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:Wumpscut:: Wreath of barbs

Allen Liebhabern und Freunden melodiöser EBM Musik zu empfehlen
Wertung: 8.5/10
Genre: EBM
Spielzeit: 54:57
Release: 09.10.2001
Label: Beton Kopf Media

Nach das komplett in deutscher Sprache gehaltene Album “Boeses junges Fleisch“ (1999) nur teilweise bei den Fans überzeugen konnte und auch die ein Jahr später erschienene Raritäten-Compilation “Blutkind“ nur bedingt zu Beifallsstürmen hinreißen konnte, war es anno 2001 endlich wieder soweit: Mit “Wreath of barbs“ (= Kranz mit Widerhaken) stand der neue Output des Landshuter Soundtüfterls Rudy Ratzinger (alias :Wumpscut:) in den Plattenläden, der zumindest thematisch wieder an alte ”Bunktor 7”- (1995) und ”Embryodead”- (1997) Zeiten erinnern sollte.

Doch nur wenige Monate vor dem offiziellen Erscheinen des aktuellen :Wumpscut: Albums, sah sich jenes Projekt einem ungeahnten Presserummel (bevorzugt der Boulevardpresse) ausgesetzt: Im Frühjahr 2001 sorgte der “Satanistenmord von Witten“ wochenlang für Schlagzeilen (die Eheleute Manuela und Daniel Ruda erstachen ihren damals besten Freund Frank H. mit einer Unzahl an Messerstichen, wobei Daniel Ruda bis heute bestreitet, an jener Tat mitbeteiligt gewesen zu sein). Als dann zudem herauskam, das jenes Ehepaar u.a. Bands wie Soko Friedhof und :Wumpscut: als Favoriten ihres bevorzugten Musikgeschmackes nannten, war „natürlich“ schon von Anfang an klar, wer zumindest die Mitschuld an der Sache trug bzw. auf wen man sie zumindest teilweise abwälzen konnte: Nämlich auf die „Schwarze Szene“ mit ihren ganzen „bösen, bösen Bands“ und eben jenen „potenziell aggressiven Szenegängern“.

Rudy Ratzinger nahm diese Provokation durch die Presse natürlich dankend an kreierte in Windeseile den Titel “Ruda“, welcher eine Ansammlung von hiesigen TV-Interviewsequenzen ist, die Ratzinger mit nettem „Soundtrack“ untermalte. Jenes Stück diente sogleich als B-Seite der ersten Singleauskopplung “Deliverance“, welche nun noch mehr Hunger auf das anstehende Album machen sollte. Somit konnte also der Rubel dieses Skandalprojektes wieder rollen.

Aber nun zum eigentlichen Albuminhalt selbst: Vermissten doch viele bei “Boeses junges Fleisch“ einen gewissen Kernpunkt, so besann sich Rudy Ratzinger nun wieder bei seinen alten Wurzeln und wollte mit vorliegenden “Wreath of barbs“ wieder thematisch das verarbeiten und bieten, was er am besten konnte: Apokalyptische Kriegsszenarien, gepaart mit einer vollen Emotionspalette aus Hass, Zorn und blanker Ausweglosigkeit.

Allerdings sollte die nun folgende „Kriegsführung“ subtiler und sphärischer gestaltet sein, als das, was man bisher je von :Wumpscut: zu diesem Zeitpunkt gehört hatte: So legten die beiden Eröffnungstitel “Opening the gates of hell“ und “Deliverance“ noch ein ordentliches Tempo vor, wie man es bis dato von :Wumpscut: gewohnt war. So wurde dieses bekannte Schemata allerdings sehr schnell wieder mit dem Titelstück “Wreath of barbs“ gebrochen. Jenes Glanzstück aus der Feder von Gesangspartnerin Aleta Welling (u.a. schon bei “Fear in motion“ anno 1993 zu hören) sollte die eben angesprochene, neue Ära im Hause :Wumpscut: nun offiziell einläuten: Fernab jeglicher kranzender und schranzender Basslinien eines Industrial-Hammers, ist “Wreath of barbs“ ein hypnotisch anmutender Alptraum über die Kriegswirren seiner beteiligten. Weit ab jeglichen Fingerzeigs, wird einem hier der Wahnsinn des Krieges vor Augen geführt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nur das Hoffen auf ein besseres Morgen hält seine Protagonisten in diesem (audiovisuellem) Alptraum noch am Leben. Für die einen ist “Wreath of barbs“ ein überbewerteter und in den Clubs mittlerweile totgespielter EBM Schauermär, für die anderen allerdings eines der „schönsten“ und besten :W: Stücke aller Zeiten.

Die thematisch weiterführenden Titel “Troops under fire“ und “Line of corpses“ setzten ebenfalls wieder mehr auf minimalistische Dark Elektro Atmosphäre, als auf pures (und aufs Tanzen ausgerichtete) Industrial-Geschranze und Gehämmere: Auch wird hier jeweils zu gleichen Teilen mit Filmsamples und „Sprechgesang“ gearbeitet, so dass eine so dermaßen authentische Atmosphäre entsteht, als würde man sich wirklich inmitten eines mit Schnee bedeckten Schlachtfeldes bewegen und könne sich selbst dieser beängstigten Symbiose aus Faszination und Grauen nicht entziehen.

“Dr. Thodt“ ist ein rein von Aleta Welling vorgetragener subtil-Schocker, welcher aus der Sicht eines Patienten erzählt wird, der auf dem kalten OP-Tisch eines Arztes liegt und seinem Treiben bei vollem Bewusstsein (aber dennoch völlig Bewegungsunfähig) ausgeliefert ist. Als eine Art „Weiterführung“ ist auch der rhythmisch etwas schneller angelegte “Christfuck“ zu verstehen: Ging es doch schon anno 1997 bei dem Titel “Golgotha“ (vom Album “Embryodead“) um den finalen Kreuzgang Christus, so ist eben jenes “Christfuck“ seine konsequente Endabrechnung dessen.

Im Endeffekt war für viele “Wreath of barbs“ dennoch ein wenig zu „zahm“ geraten. Andere hingegen lobten dieses subtil-brachiale und atmosphärische Meisterwerk in den höchsten Tönen. Fakt ist jedoch leider auch, dass nach gut ¾ der Spielzeit dem Album ein wenig die Puste ausgeht bzw. es dann doch bei aller Liebe zum Detail etwas an Abwechslung und Innovation mangelt.

Dennoch kann man vorliegendes Album getrost allen Liebhabern und Freunden melodiöser EBM Musik empfehlen, die immer noch meilenweit von solchen Begriffen wie „Kommerz“ entfernt ist. Dafür ist jenes Album einfach immer noch zu bitter, deprimierend und zynisch, als das man es der „breiten Masse“ weiter empfehlen könnte. Als kleinen Bonus enthielt die reguläre Erstauflage nicht nur einen goldenen Hochglanzprägedruck des Coversymboles und der Titelliste, sondern noch einen Bonustrack mit dem Titel “Eclipse“, welcher ein sehr gelungener (und ebenfalls subtiler) Remix des Originals von Kirlian Camera geworden ist.

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