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:Wumpscut:: Embryodead

Perfekt bis zur letzten und äußersten Konsequenz
Wertung: 10/10
Genre: Industrial
Spielzeit: 50:20
Release: 20.05.1997
Label: Beton Kopf Media

Aus Anlass der im Sommer erschienenden Neuauflage des wohl besten :Wumpscut: Albums aller Zeiten, möchte ich es mir an dieser Stelle nicht nehmen lassen, ein paar Worte über dieses apokalyptische und bis zur endgültigen Konsequenz gehende Album namens “Embryodead“ zu verlieren.

Im Jahre 1997 erschien ziemlich genau zwei Jahre nach dem viel und heiß diskutierten Album “Bunkertor 7“, jener verheißungsvolle Output mit dem nicht minder provokanten Titel (und passenden Artwork) “Embryodead“. Hier sollte sich erstmals die bis zum pedantischen und äußerstem neigende Morbidität und schonungsloser Konsequenz des Soundtüftlers Rudy Ratzinger in Vollendung zeigen: “Embryodead“ ist bis heute wohl das textlich nihilistischste und musikalisch härteste Industrial Album des in Landshut ansässigen Masterminds.

Jene 10 Tracks des Albums gliedern sich in jeweils unterschiedliche Epochen und Perspektiven (mal aus jener Egoperspektive und mal aus der des schaulustigen Voyeurs). Letztlich wird es aber in der letzten Konsequenz immer so bleiben, dass der Mensch nur noch als ein „Etwas“ definiert wird. Egal in welcher Zeit und in welcher Epoche: Der Mensch ist und war lediglich nur das Trugbild seiner Selbst, das schon immer dazu bestimmt war, das Leid über andere zu bringen um sich dann letztendlich selbst den erlösenden „Gnadenschuss“ zu geben.

Titelgebender Track “Embryodead“ ist ein rasanter und elektronisch hart treibender Bastard, der unterstützt wird von Ratzingers zwischen deutsch und englisch wechselnden und wutentbrannten Gesangseinlagen. Brachial und deutlich wird hier zur Sprache gebracht, was vielleicht nicht wenige denken mögen: Hat sich jener Embryo im Mutterleib nicht selbst den größten Gefallen damit getan, dass er vorzeitig von dieser Welt aus Schmerz, Krieg und Sinnlosigkeit wieder vorzeitig entschwunden ist?

Sollte dem aber nicht der Fall sein und der Embryo nistet sich auch weiterhin im Leibe der Mutter ein... Was würde er wohl von sich geben und denken? Die Antwort hierauf erhalten wir im morbiden und alptraumhaften “Womb“. Praktisch aus dem Mutterleib heraus vernehmen wir eine verzerrte „Kinderstimme“, die lediglich nur noch Verwünschungen, Hass und Ablehnung für jene Welt außerhalb des Mutterleibes empfindet und bereits schon dort auf Rache sinnt. Für seine Zeugung von zwei sich im Grunde eh hassenden Menschen.

Jene letzte Perspektive und Konsequenz des ungewollten und gehassten Embryos, ist die des “Stillbirth“. Eine im Gegensatz zu den beiden eben genannten Songs sehr ruhige, düstere und atmosphärische Nummer, die aber dennoch alles andere versöhnlicher anmutet. Eher das Gegenteil ist hier wieder der Fall: Der ungewollte und ungeliebte Fötus fand letztendlich durch die Hände seiner eigenen Mutter den Weg in Tod: In einer einsamen und kalten Nacht. Begleitet von den letzten Klängen der Spieluhr des Kindes.

“Down where we belong“ ist eine recht Synthesizer-lastig und schnelle Dark Elektro Nummer geworden, in welcher es um das Thema Klassenunterschiede geht: Entweder du bist ganz oben und frönst der verachtenswerten Dekadenz, oder du verkümmerst ganz unten im kalten Dreck. Ein „Dazwischen“ gibt es nicht!

Die logische Konsequenz hieraus entwickelt sich in Form von Hass, Zorn und Ohnmachtsgefühlen auf die eigene Existenz- und Sinnlosigkeit und der fehlender Liebe: “Slave to evil“ ist ein ziemlich schranziges und ungemütliches Stück Musik und Lebensgeschichte, wenn einem der eigenen Ansicht nach nichts anderes mehr bleibt als die pure Wut und Zerstörung.

Letztendlich bleibt nur das Anstauen von unterdrückten Gefühlen und Scherzen. Bis es zum finalen und alles vernichtenden Krieg kommt: “War“, ist nicht nur das musikalisch härteste und zornigste, sondern auch das konsequenzloseste Lied dieses Albums: Tod, Schmerz und Zerstörung gehen einher mit dem Versagen der eigenen Existenz und der gesamten Menschheit. Zurück bleiben lediglich die schreienden Mütter, die um ihre toten Kinder weinen... Und sogleich als „Vergeltung und Racheakt“ um einen neuen Krieg wimmern und lauthals krakeelen! Der Kreis beginnt sich nun mehr langsam zu schließen...

Aber das die Menschheit schon immer ihre Hände ins reine waschen wollte, nur um selber nicht geahndet zu werden, kennen wir bereits aus dem neuen Testament. Genauer gesagt: Als Pilatus Jesus, den Sohn Gottes, ans Kreuze schlagen ließ um bei seinem Volk nicht in Ungnade zu fallen. “Golgotha“ war nicht nur der berüchtigte Berg, den Jesus als seinen Kreuzweg beschreiten musste, sondern ist auch der Opener dieses Meisterwerkes: Ein melodischer und verzweifelter Aufschrei Ratzingers in der Form des Beobachters und Zeitzeugen. Musikalisch relativ zurückhaltenden, aber dennoch relativ atmosphärisch peitschend und treibend (besonders im eindringlichen und durch Mark und Beinen dringenden Refrain), stellt “Golgotha“ den inhaltlichen „Anfang allen Übels“ dar.

Fast schon wie ein erlösender Schlag ins Gesicht, wirkt nach all dem Leid und Schmerz die sehr sensible und elektronisch minimalistisch gehaltene Ballade “Angel“. Jener Engel ist sozusagen der letzte, helle Lichtstrahl am durch Tod und Leid verdunkelten Firmament... Eine wunderschöne, kraftvolle und emotionale Elektro-Ballade, wie man sie Rudy Ratzinger wohl niemals zugetraut hätte: Ein musikalischer Traum, der einen wenigstens für ein paar Augenblicke aus dieser quälenden Welt ausbrechen lässt.

Ohne Übertreibung ist “Embryodead“ als DAS musikalische Meisterwerk aus dem Hause :Wumpscut: anzusehen: Niemals mehr schaffte es Rudy Ratzinger so perfekt bis zur letzten und äußersten Konsequenz zu schreiten. “Embryodead“ ist böse, schmerzhaft und ein grotesk-dekadentes Abziehbild unserer Welt und Gesellschaftsordnung: Nihilistisch und gnadenlos, ohne jegliche Aussicht auf Erlösung (zumindest nicht in diesem Leben)…

Als kleinen Bonus befinden sich noch vier zusätzliche Stücke auf dieser Neuveröffentlichung: Insgesamt vier rein instrumentale Tracks, die man auf diesem Album bereits schon als Original-Version kennenlernen durfte (jene Laufzeiten fließen NICHT in die Gesamtspielzeit des Albums mit ein).

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