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Zechengnom: Mim Bobbycar nach Altenessen

Die Underground-Offenbarung des Jahres!
Wertung: 10/10
Genre: Fresh Metal
Spielzeit: 53:24
Release: 01.04.2012
Label: Zeche Records

Wer anderen eine Grube gräbt, der hat ein Grubengrabgerät: Kaum jemand weiß das wohl besser als die fünf Kumpels von Zechengnom, die mit ihrer Debüt-Schacht-Platte „Mim Bobbycar nach Altenessen“ erstmals aus den Tiefen der bandeigenen Kohlenzeche hervorkriechen, um vom harten Leben unter Tage zu berichten. An einem Ort, an dem die Sonne nie scheint, entstanden im Laufe der letzten drei Jahre zehn Songs, von deren tiefer Poesie aus einer völlig fremden Welt sich die Musiköffentlichkeit bisher keine Vorstellung machen konnte.

Ihren traditionellen Ruhrpott-Thrash-Metal peppen Zechengnom mit gelegentlichen Ausflügen in andere Genres auf; dazu setzen die Jungs auf lebensnahe Texte und ein stringentes Konzept, das die Stilumbenennung seitens der Band in „Fresh Metal“ absolut rechtfertigt: Selten wurde so frisch und fröhlich drauflos geholzt, wie auf „Mim Bobbycar nach Altenessen“ - und kaum eine Band hat es bis dato geschafft, dabei so penibel auf Atmosphäre und Stimmung zu achten.

Schon der erste Track „Schaúf El Bagg'Ah“ überzeugt mit einem malmenden Groove, der die atemberaubende Reise eines in Saudi Arabien hergestellten Baggers von der Freiheit der orientalischen Wüste in die beklemmende Dunkelheit eines Essener Kohlestollens musikalisch ausdeutet. Die klaustrophobische, beinahe hoffnungslose Stimmung am Ende des Tracks leitet nahtlos zu „Im Dunkeln Sehn“ über. Der Song stellt die Ouvertüre zur dreiteiligen Grubenlampe-Suite dar, die sich durch das Album zieht und die wahre Geschichte der verzweifelten Suche eines ehemaligen Kumpels der Zechengnom-Musiker nach dem Ausgang aus einem eingestürzten Stollen thematisiert. Während „Im Dunkeln Sehn“ trotz des brutalen Beginns noch einigermaßen optimistisch rüberkommt, brettert „Dämmerlicht“ gehetzt durch die Boxen und „Finsternis“ lässt den Hörer schließlich mit dem musikalischen Äquivalent eines leeres Taschenlampenakkus hilflos zurück. Keine leichte Kost, aber verdammt gut gemacht!

Doch Zechengnom können nicht nur die Schattenseiten des Bergbaulebens trefflich umsetzen, sie beherrschen es auch, die Freuden des Unter-Tage-Seins in Musik zu gießen: „HackePeter“ ist eine Ode an des Bergmanns liebstes Werkzeug, der „Barbara-Blues“ fusioniert auf einzigartige Weise Gospel und Metal und geht locker als Worksong durch. „Der Kumpel-Code“ bestätigt schließlich wieder einmal, dass es wahre Freundschaft nur unter staubverschmierten Männern gibt und mit „Heimwärts (Hilde kocht mir Grünkohl)“ ist den fünf Gnomen sogar eine romantische Ballade gelungen, die ein Album voller Gegensätze und Widersprüche aber komplett ohne Ausfälle mustergültig zu Ende bringt.

„Mim Bobbycar nach Altenessen“ ist nur als Meilenstein des Metal zu bezeichnen und umso befremdlicher erscheint es, dass Zechengnom sich – besorgt um ihren angestammten Underground-Status – nach Erscheinen ihres Debüts bereits wieder in ihre Zeche verkrümelt haben, ohne Hinweise darauf zu geben, ob es ein Nachfolgewerk geben wird. Auf einem an den Stolleneingang angepinnten Zettel ließen die Musiker nur folgendes verlauten: „Der Erfolg ist ein Lichtblick und das licht ist uns zu hell. Zechengnom gehört in den Untergrund. Vielleicht für immer.“

In diesem Sinne: Glückauf!

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