grain Of Soul“ ein mehr als solides Album darstellt, fehlt doch bei manchen Stücken insbesondere in der zweiten Hälfte etwas die Inspiration: Während „Ain’t Coming Back“ trotz sehr simplen Charakters noch nett groovt, Spaß macht und live bestimmt gut zündet, sind Nummern à la „Like The Sun“, „Sinner“ oder auch „Crow“ streckenweise etwas einfallslos und ohne das gewisse Etwas, was durch die starke Produktion und die handwerklich tadellose Performance zwar aufgefangen, aber nicht gänzlich kaschiert werden kann. Für meine Begriffe muss dieses Album daher als das bisher „schwächste“ des Vierers bezeichnet werden, acht Punkte sind wegen des insgesamt betrachtet dennoch nach oben zeigenden Daumens aber auf jeden Fall drin.

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