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Wolves In The Throne Room: Primordial Arcana

Kompositorisch kompakter und soundtechnisch transparenter als die Vorgänger
Wertung: 8,5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 44:33
Release: 20.08.2021
Label: Century Media

Nach ihrem kurzen Ausflug in reine Ambient-Gefilde in Form von „Celestite“ (2014), kehrten Wolves In The Thrones Room drei Jahre später mit „Thrice Woven“ wieder in den schwarzmetallischen Bereich zurück und auch das nun erschienene, siebte Full-Length-Album der Amerikaner, „Primordial Arcana“, wandelt auf Black-Metal-Pfaden, ohne allerdings auf gelegentliche Ambient-Anwandlungen zu verzichten. Dass sie Synthesizer gern als Unterstützungsmittel nutzen, um Atmosphäre noch mehr Ausdruck zu verleihen, daraus machen die Bandleader Nathan und Aaron Weaver auch gar keinen Hehl. Aber WITTR waren ja schon immer die etwas andere Black Metal-Band – quasi autark und im Einklang mit der Natur auf einer Farm lebend, hat diese Combo seit jeher der selbsternannten BM-Elite den Spiegel vorgehalten und tatsächlich spirituell gelebt und gehandelt, statt dies nur in peinlichen Sprechblasen zu heucheln.

Als „sehr erdig“, beschreibt Drummer Aaron Weaver den Vorgänger „Thrice Woven“, während die neue Scheibe „kälter“ und „schärfer“ töne, wie „knackige Luft droben in den Bergen, näher an der spirituellen und weiter entfernt von der menschlichen Welt“. In der Tat weist „Primordial Arcana“, dessen Titel auf die stetige Beschäftigung der Band mit „archaischen, archetypischen Energien“ anspielt, allein von der Produktion her einen deutlich scharfkantigeren, klareren Sound als sein Vorläufer auf. Man darf sogar sagen: Besser kann ein Album in diesem Bereich kaum klingen. Dass WITTR auf diesem Album tatsächlich alles unter eigener Regie durchgeführt haben, auch Mixing und Mastering, hat sich offenbar ausgezahlt: Die Platte klingt organisch, aber trotzdem transparent, Schlagzeug und Gitarren kommen – in Bezug auf das Selbstverständnis des Genres – fantastisch herüber, Nathans heiser-fauchender Gesang wurde wie gewohnt ziemlich im Hintergrund gehalten.

Im eröffnenden „Mountain Magick“ kann sich jeder Fan davon gleich ein Bild machen; auch die vorige Aussage über die Luft in den Bergen wird hier bereits in Form des Titels auf den Punkt gebracht. Musikalisch liegt ein flottes, treibendes Stück mit Doublebass und vereinzelten Blastbeats auf der einen und melodischen Hooks auf der anderen Seite vor – ein bärenstarker Auftakt, der nicht nur beweist, dass die Jungs immer noch wissen, wie man gute Songs schreibt, sondern sich in dieser Hinsicht sogar weiterentwickelt haben.

Ein Blick auf die Tracklist zeigt, dass die Wölfe auf ihrem neuen Album ohnehin auf kompakteres Songwriting setzen – nur eine Nummer überschreitet die Zehn-Minuten-Grenze, vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich lediglich drei oder vier Stücke von einer Viertelstunde und länger auf einer WITTR-Platte wiederfinden. Das mag so mancher Anhänger als enttäuschend ansehen, doch bevor sofort wieder von „Kommerz“ geschwafelt wird, sollte sich jeder Fan die Scheibe lieber aufmerksam anhören und erst danach ein Urteil fällen, denn wie angedeutet ist die einzigartige Atmosphäre immer noch stets greifbar.

So zu hören im grandiosen „Through Eternal Fields“, das streckenweise an die finnischen Kollegen von Moonsorrow erinnert und durch den marschierenden Charakter und die majestätischen wie melancholischen Tonfolgen unheimlich episch wirkt. Auch das sich immer mehr steigernde, größtenteils im Midtempo angesiedelte „Underworld Aurora“, eingeleitet von einer längeren Synth-Passage und ausgestattet mit vereinzelten, prägnanten Keyboardklängen, zählt zu den Highlights.   

Skandinavisch inspiriertes Schwarzmetall spielt weiterhin die erste Geige, doch auch Death Metal-Einflüsse sind hier und da erkennbar, vor allem im wohl stürmischsten Track des Album „Primal Chasm (Gift Of Fire)“, der sich durch ein bedrohliches Mainriff auszeichnet und laut Linernotes vor allem auf Gitarrist Kody Keyworth zurückgeht, der erstmals in der Geschichte der Band vollwertig in den Kompositionsprozess integriert wurde. Im einzigen Track mit zweistelliger Minutendauer, „Masters Of Rain And Storm“, fährt die Band dann alles auf, was sie hat, inklusive Death- und Doom-Einflüsse, Blastbeats und einer akustisch geprägten ruhigeren Sequenz.

So manch einer mag sich mehr davon gewünscht haben und wenn man weiterhin die frühere Phase der Band, die ungleich roher, wilder und ungezügelter daherkam, bevorzugt, ist das ja völlig okay, aber eine Chance sollte man „Primordial Arcana“ in jedem Fall geben. Die kompositorische Reife, mit der Wolves In The Throne Room hier agieren, ist schon beeindruckend; die Struktur der Platte ist ausgeklügelt, weil sie die Dynamik des Trios aus Olympia effektiv in Szene setzt, gleichzeitig sind die Wurzeln der Band omnipräsent und beschwören erneut Bilder der Schönheit der Natur ebenso wie ihrer Urgewalt vor dem geistigen Auge herauf, auch in Form etlicher Samples wie Rabengekrächze oder plätschernde Bäche.

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