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Zero Hour: Dark Deceiver

Für Fans von Frickelorgien
Wertung: 6.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 44:39
Release: 23.05.2008
Label: The Laser\'s Edge Records

Wenn man die Band noch nicht kennt und nur das düstere Cover sieht und den Titel „Dark Deceiver“ liest, könnte man meinen, es handle sich hier um eine Death- oder Black-Metal-Band. Davon allerdings sind Zero Hour weit entfernt, die verfrickelten, vornehmlich an Watchtower angelehnten Progressive Metal zelebrieren und mit vorliegender Scheibe bereits ihr fünftes Werk vorlegen.

Die vorigen vier Alben heimsten denn auch schon eine ganze Menge Lob bei zahlreichen Szenemagazinen ein, welche die zweifellos technisch bemerkenswerte Leistung der Band hervorhoben und von einem der besten Progressive-Metal-Newcomer der späten Neunziger sprachen. Auch teilte sich die Gruppe bereits die Bühne mit so illustren Namen wie Nevermore, Crimson Glory und Jon Oliva’s Pain und kann als Produzenten von „Dark Deceiver“ Dino Alden vorweisen, der auch für Marty Friedman’s neuestes Soloalbum am Mischpult saß.

Wie erwähnt, ist dem Quartett ein hohes technisches Niveau nicht abzusprechen, man frickelt sich durch spiralenförmige Tonleitern und haut die unglaublichsten Läufe heraus; ob man jedoch tatsächlich Vergleiche mit Queensryche und Psychotic Waltz heranziehen sollte, wie im Infoblatt der Plattenfirma geschehen, sei mal dahingestellt. Psychotic Waltz waren sicherlich teilweise ebenfalls äußerst frickelig, doch in der Art und Weise, wie diese Band jene Passagen spielte und wie sie ihre traumhaften ruhigen Parts in ihre Songs integrierte, war sie einzigartig und lässt sich kaum mit einer anderen Gruppe vergleichen.

Streckenweise klingt Sänger Chris Salinas zwar wirklich wie Buddy Lackey alias Devon Graves, dennoch sind Zero Hour insgesamt weit entfernt von der warmen Gänsehautatmosphäre der Combo aus San Diego. Mir persönlich ist das Herumgewichse auf Gitarre und Bass einfach zuviel und es ist äußerst anstrengend, die CD auch nur einmal am Stück zu hören. Von daher hinkt meiner Meinung nach ebenso der Vergleich mit Queensryche, die zwar auch auf einem technisch hohen Niveau agieren, jedoch deutlich songorientierter schreiben und nicht auf Teufel-komm-raus so viele Sechzehntel-Läufe wie möglich in einer Minute unterbringen müssen; mal abgesehen sahen sich Queensryche auch nie wirklich als Progressive Metal-Act.

Natürlich gibt es die ein oder andere ruhige Stelle zum Verschnaufen, wie beim 12-Minuten-Longtrack „Inner Spirit“ oder „The Temple Within“, größtenteils aber wird der Hörer von Frickelorgien und permanenten Rhythmuswechseln stets gefordert, wenn nicht gar erschlagen. Als wäre dies nicht genug, muss dann mit „Tendonitis“ auch noch unbedingt ein Joey DeMaio-mäßiges, eher überflüssiges, nichtssagendes Basssolo eingebaut und ans Ende des Silberlings in Form von „Severed Angel“ ein merkwürdiges Instrumental gepackt werden.

Ich will gar nicht behaupten, dass es trotz des ganzen Gefrickels keine Struktur in den Stücken geben würde und als großer Fan von Bands wie Dream Theater, Symphony X, Evergrey oder Psychotic Waltz finde ich es auch alles andere als schlimm, technisch anspruchsvolles Zeug mit schnellen Läufen zu spielen, aber das hier ist mir wie gesagt etwas zuviel. Irgendwie ist mir das zu kalt und zu seelenlos, aber wenn man Liebhaber von derartiger Musik ist und auf Watchtower und Konsorten abfährt, kann man bestimmt nicht viel falsch machen, wenn man sich diese Scheibe zulegt.

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