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:Wumpscut:: Bunkertor 7

Gehört für viele zu den besten Werken aus dem Hause :Wumpscut:
Wertung: 9/10
Genre: EBM, Industrial
Spielzeit: 51:39
Release: 01.09.1995
Label: Beton Kopf Media

Nach dem Debütalbum “Music for a slaughtering tribe“ (1993) und der Veröffentlichung ganz früher und rarer Single-Tracks, die auf der EP “Dried blood of Gomorrah“ (1994) zusammengefasst wurden, war es im Jahre 1995 an der Zeit für das offizielle, zweite Album aus dem Hause Rudy Ratzingers, welches bis einschließlich heute wohl mit die größten Kontroversen rund um dieses Dark Electro und Industrial Projekt hervorbrachte. Hört es doch schließlich nicht zu unrecht auf den recht morbiden und düsteren Titel “Bunkertor 7“, mit welchem in diesem Zusammenhang oft das damalige KZ in Dachau in Verbindung gebracht wurde.

Demzufolge dauerte es nicht lange, bis schon alleine der Albumtitel und das dazugehörige (beklemmend-atmosphärische) Coverartwork für einen handfesten Skandal innerhalb der Dark Electro und Gothic-Szene sorgte: Sollte hinter dieser CD etwa nun Neonazi Propaganda stecken? Oder wollte man eher von Hause aus provozieren und sogleich die Grenzen des guten Geschmackes ausloten und (über-)strapazieren? Die Wahrheit ist aus heutiger Sichtweise so zu Formulieren:

:Wumpscut: war, ist und bleibt ein intelligent kalkuliertes Skandalprojekt, das jenseits aller gängigen Normen agiert und handelt! Rudy Ratzinger rechtsextreme Tendenzen vorzuwerfen wäre vermutlich ebenso Zeitverschwendung, wie wenn man jetzt z.B. versuchen würde, einem George W. Bush die Todesstrafe abspenstig zu machen. Es funktioniert nämlich schlicht und einfach nicht.

Fakt ist, dass es thematisch auf “Bunkertor 7“ um einen Kriegsschauplatz geht. Aber nicht um einen im dritten Reich oder sonst wo in vergangener und naher Zeit. Genauer gesagt befindet sich der besagte Kriegsschauplatz völlig unbemerkt mitten unter uns: Symbolisch wird hier aber als Identifikationsfigur die Geschichte eines Mannes erzählt, der gebeutelt vom Leben noch immer weiter und tiefer in sein eigenes Moloch aus Frust, Hass und Paranoia versinkt. Ausgenutzt und getreten vom Leben. Gedemütigt und erniedrigt im innersten seines Herzes, von Menschen, denen er einst meinte vertrauen oder sie gar lieben zu können.

Dementsprechend ist auch die inhaltliche Aufteilung auf “Bunkertor 7“ gestaltet: Mit einem recht mulmigen und rein mechanischen öffnen des Bunkertores (“Open gate“), begeben wir uns direkt hinab in eine menschliche Hölle aus Leid, Zorn, selbst auferlegter Isolationshaft und dem Sinnen auf Rache und Vergeltung.

“Torn skin“ ist augenscheinlich geprägt von purer Hingabe, Erregung und Ekstase auf sexueller Ebene. Sex als Verschmelzung zweier Leiber zu einem einzigen Wesen. Doch was passiert, wenn mit einem Male aus einem beiderseitig gewollten Akt nur noch einseitiger wird? Aber der Gegenpart nicht ablassen kann und will? Das Ende der Geschichte ist hier schon abzusehen und endgültig. Zeugen darf es keine geben und so nimmt der Wahnsinn seinen weiteren und unaufhaltsamen Lauf.

“Torn skin“ ist eine recht eingängige, düstere und melodiös-treibende Elektronummer der Sonderklasse und vermittelt schon bereits zum Einstieg ein recht beklemmendes und klaustrophobisches Gefühl aus Angst- und Unwohlsein.

“Capital punishment“ hingegen überzeugt von der musikalischen Seite her durch einen sehr geschickten Aufbau und Melodiebogen: Sehr ruhig und unauffällig beginnend, steigert sich innerlich nach und nach der Wahnsinn seines Protagonisten, was sich auch an der Steigerung der Musikgeschwindigkeit nachvollziehen lässt. Ab dem Mittelteil ist “Capital punishment“ nämlich mit einer der schnellsten und zornigsten :Wumpscut: Tracks aller Zeiten und lässt einen wortwörtlich zu einem apokalyptischen Endzeitszenario die Beine zum (Todes-)Tanz schwingen.

Das Gegenstück dazu ist das recht frostige und schleppende “Die in winter“. Den Text sollte man allerdings nicht allzu ernst nehmen, da sich hier einmal mehr perfekt Rudy Ratzingers sarkastischer und schwarzer Sinn für Humor widerspiegelt...

Titelgebender “Bunkertor 7“ ist nicht nur die einzige, deutschsprachige Nummer auf diesem Album, sondern rein inhaltlich auch noch die provokanteste und konsequenteste: So wird hier zwar doch recht morbid, aber geschickt mit dem Thema „verschämte Liebe“ und deren endgültige „Endlösung“ ein Brocken vor den geneigten Hörer geworfen, den er erst mal in seiner dargebotenen Radikalität verarbeiten muss. Und das, obwohl im Grunde eigentlich „nicht viel passiert“ (sprich, es werden inhaltlich gerade mal einige Andeutungen im weitesten Sinne gemacht. Mehr aber auch nicht!).

“Bunkertor 7“ ist eine wahrlich böse und zynische Angelegenheit, bei welcher aber bei genauerer Betrachtung der unbedarfte Hörer automatisch mehr hinein interpretiert als eigentlich (offensichtlich) vorhanden ist.

“Thorns“ ist ein reines Instrumentalstück, das sich von einer sehr sanften und fast schon versöhnlichen Seite zeigt, bevor es dann aber mit “Mortal highway“ musikalisch nochmals richtig abgeht: Jener Titel ist eine extrem rüde, rotzige und knallige Elektro-Punksymbiose, die ihres gleichen sucht, was die (musikalische) Zerstörungswut und ihre Brachialität anbelangt. In dieselbe Kerbe schlagen auch “Dying culture“ und “Corrodead breed“, welche im übertragenen Sinne einen persönlichen Abgesang an die Menschheit darstellen. Einen Abgesang, den man in letztendlicher Konsequenz aber selber mit ins Leben gerufen hat. Musikalisch ebenfalls, wie gerade schon erwähnt, zwei recht radikale und aggressive Nummern, die man wahrlich nicht mehr so schnell aus dem Gehörgang bekommen wird.

Doch was letztendlich am Ende bleibt, wenn einen dieser ganze persönliche Hass, Zorn und Neid endgültig zerfressen hat (in Form von unzähligen (und unheilbaren) Krebsmetastasen und Geschwüren) ist die Tatsache, dass alles umsonst war und sein bisher gelebtes Leben nur einem alten, vergammelten und stinkenden Müllhaufen gleicht: Die finale Erkenntnis, dass dieses (das eigene Leben) nichts und zu keinem Zeitpunkt etwas Wert war und man nur noch qualvoll auf sein endgültiges Sterben wartet ("Tell me why?"). Und somit schließt sich wieder der Kreis (bzw. das Tor im gleichnamigen Outro “Close gate“).

Das Album “Bunkertor 7“ gehört für viele neben “Embryodead“ (1997) zu den besten Werken aus dem Hause :Wumpscut: und hat wahrlich bis heute nichts von seiner Faszination, Brisanz und Klasse verloren! Ein Dark Electro und Industrial Hammer der Sonderklasse, der wahrlich noch viele in seinen morbiden (und nicht unintelligenten!) Bann ziehen wird...

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