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Xasthur: Portal Of Sorrow

Ein zwiespältiger Abschied
Wertung: 5.5/10
Genre: Black Metal, Ambient
Spielzeit: 66:48
Release: 24.06.2011
Label: Viva Hate Records

Obwohl der US-Amerikaner Malefic mit seiner als Soloprojekt existierenden Band Xasthur bereits seit 1996 aktiv war, konnte er trotz einiger gewonnener Aufmerksamkeit in der Szene nie wirklich zu den Größen dieser gezählt werden. Mit „Portal Of Sorrow“ erschien nun bereits das letzte Lebenszeichens des Projektes, das die ohnehin schon nicht gewöhnliche Vision des Musikers von Black Metal in einem düsteren Kaleidoskop präsentiert, dessen Farben jedoch nicht nur in ihrer Beschaffenheit, sondern auch ihrer Qualität stark variieren.

Dass Malefic, was Black Metal betrifft, sich eher der alten Schule zugehörig fühlt, lässt das unermüdliche Festhalten an einem Sound, den manche als nostalgisch und atmosphärisch, andere wiederum als vollkommen veraltet und unhörbar bezeichnen würden – die Wahrheit liegt im Falle von „Portal Of Sorrow“ vermutlich irgendwo dazwischen, denn wie in nahezu allen Teilbereichen lassen sich auch hier erhebliche Schwankungen ausmachen. So ist es nicht selten der Fall, dass ungestüme Black-Metal-Attacken, die ohnehin schon unter wahllosem Songwriting leiden, durch den vollkommen unausgewogenen Sound die Nerven des Hörers noch mehr malträtieren, während andere Stücke mit ihrer hallenden, verwaschenen Abmischung und dezentem Ambient-Flair überraschend gut funktionieren.

Einen großen Teil zu den besseren Momenten des Albums trägt fraglos die Gastsängerin Marissa Nadler bei, die mit ihrem außergewöhnlichem Gesang den Songs ein ganz eigenes Flair verleiht. Während Malefic die charakteristischen Kreischer beisteuert, vokalisiert die Sängerin die Stücke und fungiert so als ein weiteres Instrument, das mit seinen geisterhaften, klagenden Klängen ein anderweltliches Ambiente schafft. Dem akustischen Einstieg „Portal Of Sorrow“ verleiht die Folk-Musikerin so ein mystisches Flair und lässt darauf hoffen, dass die dichte Atmosphäre im weiteren Verlaufe des Albums beibehalten wird – leider gelingt dies nicht immer in vollem Maße wie beispielsweise im knapp acht-minütigen „Stream Of Subconsciousness“, das von Marissas ätherischer Stimmdarbietung flankiert langsam voranschreitet, oder auch dem melancholischen Akustik-Stück „Mourning Tomorrow“, denn viele der restlichen Songs vermag auch diese an sich hervorragende Unterstützung nicht mehr zu retten.

„Broken Glass Christening“ erstickt so nicht nur alle positiven Aspekte bereits mit dem grausigen Sound im Keim, der die restliche Instrumentierung hinter den scheppernden Drums weit in den Hintergrund treten lässt, sondern schmälert mit unausgegorenem und unprofessionell wirkendem Songwriting den Hörgenuss noch weiter, was gerade angesichts der langjährigen Erfahrung von Malefic doch ein wenig verwundert. Zu anderen Zeiten wiederum lassen gekonnte Ansätze wie das starke, von Marissa intonierte Intro von „This Abyss Holds The Mirror“ und die doomige Ausrichtung des Songs wieder hoffen, werden aber in diesem Fall von schrägen Orgelklängen und obskurem Gegrunze nur wenig später wieder neutralisiert. Zwar lassen sich zwischen den insgesamt sechzehn Stücken immer wieder überzeugendere Momente finden, in denen tatsächlich einiges an Stimmung aufkommt (beispielsweise die beunruhigenden Klänge in „The Darkest Light“ oder der gekonnt disharmonische Ausklang „Beyond“), doch die fehlende Homogenität des Albums lässt die Songs häufig eher zusammengewürfelt wirken, so dass sowieso schon unspektakuläre Stücke wie „Mezmerized By Misery“ oder „Obeyers Of Their Own Death“ noch eine Spur belangloser erscheinen.

Obwohl „Portal Of Sorrow“ durchaus unkonventionell und ausgefallen ist, beendet Malefic das Schaffen von Xasthur leider zwiespältig – einige gute Ideen und die großartige Ergänzung durch Marissa Nadlers Gesang stehen der oftmals unausgereiften Umsetzung des Songwritings und dem häufig suboptimalem Sound entgegen. Zudem tut sich Malefic mit der schieren Anzahl an Songs hier keinen Gefallen, da „Portal Of Sorrow“ auf diese Weise umso mehr wie eine nicht ausreichend durchdachte Ansammlung von Einfällen wirkt. Nichtsdestotrotz ist Xasthurs finales Werk keinesfalls so dilettantisch, wie es in weiten Teilen der deutschen Fachpresse dargestellt wird, denn auch ohne ein überzeugendes Gesamtbild finden sich auf dem Album einige äußerst atmosphärische Augenblicke, die durch ihr interessantes Konzept im Gedächtnis bleiben und den Wunsch zurücklassen, dass Malefic sich noch ein wenig mehr Zeit genommen hätte, um dieses weiter auszuarbeiten – aber neue Projekte sind ja bekanntlich nie ausgeschlossen.

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