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Woods Of Desolation: Torn Beyond Reason

Eine geradezu beängstigende Qualitätssteigerung
Wertung: 7/10
Genre: Depressive Black Metal
Spielzeit: 37:42
Release: 25.02.2011
Label: Northern Silence Productions / Soulfood

Wie sich einige unserer geschätzten Leser vielleicht noch erinnern werden, wurde die 2009 erschienene EP „Sorh“ des australischen Suizid-Black-Metal-Kommandos vom Verfasser dieser Zeilen im letzten Jahr mit einem mickrigen Pünktchen abgefrühstückt, hauptsächlich aufgrund einer Produktion, die derart grottenschlecht ausfiel, dass sie diese Bezeichnung nicht mehr verdiente.

Mit dementsprechend geringer Erwartungshaltung und dem sicheren Glauben, einen erneuten Verriss zu schreiben, ging ich dann auch an das neue Album „Torn Beyond Reason“ heran, doch siehe da: Man darf im Leben immer wieder mit Überraschungen rechnen, die manchmal sogar so groß sind, dass man nur noch mit offenem Mund und wie angewurzelt dasteht. Bereits die ersten Sekunden des Openers und Titeltracks hören sich völlig anders an als der akustische Sondermüll, den die Band auf dem unmittelbaren Vorgänger ablieferte – der Teaser ist also durchaus wörtlich zu nehmen. Unfassbar, ist hier tatsächlich dieselbe Gruppe am Werk, oder hat man in Sachen Produktion und Songwriting einfach nur einen Riesenschritt nach vorne getan? Jedenfalls klingt das hier Dargebotene endlich nach richtiger Musik, und diesmal ist das Ganze wahrhaftig atmosphärisch geworden, da der Sound zwar schwarzmetall-typisch undergroundig tönt, aber nicht aufgrund irgendwelcher Zugeständnisse an die erzkonservative Puristen-Fraktion oder aus Gründen der so oft zitierten Authentizität (diesen Begriff kann man eben auch überstrapazieren) klingt, als hätten ein paar Teenies einen Kassettenrekorder in den Proberaum gestellt und damit eine Platte aufgenommen.

Die mächtige und stets melodische Gitarrenwand vermittelt Weite und die Drums haben den nötigen Punch, lediglich der Gesang ist erneut äußerst weit in den Hintergrund gerückt – doch dies ist natürlich so gewollt und mutet tatsächlich nicht unpassend an. Und last but not least haben Woods Of Desolation auch songschreiberisch einen Zahn zugelegt: Man wechselt zwischen Blastbeat-Raserei und erhaben-melancholischem Mid- beziehungsweise Downtempo (die Anfangspassagen von „The Inevitable End“ und „Somehow...“ beispielsweise sind regelrechte Trauermärsche), es finden sich vereinzelte besinnliche Momente mit sanften Cello(!)-Klängen („An Unbroken Moment“), ein etwas positiver tönendes, halbakustisches Instrumental („November“) und im finalen „Somehow...“ sogar ein paar cleane Vocals.

Mit „Torn Beyond Reason“ beweisen die Australier, dass sie offenbar doch in der Lage sind, in die Fußstapfen von Shining, Burzum und Konsorten zu treten. Sicherlich ist das alles immer noch steigerungsfähig, doch die depressive Stimmung, die Woods Of Desolation gewillt sind zu vermitteln, kommt auf der neuen Full-length tatsächlich ziemlich gut herüber. Zumindest glaube ich nicht, dass es in der Geschichte von The-Pit.de jemals eine Band gab, die es geschafft hat, von einer Veröffentlichung zur nächsten eine Qualitätssteigerung (sprich: einen Punktezuwachs) um 700 Prozent zu vollziehen.

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