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Yogi Lang: No Decoder

Atmosphärisches, ruhiges Soloalbum Langs, das sich allerdings eher wenig von seiner Hauptband RPWL unterscheidet
Wertung: 7/10
Genre: Progressive/Art Rock
Spielzeit: 56:53
Release: 05.11.2010
Label: Gentle Art Of Music/Soulfood

Im September letzten Jahres veröffentlichte (seit diesem Jahr inzwischen Ex-)RPWL-Bassist Chris Postl sein Solo-Debüt „Fragments“ unter dem Namen Parzivals Eye – die Scheibe konnte mit durchweg gutem Songwriting und anspruchsvollen Arrangements überzeugen. Nun, wo das zehnjährige Jubiläum von RPWL ansteht, bringt passenderweise Frontmann Yogi Lang seinerseits sein Solo-Debütwerk unters Volk. Ganz offensichtlich ist er darauf bedacht, keine halben Sachen zu machen und hat zahlreiche illustre Gastmusiker um sich geschart, doch dazu später. Zunächst einmal sieht seine Grundbesetzung folgendermaßen aus: Lang selbst übernimmt neben dem Gesang noch Gitarre und Keyboards; für den Posten am Tieftöner konnte er mit Guy Pratt einen Mann gewinnen, der bereits als Session-Bassist für die großen Pink Floyd arbeitete, am Schlagzeug sitzt mit Manni Müller jemand, der selbst früher bei RPWL tätig war, während als zweiter Gitarrist Torsten Weber fungiert, einigen vielleicht bekannt als Klampfer der hervorragenden, äußerst authentischen Doors-Coverband The Doors Of Perception. Des weiteren ist mit Carmen Maier eine Perkussionistin mit an Bord.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich sind dies alles ausgezeichnete Musiker, die ihr Handwerk verstehen, doch wird auf „No Decoder“ einmal mehr ein wenig zu deutlich, dass RPWL als Pink Floyd-Coverband starteten und dieser Einfluss auch heute noch überlebensgroß vorhanden ist – da kommt es logischerweise nicht von ungefähr, dass ein ehemaliges Pink Floyd-Mitglied hier den Bass bedient.

Während bei Langs ehemaligem Kollegen Postl auf dessen „Fragments“-Album mit Querverweisen auf Genesis, Arena oder IQ zumindest streckenweise ein paar harte Riffs zu finden waren, sucht man diese auf vorliegendem Silberling vergeblich – alle, für die es ohne Headbanging also grundsätzlich gar nicht geht, brauchen überhaupt nicht erst weiterzulesen. „No Decoder“ beinhaltet ausschließlich ruhige, nachdenkliche und verträumte Töne; die einzige Ausnahme, wo ein klein wenig härter gerockt wird, bildet der vorletzte Track „Sansvalue“, wobei man selbstredend auch hier noch Meilen von Bezeichnungen wie „heavy“ oder gar „Hard Rock“ entfernt ist.

Das knapp dreiminütige Intro „Can’t Reach You“ zeigt gleich auf, wohin die Reise geht: Flächige, weiche Keyboardsounds untermalen perkussive Klänge und sanfte David Gilmour-artige, sehr sehnsüchtig anmutende Gitarrensounds, sodass der Titel schon mal sehr passend gewählt wurde. An zweiter Stelle folgt mit dem neuneinhalbminütigen „Sacrifice“ bereits der längste Track des Albums, der gut und gerne auch auf einem Floyd-Album der Marke „A Momentary Lapse Of Reason“ hätte stehen können, ab der Mitte allerdings auch stark an alte Porcupine Tree erinnert.

Steven Wilsons stetig wachsende Combo kann man als den zweiten großen Einfluss ausmachen, bei „A Million Miles Away“ ist dieser für meine Begriffe indes schon zu klar vorhanden – wenn der Gesang direkt nach einer gesprochenen Passage einsetzt, lässt „Stupid Dream“ so was von grüßen, dass man fast schon von einem Rip-off sprechen muss.

Doch damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Auf der Platte finden sich trotzdem auch experimentellere Momente, in denen Yogi versucht, sich von seinen Haupteinflüssen zumindest ein wenig zu distanzieren. So ist „Alison“ auf französisch vorgetragen und passenderweise taucht auch gleich noch ein Akkordeon auf; bei diesem Stück kommen auch zwei der bereits erwähnten Gastmusiker zum Zuge: Dominique Leonetti ist für die Vocals zuständig und Hubert Trenkwalder für die Quetschkommode. Auch der Einsatz der Violine im schwelgerischen „Say Goodbye“ durch das Spiel von Anne de Wolff (Live-Geigerin bei, ähem, Rosenstolz, und früher auch mal bei den einst grandiosen, inzwischen in der Bedeutungslosigkeit versunkenen Poems For Laila aktiv) ist sehr wirkungs- und stilvoll. Songschreiberisch kann man im Prinzip ebenfalls nicht meckern: Ob „Our World Has Changed“, die mit Saxophon-Streicheleinheiten versehene Chiller-Nummer „Sail Away“, das mit einem sehr sozialkritischen (einige werden sagen: Moralapostel-mäßigem) Text ausgestattete „Our Modern World“ oder der flauschig-schwebende Titeltrack – all dies sind wundervoll sanfte Wohlfühl-Kompositionen, die trotz ihrer zarten Art zum Glück weit entfernt von Seichtheit, Oberflächlichkeit oder gar Kitsch sind.

Ein bisschen mehr Eigenständigkeit hätte eben nur nicht geschadet, eine deutlichere Emanzipation von der eigenen Hauptband, sowie von Pink Floyd, Porcupine Tree oder auch David Gilmours Soloausflügen à la „On An Island“, zumal man sich bei Soloalben, die kaum Abweichungen vom Schaffen der Hauptband aufweisen, ohnehin stets die Frage stellen muss, wozu überhaupt ein Alleingang nötig war, wenn man doch kaum anders klingt. Schließlich sollte man meinen, dass Solowerke dazu dienen, etwas anderes auszuprobieren. Auch wenn ich der Ansicht bin, dass Ex-Bandkollege Chris Postl mit Parzivals Eye gegenüber „No Decoder“ die Nase vorn hat, begehen Fans von Floyd, dem alten Material des Stachelschweinbaums und selbstverständlich RPWL natürlich keinen Fehler, hier ein Ohr zu riskieren. Ach ja: Das außergewöhnliche Artwork hat übrigens auch was für sich.

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