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Zeraphine: Still

Ein erstklassiger Hörgenuss
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Dark Rock
Spielzeit: 46:21
Release: 30.06.2006
Label: Soulfood Music Distribution GmbH

Also, wenn in den letzten Tagen im Vorfeld einer CD-Veröffentlichung ein Album in unserer Redaktion besonders beliebt und begehrt war, dann definitiv das neue Werk des innovativen Berliner Dark Rock Quintetts Zeraphine.

Doch mit etwas Glück (und letzten Endes auch nicht ganz ohne Stolz) sitze nun ich hier an meinem alten Schreibtisch und habe die Ehre, ein paar Worte über das neueste Meisterwerk der Combo um Sänger und Songwriter Sven Friedrich zu verfassen.

Doch beginnen wir erst einmal für alle Nichtkenner der Formation mit einem kleinen Rückblick und der Aufarbeitung der Bandhistory: Seinen Anfang nahmen die musikalischen Wege des Sven Friedrich (Gesang & Texte) und Norman Sellig (Gitarre) bereits im Jahre 1994 mit der Gründung der Gothic Rock Kultformation Dreadful Shadows (wobei Norman im Grunde erst anno ´96 als festes Mitglied mit einstieg), welche es auf insgesamt vier Studioalben und unzählige, umjubelte Live-Auftritte in ganz Europa brachte.

Allerdings folgte auf dem Zenit der Bandgeschichte gegen Ende des Jahres 2000 die endgültige Trennung. Sven Friedrich und Norman Selbig hielten Ausschau nach neuen, kreativen Ideen und deren Umsetzungsmöglichkeiten. In Folge dessen gründete man einige Zeit darauf das neue Projekt namens Zeraphine, welches im Gegensatz zu den Dreadful Shadows weniger pathetische Wege in Sachen Songwriting und deren musikalischer Umsetzung gehen sollte.

Einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm man sogleich mit der Veröffentlichung des Debütalbums “Kalte Sonne“ im Jahre 2002. Mit dem Ergebnis, dass nicht nur alte DS Fans einen Gefallen am neuen (und viel authentischeren) Gesamtkonzept finden konnten, sondern auch sämtlichen (voreiligen) Kritikern erfolgreich der Hahn zugedreht wurde.

Und dass “Kalte Sonne“ ebenfalls keine Eintagsfliege gewesen war, beweisen die Jungs mit den viel umjubelten und hochgeschätzten Nachfolgewerken “Traumaworld“ (2003) und Blind Camera“ (2005), die auch aus kommerzieller Sichtweise für eine angebliche „Undergroundband“ sehr erfolgreich und absatzstark waren (bzw. es auch immer noch sind).

So weit, so gut... Nun steht also Ende Juni mit dem Album “Still“ das neueste Werk der sympathischen Formation in den Startlöchern und wird sicherlich nicht zu Unrecht von den Fans heiß herbeigesehnt. Eine Besonderheit im Vorfeld des Releases von “Still“ ist mit Sicherheit auch die Tatsache, dass es zugleich das erste Album ist, das auf dem neuen (bandeigenen) Label “Phonyx Records“ veröffentlicht wird.

Der Grund für die Gründung eines eigenen Labels ist objektiv betrachtet so simpel wie nachvollziehbar: Nachdem der Plattenvertrag bei ihrem bisherigen Label “Drakkar“ erfüllt und ausgelaufen war, gab es nur die Möglichkeiten, sich auch weiterhin den Diktaturen der jeweiligen Labels und Plattenfirmen zu unterwerfen (auch namhafte Major-Labels bekundeten an Zeraphine Interesse!) oder eben jene Chance zu nutzen, auf komplett eigenen Beinen zu stehen. Ein Entschluss, der sich letzten Endes als die einzig wahre und richtige Entscheidung herausstellen sollte...

Dies wird wohl auch der Grund sein, wieso man begann, die alte Tradition zu brechen, sich zur (meist eher theoretischen) Vorbereitung auf ein neues Album auf einem einsamen Bauernhof im schönen Spreewald zurückzuziehen. Stattdessen schloss man sich kollektiv für zwei Wochen in den Berliner Studios von Thommy Hein ein (welcher ebenfalls bei “Phonyx Records“ mit involviert ist) und begann das gesamte Album unter realen Live-Bedingungen einzuspielen und zu produzieren.

Heraus kam dabei ein Gesamtwerk, das aus rein musikalischer Sicht nicht authentischer, reifer und kantiger klingen könnte. Zeraphine haben mit “Still“ auf allen Ebenen einen großen Schritt nach vorne gemacht, was sich in sämtlichen Facetten der Produktion widerspiegelt und bemerkbar macht.

Kommen wir aber nun zur Setliste des neusten Geniestreiches, welches insgesamt zwölf eigenständige und hochkarätige Songs zu bieten hat, die im Gesamtschnitt eine durchschnittliche Spielzeit von knackigen 3 ½ Minuten vorweisen können (lediglich die mit ihren über 5 ½ Minuten lange Abschlusshymne “Nur ein Tag“ fällt bezüglich der Laufzeit etwas aus der Rolle).

Hierbei werden uns überwiegend hochkarätige Kracher des melodischen Dark Rock Genres präsentiert, die einhergehen mit Sven Friedrich´s ungemein intensiver, kraftvoller und warmherziger Gesangstimme. Die Liedertexte sind zu fast gleichen Teilen in deutscher und englischer Sprache verfasst worden und bieten ebenfalls zu gleichen Teilen Anspruch, Emotionen und Herzblut in purer Reinkultur.

Lieder wie beispielsweise die erdige und rockige Single-Auskopplung (und gleichzeitiger Titeltrack) “Still“, das elektrisch-verzerrt angehauchte Industrial Stück “Inside your Arms“ und das ohrwurmlastige “Toxic Skies“ sind Tanzflächenfüller per exellance und werden sowohl in den hiesigen Clubs, als auch auf den Live-Konzerten ihre großen Anhängerschaften finden.

Hingegen bilden Titel wie “Niemand Kann Es Sehen“, “Nichts Aus Liebe“ und “State Of The Moment“ organische und emotiongeladene Gothic Rock Songs der balladesken Art, die sowohl Herz als auch Verstand seiner Hörer problemlos für sich vereinnahmen können.

Besonders hervorgehoben sei hier das (mit einer subtilen Akustikgitarre untermalte) tiefsinnige und melancholische Meisterwerk “Halbes Ende“, dessen bewegender und nachfühlbarer Inhalt mehr als nur eine Träne Wert sein dürfte. Meiner Meinung nach einer der besten Songs auf dem Album und eine der schönsten Zeraphine Balladen aller Zeiten! Etwas weniger traurig – aber dafür nicht minder authentisch, sowie emotional – und mit einer ordentlichen Portion an Alternative Rock Einschlägen versehen, kommt das melodische “Fang mich“ daher.

Und gipfelt letzten Endes im fast schon episch anmutenden “Nur Ein Tag“, welcher letztendlich nochmals die Position einer Art Revue einnimmt. Eine Revue, voller schmerzlich-süßer Erinnerungen an vergangene Lieben, und Momente voller Glück und intensiver Zweisamkeit in Frieden und Harmonie...

Aber um es nun abschließend auf einen Punkt zu bringen: Zeraphine sind eine der ganz wenigen „schwarzen Szene-Bands“ in Deutschland, die es wirklich verstehen, nicht in altbackene Klischees und Pathos zu suhlen und es dennoch fertig bringen, emotional berührende Musikkunst aus dem tiefsten Herzen (und mit noch mehr Seele) zum Leben zu erwecken.

“Still“ ist ein erstklassiger Hörgenuss von der ersten bis zur letzten Minute, auch wenn beispielsweise ein Titel wie “Gib mir dein Gift“ mit seinem etwas zu aggressiv intonierten Refrain eher unpassend im Gesamtbild wirkt. Aber dennoch lebt gerade “Still“ von dieser individuellen Authensität voller Anspruch, Liebe, Tiefe und schmerzhafter Gefühlsmomente des menschlichen Seins.

Kurzum: “Still“ ist Herzblut. “Still“ ist Emotional und “Still“ ist mit absoluter Sicherheit jetzt schon eines der schönsten, besten und wichtigsten Alben des Jahres 2006!

Noch eine kurze und abschließende Anmerkung: Neben der regulären CD-Version des Albums (welche hier als Rezensionsexemplar vorlag), gibt es auch noch eine streng limitierte “Special Edition“ im Digipack zu erstehen, welche zusätzlich neben einem exklusiven Bonustrack noch den offiziellen Videoclip zur Single “Still“ (inkl. Outtakes vom Videodreh) enthalten wird.

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