Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Wretched: The Final Winter Sale

Einige gute Ansätze, aber es muss noch mehr Abwechslung her
Wertung: 5.5/10
Genre: Horror Metal
Spielzeit: 48:04
Release: 21.03.2009
Label: Eigenproduktion

Wretched aus Aachen starteten 1999 unter dem Namen „Crimson Ghosts“ als reine Misfits-Coverband – was so überraschend nicht ist, da die musikalische Nähe zu Glenn Danzigs früherer Band auch heute sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist, wenngleich man mit dem nach dem 2006 herausgebrachten Album „Aspiring Worldwide Domination“, zweiten Longplayer „The Final Winter Sale“ definitiv wesentlich eigenständiger zu Werke geht. Ähnlich wie die Misfits hat man sich dem Horror Metal verschrieben, sich mit Pseudonymen der Marke Ann T. Christ geschmückt (über die Originalität des Künstlernamens des Sänger und Bassisten lässt sich sicherlich streiten), sich mächtig Schminke ins Gesicht geklatscht und ein lustiges Foto im Booklet abgedruckt, auf dem das Trio sich eine hübsche Blondine als Opfer auserkoren hat, an die es sich von hinten anschleicht.

Dem Genre gerecht gibt es dann Songtitel wie „Birthday Bloody Birthday“, „Devil Horns“ oder – mein persönlicher Favorit – „Die Shopping“, die sogleich deutlich machen, dass sich die Band wohl nicht so wahnsinnig ernst nimmt. Zeilen wie „We know the danger lurks here, out in the woods we might survive, but if I have to die, I want to die in style, I want to die shopping“ regen auf jeden Fall zum Schmunzeln an. Ansonsten ist das vorgetragene Englisch sicherlich nicht gerade das Anspruchsvollste, wenn man es mal vornehm ausdrücken will (mal abgesehen von der teils grausamen Aussprache, besonders deutlich im hörspielartigen letzten Track), doch sind die Texte, die von Zombies, von der Alternative, statt Geburten- Todeskontrollen durchzuführen, von jemandem, der Geld verbrennt, weil ihm das einen Kick gibt (!) oder von horrorhaften Zukunftsvisionen zumindest teilweise ganz witzig und unterhaltsam wie eben zum Beispiel ein Zombiefilm.

Technisch agieren die Aachener auf passablem Niveau, sie beherrschen ihre Instrumente durchaus, musikalisch steht man wie gesagt inzwischen auf relativ eigenen Beinen. Das Ganze hat eine gewisse, rotzige Punk-Schlagseite, die recht sauber vorgetragenen Gitarrensoli und das Riffing insgesamt besitzen allerdings letztlich dann doch eher Metal-Affinität, die Refrains wiederum eine poppige Eingängigkeit. Außerdem hat sich Frontmann Ann T. Christ beispielsweise in „Die Shopping“, „Rule Mars“ oder „Devil Horns“ darum bemüht, gesanglich möglichst vielschichtig herüberzukommen, indem er Hintergrundchöre und ähnliches einbaute, was nur als zum Teil gelungen bezeichnet werden kann - hauptsächlich, weil der Gesang ohnehin recht bizarr und gewöhnungsbedürftig anmutet. Und da können mehrstimmige Vocals leicht deplatziert, wenn nicht gar affektiert, wirken. Wobei man sagen muss: Gerade wegen des grotesken Gesangsstils hat das Kanonartige im Chorus von „Rule Mars“ oder in dem mit guten Tempowechseln ausgestatteten „From Beyond“ schon wieder was. Bei „Devil Horns“ hingegen wird der Refrain zum Schluss hin einfach zu sehr in die Länge gezogen (wobei der Song grundsätzlich zu den besseren auf „The Final Winter Sale“ gehört, dies sei klar gesagt); live ist das etwas anderes, da macht sich eine solche Mitgrölpassage sicherlich ganz gut und da kann man sie auch ausdehnen, aber auf CD fangen die ewigen Wiederholungen irgendwann an zu nerven.

Jedoch ist es ohnehin eine interessante Frage, wie sich Wretched wohl live machen, denn die Mucke taugt bestimmt gut dazu, Partystimmung zu verbreiten. Auf CD nämlich wirkt manches noch etwas zusammenhangslos und vom Songwriting unausgegoren: Gute Ansätze gibt es in „Eye Of The Cross“, „The Future Burns“, „Die Shopping“ oder „From Beyond“ zu hören, ein Track wie „Birthday Bloody Birthday“ hingegen ist doch arg durchschnittlich. Man kann sich allerdings ohnehin nicht des Eindrucks erwehren, dass die Scheibe zum Ende hin schwächer wirkt und ermüdet, weil unterm Strich einfach zu wenig Abwechslung vorhanden ist. Irgendwann scheint alles gleichförmig zu klingen. Es handelt sich zwar nicht um ein schlechtes Album, aber viel Luft nach oben gibt es auf jeden Fall noch. Der Sound ist für eine Eigenproduktion völlig okay, am Songwriting jedoch sollte man noch ebenso feilen wie Ann T. Christ an seinem Gesang.

comments powered by Disqus