Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Wrath: Viking

Vertonter Zorn für alle Beteiligten
Wertung: 2/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 52:51
Release: 05.09.2005
Label: Einheit Produktionen

Wrath, zu Deutsch Zorn – ein äußerst treffender Begriff für diese Band. Fragt sich nur, wer hier am meisten Zorn verspürte? Der Musiker beim Aufnehmen dieser Platte? Der Tontechniker beim Mixen? Die Plattenfirma, weil sie so etwas auch noch vermarkten muss? Oder vielleicht doch ich, der Rezensent, der sich darüber aufregt, dass sich so etwas Musik nennt? Kurz zusammengefasst besteht „Viking“ aus schwarzmetallischem Gitarrenrauschen und nervigen Klimperexperimenten. Trotz des Titels lassen sich keine Elemente erkennen, die dem Pagan oder Viking Metal zuzuordnen wären. Aber dieses Werk des Engländers aus Südafrika mit deutschen Wurzeln als komplett belanglos abzustempeln, wäre auch nicht fair. Widmen wir uns also einmal der Musik im Einzelnen.

Das Intro fängt eigentlich ganz interessant mit militärisch anmutendem Drumming und ein paar Keyboards an. Doch dann, mit dem ersten richtigen Lied, setzt der Schrecken ein. Was ist das? Wenn sich der Sound wenigstens nach Keller oder Proberaum anhören würde, wäre es ja einigermaßen nachvollziehbar, aber was hier geboten wird ist einfach nur grässlich. Man hört ein lautes Rauschen, welches fast schon elektronisch klingt. Es lassen sich einige Riffs ausmachen, aber ansonsten sollte man dem Mischer zu einer Fortbildung raten. Der äußerst schmerzerfüllte Gesang ist auch schlecht aufgenommen. Oder war das einfach nur Masche, dass der Hörer dieses Kreischen, welches eine Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und extremer Emotionalität betreibt, nur im Hintergrund wahrnimmt? Die nächsten Songs sind nach gleichem Muster gestrickt und daher nicht wirklich hörbar. Mit „Spirits Of Darkness“ hat sich ein Ambientstück unter das Schwarzmetall gemischt, welches die Ohren entlastet und hoffen lässt, dass es ab jetzt aufwärts geht. Doch weit gefehlt, weiter geht's mit der akustischen Folter.Stück Nummer 6 fällt auch aus der Reihe, Hoffnung keimt auf. Man hört Wind, ein Gewitter, eine Akustikgitarre setzt ein. Auch nicht wirklich gut abgemischt, aber dennoch kommt hier in Verbindung mit dem klaren Gesang Atmosphäre auf. Mit dem nächsten Titel setzt sich der musikalische Albtraum fort, wobei es hier durch die langsamen, schleppenden Riffs nicht ganz so schrecklich wirkt. Allerdings hat der hässliche Gesang mehr Platz, sich zu entfalten – schade.

Ab hier ist nun der metallische Teil beendet und Herr Nazgul widmet sich jetzt den sphärischen Keyboardklängen – ob das besser wird? „Visions Of Time“ kann nicht wirklich mit dem im Hintergrund nervenden, stetigen Ton überzeugen. Die Atmosphäre schafft das nächste Stück schon eher: Eine interessante Melodie in Monotonie und Minimalismus vorgetragen. Als Lied an Stelle 10 setzt sich ein Akustikgitarrenstück mit sehr atmosphärischen Naturgeräuschen fest, wobei diese fast schon wieder zu aktiv und hektisch sind. Träume an eine Rückkehr – ja, so hört sich das auch an. Hiermit wären wir wieder bei der Qual der Hörorgane. Zwar kein Metal, aber eine Soundcollage, welche sich äußerst penetrant in die Gehörgänge frisst. So etwas macht mich aggressiver als manch ein Black Metal Song! Also vorletztes Lied wird noch einmal alles ausgepackt. Ein dreizehneinhalbminütiger Keyboard-Ambient-Klumpen rollt auf den Hörer zu. Zum Glück sind die Töne nicht so hoch und es finden keine schnellen Wechsel statt, womit das hier unter die Kategorie „nervt nicht allzusehr“ fällt. Das letzte Stück ist eine echte Überraschung: Ein relativ gutes, aufgenommenes Keyboard und eine geniale Melodie, die zum Träumen einlädt.

Zusammengefasst ergibt das schlechten Black Metal mit minimalem und nicht immer exaktem Drumming und mieser Soundqualität, ein paar nette Ambientstücke und einige gute Keyboardmelodien, welche an einem anständigem Keyboard gespielt aber besser wirken würden.

Diese CD ist der deutschen Black Metal-Szene gewidmet worden. Hoffen wir, dass sich selbige kein Beispiel an Wrath nimmt, sondern auf eigene Faust gute Sachen produziert. Positive Beispiele haben wir schon einige gesehen. So beende ich dieses Review mit den Worten von Nietzsche, welche auch im Booklet abgedruckt sind: „Der christliche Entschluss, die Welt hässlich und schlecht zu finden, hat die Welt hässlich und schlecht gemacht.“

comments powered by Disqus

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen