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Yellowknife: Retain

Yellowknife können auf dem Zweitling noch zulegen
Wertung: 8,5/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 35:25
Release: 21.09.2018
Label: Grand Hotel van Cleef

Drei Jahre ist die Veröffentlichung der Yellowknife-Debütscheibe „Wooden Future“ bereits her, mittlerweile hat sich bei Frontkopf Tobi Mösch so einiges getan, da scheint der Umzug von Köln nach Hamburg noch das Geringste. Immerhin, mittlerweile hat der Mann sich für sein eigentliches Soloprojekt mit Schlagzeuger Christoph und Bassist Carsten endlich zwei feste Mitstreiter ins Boot geholt; beide waren beim Debüt schon dabei, sind also beim besten Willen keine Neulinge mehr. Ob sich ansonsten musikalisch noch was getan hat, lässt sich beim Anhören der neuen Scheibe „Retain“, die passend zum Herbstbeginn in den Regalen stand, leicht herausfinden:

Schon beim ersten Durchlauf fällt auf, dass die Songs insgesamt extrovertierter wirken, die Band scheint mehr aus sich herauszugehen, die ersten Stücke der Platte sind durchweg auch ein bisschen „härter“ als noch auf „Wooden Future“, ohne den Rahmen des Indie Rock zu sprengen. Schon der Opener „Don‘t You Ever Arrive“ kann als gutes Beispiel herhalten, obwohl er ähnlich unaufgeregt beginnt wie man es von Yellowknife gewöhnt ist. Dafür gerät das Stück im Verlauf dann deutlich flotter und wartet mit einem schon nach wenigen Runden ohrwurmigen Refrain auf.

Das vorab bereits veröffentlichte „In Basements“ muss dann naturgemäß etwas räudiger ausfallen, handelt es sich hierbei doch um eine Liebeserklärung an all die Proberäume, in denen Tobi Mösch und seine jeweiligen Mitstreiter wahrscheinlich schon geschwitzt, geschrien und geackert haben, entsprechend kommt man hier sogar mit einer leicht punkigen Attitüde aus den Boxen. Auch „A Saturday“ konnte bereits im Voraus gehört werden, obwohl das Timing ein bisschen unpassend war, geht es in dem Track doch um das sprichwörtliche Erwachen des Frühlings nach einem hässlichen, ungemütlichen Winter – blöd, wenn im September noch Temperaturen um die 20 Grad herrschen. Nichtsdestotrotz aber ein sehr schöner Track mit ebenfalls sehr schönem Gesang. Da kriegt man dann trotz Sonne doch noch ein bisschen Gänsehaut.

Gegen Ende der Platte leistet sich die Band dann fast schon einige Ausraster, zum Beispiel beim warmen, mit Hall versehenen „The Twist“, das sicherlich zu den ungewöhnlicheren Tracks der Platte gezählt werden kann und sich als erstaunlich tanzbar erweist (twisten kann man dazu sicherlich auch, sieht aber aufgrund der Geschwindigkeit vielleicht ein bisschen doof aus). Und: Es gibt Geschrei! Hier könnte jetzt ein Herz-Smiley stehen, man kann ihn sich aber auch einfach denken. Unfassbar gut, wie der Song gegen Ende noch mal richtig durchdreht und mit verzerrten Gitarren die Synapsen durchbrutzelt.

Als hätte man sich noch nicht genug gefreut, kommt das finale „Whispers In The Dark“ dann noch mit einem monoton stampfenden Beat daher, der dermaßen bedrohlich durch die Boxen dröhnt, dass er einer Metalband auch gut zu Gesicht gestanden hätte. Der absolut unaufgeregte Gesang im Vordergrund verdichtet die Atmosphäre nur noch.

Auch mit „Retain“ haben sich Yellowknife sicherlich wieder zusätzliche Fans gemeint, handelt es sich hierbei doch nicht etwa um eine 08/15-Indie-Platte, sondern um eine Sammlung größtenteils brutal guter Stücke. Da können Songs wie das etwas oberflächlich wirkende „Second Hand“ (das aber eine sehr coole Story hat) nicht ganz mithalten und werden vielleicht eher geskippt, unterm Strich kann, ach was: muss „Retain“ aber im oberen Drittel mitspielen und setzt sich dabei sogar noch ein Babyschrittchen vor seinen Vorgänger.

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