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Zero Illusions: Oblivion

Nicht sehr originell, macht aber Spaß
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Metal, Power Metal
Spielzeit: 47:21
Release: 13.05.2011
Label: ZI/Rough Trade

Wenn man in der Info liest, dass in vorigen Reviews der Veröffentlichungen von Zero Illusions als Einflüsse Dream TheaterIron Maiden und Saxon genannt wurden, muss man sich fragen, ob die Kollegen entweder taub oder auf Droge waren – keine Ahnung, wo man hier das Traumtheater oder die Eisernen Jungfrauen heraushören soll; Saxon kommt der Sache allerdings schon etwas näher. Oder aber Zero Illusions haben ihren Stil mit ihrer zweiten Full-Length „Oblivion“ ordentlich umgekrempelt.

Egal, meine Wenigkeit jedenfalls ist erleichtert, hier nicht die zweihunderteinundfuffzichste Dream-Theater-Kopie vorliegen zu haben, wie nach dem Lesen oben genannten Geschreibsels befürchtet. Stattdessen präsentiert sich das Album als gut Arsch tretende Mélange aus Hard Rock und klassischem Schwermetall beziehungsweise Power Metal. Ertönt das erste Riff des Eröffnungstracks „Alive“ – zunächst lediglich auf dem Bass dargeboten und später von der Gitarre übernommen –, heben sich die Augenbrauen zwar noch sehr skeptisch gen Norden, da eben jenes wie schon hundertmal gehört anmutet, doch im weiteren Verlauf muss man zugeben, dass das, was die Schweden zum Besten geben, durchaus seinen Reiz hat.

Handwerklich sehr solide ist das, spielfreudig und produktionstechnisch ganz ordentlich drückend (immerhin drehte hier King Diamond-Klampfer Andy LaRocque an den Knöpfchen, wie übrigens auch schon auf der vorigen Scheibe „Enter Eternity“), und auch der Sänger kann was. Irgendwie musste ich lange überlegen, an wen mich der Kollege erinnert, bis es mir wie Schuppen aus den Haaren fiel: Natürlich an den Edguy-Tobi, wenn auch mit weitaus weniger Vibrato in der Stimme und weniger Ausflügen in höhere Gefilde. Letzteres würde zu den Songs mit häufig tiefer gelegten Gitarren aber auch weniger passen, denn Stücke wie das schleppende, beinahe epische „Call Of Duty“ oder die heftig bratenden Midtempo-Dampfwalzen „Get Out“ und „Carpe Diem“ haben definitiv Eier, wie Oliver Kahn sagen würde. Na ja, eigentlich sagte er, wir brauchen Eier – aber egal jetzt... In die melodische (kitschigere) Power-Metal-Ecke geht das Quartett seltener, selbst der mit Mitsing-Chorus ausgestattete flotte Rausschmeißer „Enemy Within“ wartet zwischendurch immer wieder mit recht düsterem Geschrubbe auf und ballert gerade zum Ende hin ebenfalls recht amtlich.

Klar ist: Die ganzen Vergleiche (neben Dream Theater, Maiden und Saxon werden auch Uriah Heep und Zakk Wylde genannt) sind, wenn nicht total daneben, dann doch maßlos übertrieben, ebenso wie die Einschätzung, die Band sei „a new Swedish hope“ – wenn man sich mal überlegt, wie viele grandiose Metalbands es aus dem Land von Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga gibt, muss eine schwedische Band schon richtig genial sein, um diese Einschätzung zu verdienen. Nur bieten Zero Illusions nullkommanull Neues, um dauerhaft aus der Masse hervorzustechen und mit „Oblivion“ tatsächlich den großen Wurf zu landen. Allein schon die Songtitel sind ohne jegliche Ausnahme total ausgelutscht und äußerst klischeebehaftet.

Klar ist aber ebenso, dass die Jungs nichtsdestotrotz einen Mordsspaß machen und ein paar echt geile Songs an den Start gebracht haben. „Rise To The Challenge“, das mächtig groovende „Who Are You“ und das hymnische „Honesty“ sind allerbestes Headbang-Futter und prädestiniert dazu, auf Konzerten mit erhobener Faust mitgegrölt zu werden. Traditionsbewusste Metaller können hier zweifellos zuschlagen, wer’s jedoch experimentierfreudiger mag, wird wohl eher einen Bogen um die Band machen.      

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