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You Ate My Dog: Like Torches

Neue Anwärter auf den Emocore-Thron
Wertung: 7.5/10
Genre: Pop-Punk, Emocore, Post-Hardcore
Spielzeit: 45:07
Release: 11.03.2011
Label: Snapping Fingers Snapping Necks

Normalerweise klingen schwedische Bands immer erfreulich anders als der Rest. Musiker aus dem Land der Elche schaffen es meist irgendwie, einen speziellen Touch mit einzubringen, der einem geübten Musikhörer ziemlich schnell ihre Herkunft verrät. Das ist nicht so bei den Herren von You Ate My Dog – die Schweden rund um die beiden Sänger Jonathan und Daniel Kärn klingen derartig amerikanisch, dass man sie ohne Weiteres beim ersten Hören mit Bands wie Silverstein verwechseln könnte. Das Sextett besteht aber nicht nur aus Emocore, sondern mischt auch eine gute Portion Pop-Punk und ein Post-Hardcore-Feeling unter, bei dem Fans das Herz aufgehen dürfte.

Dass die Herren wie eine Mischung aus Alexisonfire, A Day To Remember und eben Silverstein klingen, macht gar nichts, denn die Schweden beherrschen ihr Handwerk fast ebenso gut wie die genannten alteingesessenen Core-/Alternative-Bands. Und dabei schafft es die Combo ganz nebenbei auch noch, ein Keyboard so in dem teils fragilen, teils brachialen Sound unterzubringen, dass es nicht klingt wie ein Kinderkarussell aus einem Horrorfilm. Mit Snapping Fingers Snapping Necks haben die Schweden außerdem ein kleines heimisches Label gefunden, bei dem sie zusammen mit Kollegen wie Walking With Strangers Unterschlupf suchen konnten. Beste Voraussetzungen sind es also, um mit „Like Torches“ ein ambitioniertes Debüt auf den Markt zu werfen.

Und ambitioniert ist definitiv ein Attribut, das sich You Ate My Dog auf ihre Bewerbungsmappe pinnen können: Intelligentes Songwriting legt den Grundstein für durchgehend gute und teilweise wirklich großartige Songs – und das in dem Alter (aus der Tatsache, dass gerade einmal ein Drittel der Band über Bartwuchs verfügt, kann man zumindest ungefähr das Durchschnittsalter erraten)! Da wundert es keinen, dass bereits der Opener „Pretty Lights“, eingeleitet von einer ruhigen Keyboardpassage, richtig schön Post-Hardcore-mäßig nach vorne prescht. Der Vergleich mit Chiodos kommt hier relativ schnell in den Sinn – Jonathan, Daniel und Keyboarder Max schaukeln sich gegenseitig mit klarem Gesang und hysterischen Screams hoch und machen den knapp zwei-minütigen Track zum ersten Highlight der Scheibe.

Erfreulicherweise biedert sich auch die erste Single „Still Lost“ nicht zu sehr an Radio-Ohren an – zwar kommt hier ein spaciger Synthesizer zum Einsatz und es wird mehr mit klarem Gesang gearbeitet, der Refrain entschädigt dann aber wieder für sämtliche Pop-Allüren. Songs wie “We Burn Like The Phoenix“ geraten aber eine Spur zu zuckrig, zu anschmiegsam – schade, denn die Halb-Brachialitäten, die die Jungs produzieren, wissen doch wesentlich besser zu gefallen. „Hospital“ ist ein weiteres Stück dieser Art: Im Intro ist er mit genialer Vordergrund-Gitarre versehen, hintergründig erklingt gesprochener Text, der sich zu einem ohrenbetäubenden Schrei steigert. Das ist zwar ein Rezept, das im Core schon mehr als nötig verbraten wurde, aber hier funktioniert es einmal mehr brilliant.

„Comatosed“ ist anschließend wieder so ein Track, der nicht nur im Intro sehr nach Silverstein klingt (abgesehen von dem freakigen Keyboard – Max scheint nur eine bestimmte psychedelische Tastenfolge zu beherrschen, die dann aber immerhin perfekt), obwohl die Gitarren hier eine Spur drückender ausfallen. Im Refrain wird der Rhythmus ziemlich simpel, aber zumindest bildet sich hier ein guter Ohrwurm heraus. Zum guten Schluss mischen die Schweden nochmal alles, was zu einer guten Core-Hymne gehört: „Save The Last Bullet“ bietet klaren Gesang, wunderbare Screams, Gang-Shouts (man höre und staune!) und einen Rhythmus, der direkt in die Beine geht. Das alles geschieht aber nicht, ohne das gewisse Gänsehaut-Feeling, das durch die Kombination der verschiedenen Sänger zustande kommt. Es ist ein schöner Abschluss für eine überraschend erwachsen klingende Scheibe, die You Ate My Dog sicherlich schnell zu den neuen Lieblingen in der Emocore-Szene machen wird. Ein bisschen Punkteabzug gibt es dafür, dass nach dem starken Einstieg der Pop-Appeal rapide zugenommen hat, aber zumindest schleimen die Jungs sich nicht in die Gehörgänge und zudem beherrschen die Sechs ihr Handwerk ziemlich gut. Man darf gespannt sein, wie diese Band sich weiterentwickelt.

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