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Yellowcard: Lift A Sail

Der Kompass scheint kaputt zu sein
Wertung: 3/10
Genre: Pop Punk, Alternative Rock
Spielzeit: 47:29
Release: 07.10.2014
Label: Razor & Tie

Yellowcard sind nicht umsonst relativ bekannt geworden (zumindest in den USA). Die Mischung aus rotzigem Punkrock, guten Melodien und einer Violine hat einfach einen besonderen Charme, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Schade nur, dass der neue Longplayer, „Lift A Sail“, mit dieser Yellowcard-Variante  so gut wie nichts mehr zu tun hat.

Zu Beginn des mittlerweile zehnten Albums gilt es erst einmal, ein zweiminütiges Intro zu überstehen, das weder mit musikalischer Originalität noch mit einem überzeugenden Übergang zum zweiten Song aufwarten kann. „Transmission Home“ kommt zwar ungewöhnlich daher, weiß mit seinem harten Anfangsriff und dessen fließendem Übergang zu einem ruhigeren, atmosphärischen Refrain durchaus noch zu überraschen und zu überzeugen.

Danach wird „Lift A Sail“ dann aber leider ziemlich flach. Die nachfolgenden Songs zeichnen sich vor allem durch sich wiederholende Wiederholungen des Refrains aus, die meistens in einem lyrisch nicht gerade wertvollen „o o ooo“-Gejohle gipfeln. „Make Me So“ besitzt wenigstens noch angenehme Strophen und eine einigermaßen gelungene Bridge, „Chrash The Gates“  dagegen kann höchstens noch als Anschauungsmaterial für ideenlose Songwriter verwendet werden. Immerhin machen Yellowcard hier aus quasi nichts einen dreiminütigen Song.

Das gleiche trifft auch auf die nächste Nummer, namentlich „One Bedroom“, zu. Der mittlerweile fünfte Song des Albums trieft nur so vor Kitsch, geht zum einen Ohr rein, nur um direkt durch das andere das Weite zu suchen und weckt das schwer zu kontrollierende Verlangen, das Album auf der Stelle anzuhalten und irgendwo weit, weit weg verschwinden zu lassen. Wer trotzdem dranbleibt, wird im Anschluss immerhin mit einer leichten Verbesserung des Materials belohnt. In den Refrains wird dem Himmel sei Dank auf das eingangs beschriebene Gejodel verzichtet, die Songs gewinnen wenigstens ein bisschen an Tiefe und auf „Fragile And Dream“ wird sogar mal die Violine gewinnbringend eingesetzt. Den Abschluss dieses kurzen Aufwärtstrend bildet dann „The Deepest Well“, das sogar fast ein bisschen an den früheren Sound der Band erinnert. Ab dem nachfolgenden Titeltrack bis hin zum finalen Schlusssong „California“ (der fällt übrigens noch einmal besonders schwach aus) fallen die Amerikaner dann aber wieder zurück in die eingangs beschriebenen Muster. Dementsprechend lohnt es sich auch nicht wirklich, hier noch großartig Worte zu verlieren. Nach dem letzten Lichtblick erträgt man die abschließenden vier Titel eben noch schweren Herzens, immerhin im Bewusstsein, dass die Tortur der Gehörgänge sich ihrem Ende nähert.

Stillstand mag langweilig sein und dass Yellowcard sich musikalisch umorientieren, ist mitnichten verwerflich. Nur gelungen ist dieser Prozess leider absolut nicht. Die Amis haben sich schon seit langem in eine musikalisch gemäßigtere Richtung entwickelt, auf „Lift A Sail“ büßen sie ihren Charme aber wirklich vollkommen ein, langweilen mit nichts sagenden Songtexten und entwickeln sich soundtechnisch viel zu stark in Richtung Durchschnittsmainstream. Ob man es freundlich ausdrückt oder nicht, „Lift a Sail“ ist und bleibt enttäuschend. Bleibt nur zu hoffen, dass Yellowcard in Zukunft wieder etwas mehr zu ihren Wurzeln zurückkehren, denn noch mehr Alben wie dieses braucht die Welt nicht.

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