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Yuppie Club: It's All About Money

Eine Platte wie guter Sex
Wertung: 9/10
Genre: Grindcore
Spielzeit: 28:07
Release: 15.01.2012
Label: FinestNoise

17 Songs in 28 Minuten – das gibt es nur im Grindcore. Wer sich allerdings jetzt heiter zurücklehnt und Schweinegeschrei erwartet, kombiniert am besten mit lustig-nekrophilen Texten, der kann die Platte eigentlich direkt in der Versenkung verschwinden lassen. Yuppie Club huldigen dem Old School Grindcore – laut, schnell, dreckig, roh: eine Platte wie guter Sex. Da merkt man schon, dass hier Bands wie Napalm Death Pate stehen durften. Mittlerweile zwei Alben haben die Herren mit „Pretty Brutal“ und „Pretty Insane“ rausgehauen, das dritte mit dem Namen „It’s All About Money“ (obwohl etwas im Stil von „Pretty Sexy“ mir mehr zugesagt hätte) steht seit Januar in den Regalen.

Kurzerhand schmissen sich die beiden Gitarristen Jeff und Bill, Basser Phil, Sänger Lee und (Ersatz-)Drummer Fernando wieder in Anzug und Maske, enterten das Studio und blökten ihren Unmut in die Welt hinaus. Alles wurde fein live eingespielt, wie es sich für Grindcore gehört – nichts mit Nintendomucke. Da lacht das Puristenherz. Ein bisschen Back-To-The-Roots-Feeling muss es in den heutigen harten Zeiten auch noch geben.

Man begibt sich also schon beim Intro jenseits der Alltagsgrenze. Gedämpfte Musik und dann – man weiß es nicht. Es könnte alles sein, von einem sterbenden Tier bis zu einer vergewaltigten Frau. Bei Grindcore weiß man es ja nie so recht. Der Titelsong trifft dann aber direkt schon wieder voll auf die Zwölf: Man hält sich gar nicht erst mit langem Geplänkel auf, geht aber auch bei Weitem nicht so rasant zu Werke, wie man das ab und an bei diesem Genre mitbekommt. Lee grunzt sich niederfrequent durch die Zeilen, das Bauchfell wummert, die Eingeweide tanzen. „Nothing Is What It Seems“ bietet den ersten Anspieltipp, das Tempo wird ein gutes Stück nach oben geschraubt, die Vocals werden noch eine Spur animalischer.

„ABC“ startet mit einem richtig genialen Intro und setzt sich gleich hinter seinem Vorgänger unter der Rubrik „Anspieltipps“ fest. Zwischen Gebrüll und Geflüster tun die Gitarren und Drums ihr Übriges. Das muss man sich anhören, sämtliche Beschreibungen werden dem Track nicht annähernd gerecht.

Ganz verwirrt schaut man nach ein paar Minuten auf die Anzeige. Ist die halbe Platte schon rum? So geht das nicht! Da wird direkt noch mal zum groovigen „Religion Kills“ zurückgeskippt und die traute Zweisamkeit von Vocals und Gitarren genossen. Richtig Stoff auf der Zielgeraden Richtung Stimmbandanriss gibt Lee dann nochmal bei „No God“. Was da zusammengefrickelt wird, spottet an und für sich jeder Beschreibung. Wenn die Kids, die nur moderne „Grindcore“-Bands kennen, wüssten, wie sich so etwas wirklich anzuhören hat, würden sie sich vor Angst wahrscheinlich bepinkeln und schreiend zu ihrer Mami rennen.

Ähnlich geil bollert „A Promise“ aus den Boxen. Der Track ist so monoton, dass er schon wieder geil ist – das muss man erst einmal hinbekommen. „Rainbow Bridge“ bietet ein fast schon fröhliches Kontrastprogramm. Keine Ahnung, was die Yuppies da eingeschmissen haben, aber zu dem Song könnte man fast tanzen.

Gegen Ende ist man fast schon zu erschöpft von den ganzen guten Songs, um solche Reißer wie „This Contract“ mit seinen galoppierenden Introgitarren und dem fiesen Wechsel in tiefere Gefilde noch zu würdigen. In jedem Fall ist man nach den gut 28 Minuten tief befriedigt. Ist die Kraft, um sich die geballte Power der Jungs noch mal reinzuziehen, vorhanden, bietet sich in jedem Fall eine ganze Schar von weiteren Durchläufen an. Da kann man mal sehen, dass Grindcore auch noch von gut angezogenen Männern praktiziert werden kann.

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