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Yana Mangi: Earth Shadow

Folklore und Rock joikend verschmolzen
Wertung: 7.5/10
Genre: Folkrock/Pop/World
Spielzeit: 41:46
Release: 24.09.2010
Label: Record Heaven/Transubstans Records/Indigo

Das musikalische Schweden setzt sich im Rock- und Metal-Kosmos zumeist aus drei Bestandteilen zusammen: Göteborg'scher Death Metal, Rotzrock ala Hellacopters oder Psychopunch und schließlich melodischer Poprock nach Art von Mando Diao oder (neuerdings) auch Royal Republic. Dass Schweden auch eine Folklore zu bieten hat, die sich ganz trefflich mit Stromgitarren und treibendem Schlagzeug anreichern lässt, wird dabei hingegen meist unbemerkt übergangen. Deshalb: Vorhang auf und Bühne frei für Yana Mangi!

Die blonde Sängerin lebt nördlich des Polarkreises und hat es sich mit ihrem Debüt „Earth Shadow“ zur Aufgabe gemacht, die traditionelle Musik der eingeborenen Samen mit modernen Einflüssen zu ihrer ganz eigenen Art von Folkrock zu verbinden. Dafür qualifizieren sie ihre eigene samische Herkunft, vor allem aber ihre Beherrschung des traditionellen Gesangs der Samen, genannt „Joik“. Der klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Jodeln und indianischen Gesängen und verpasst Yanas Musik ganz klar eine sehr eigene Note. Dennoch hält sich die Fremdartigkeit in Grenzen, denn der Joik wird in den meisten Songs eher wie ein zusätzliches Instrument gehandhabt und mit „normalem“ Gesang auf Englisch und (vermutlich) Schwedisch ergänzt.

Als Fundament für ihre stimmliche Leistung bedient sich Yana nach Lust und Laune im reichhaltigen Fundus zeitgenössischer Musik: Mal mit leichter elektronischer Schlagseite und stampfenden Trommeln wie im Opener „Sökare“, mal im akustischen Singer-Songwriter-Stil („The Sun“), dann wieder deutlich hardrock-inspiriert wie in „Nýojk“. Scheuklappen sind der Schwedin – zum Glück! - fremd, weshalb „Earth Shadow“ extrem vielseitig und abwechslungsreich geworden ist. Selbst Countryrhythmen und spanisch anmutende Gitarrenlinien fügen sich problemlos ins Gesamtbild ein. Dazu bewegt sich Yanas Gesang songweise zwischen freundlich-vertrauter und mystischer Färbung hin und her. Letztere erhält durch das eingestreute Joiken und die mit Trommeln und Streichern angereicherten Arrangements einen fast schon schamanischen Klang - großartig gelungen beispielsweise im auf schweren 7/4-Rhythmen und verzerrten Gitarren basierenden und fast komplett gejoikten Track „Näjden“.

Wie es sich für eine vielseitige Platte gehört, findet sich aber auch das komplette Gegenteil von meditativer Mystik auf „Earth Shadow“: „Altajärvi“ verbreitet mit geschlagenen Akustikgitarren, fröhlich-folkloristischen Geigen und Leadgitarren sowie jauchzendem Joik fröhlichste Tanzstimmung. Leider übertreibt es Frau Mangi in der zweiten Songhälfte dann ein wenig mit den Overdubs und das fröhliche Tänzchen verkommt nicht ganz freiwillig zum gewaltigen Stampfer mit Breitwandsound.

Generell ist das eine der wenigen Macken der Platte: Hier wird oft und gerne dick aufgetragen, das Klangspektrum voll ausgereizt, jede Lücke im Sound mit Schlagwerk, Synthies und Streichern gestopft. Bei soviel Naturverbundenheit, wie sie das Albumcover verspricht, hätte ein etwas organischeres, raueres Klangbild sicher nicht geschadet. So ertappt man sich beim Hören manchmal bei gruseligen Gedanken an federhallgetränkte Fußgängerzonen-Indianer oder ekstatische Midsommertänze alternativer Esoterikzirkel.

Glücklicherweise halten sich diese Momente aber in Grenzen, so dass „Earth Shadow“ die meiste Zeit als gelungenes, wenn auch manchmal etwas schwülstiges Album in der Schnittmenge von Rock, Pop und Weltmusik durchgeht. Besonders Liebhaber des letztgenannten Genres dürften daran ihre Freude haben.

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