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Wolverine: Still

Eine mehr als formidable Ausgangsgrundlage
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 52:13
Release: 26.06.2006
Label: Candlelight Records

Ein „Make it or break it“-Album ist ja immer so eine heikle Sache. Nicht erst seit gestern hat sich das Schicksal einer Band schon oft am dritten Album messen lassen. Ob es den Schweden von Wolverine auch so geht, werden wohl die nächsten Monate oder spätestens das nächste Langeisen zeigen. Aber ich will mal nicht vorgreifen und mich erst einmal diesem Album widmen.

Wolverine haben sich dem progressiven Metal verschrieben. Melancholie, sanfte Töne, gepaart mit harscheren Eruptionen und zuckersüße Melodien bestimmen den Klangteppich, den die Band auf den Silberling gepresst hat. Dabei kommen mir ein ums andere Mal Namen wie Anathema, Katatonia, Opeth oder auch Tool in den Sinn. Wolverine setzen aber im Gegensatz zu Opeth und anderen durchweg auf cleanen Gesang und lassen Wechselspiele mit Death-Vocals außen vor.

Was besonders ins Auge (oder besser ins Ohr) sticht, das ist die wirklich geniale Stimme des Sängers. Vor dieser muss man definitiv den Hut ziehen, auch wenn man dem Grunzen und Kreischen eher zugeneigt ist. Wer aber Töne mit solcher Hingabe zu singen versteht, verdient meinen ungeteilten Respekt. Handwerklich spielt der Rest der Band auf einem beachtlichen Niveau, doch das war vorauszusehen bei der Mucke.

Aufgenommen in den Spacelab Studios bleibt auch beim Sound kein Wunsch offen. Gerade in den ruhigen Momenten entfaltet sich der sehr gute Mix der Platte. Alles an seinem Platz, in der richtigen Lautstärke und differenziert wahrzunehmen. Ich glaube nicht, dass es da noch etwas zu verbessern gäbe.

Was die Platte besonders reizvoll macht, das ist eher das Ungewöhnliche. Für mich unter anderem die Tatsache, dass sich Wolverine auf „Still“ nicht in ellenlangen Kompositionen verfangen und mit Titellängen jenseits der 10 min-Marke agieren. Das gibt den Songs eine ordentliche Portion Heavines, da sie trotz aller Technik immer noch kompakt wirken. Ein weiteres Plus ist, dass nicht übertrieben wird mit den Frickeleien. Das heißt: zum Teil vertrackte Kompositionen, ja, aber trotzdem mit einem deutlichen roten Faden.

Bei den Anspieltipps komm ich um den Opener „A House Of Plague“ nicht herum. Der Zuhörer wird zwischen gefühlvollen, zerbrechlichen Parts und sich im Gegensatz dazu aufbäumenden Soundwänden hin und her geworfen. Dazu ein sehr schöner Refrain und eine nahezu perfekte Mischung zwischen technischem Anspruch und logischem Songwriting. Ganz klar oberste Güteklasse und mit das Highlight des Albums. „Taste Of Sand“ entpuppt sich als Gänsehaut erzeugende Ballade, die trotz aller Melancholie ansatzweise schon beschwingt und heiter klingt. Zwar besteht der Track nur aus wenigen Parts, diese sind jedoch umso effektiver. Die großartige Gesangsleistung und die starken Melodien runden die ganze Sache gekonnt ab. Die folgenden „Nothing More“ und „Sleepy Town” kann man fast als Einheit betrachten, gehen sie doch akustisch ineinander über und erzeugen im Gehirn Bilder von verregneten Herbsttagen, wo man sich an der Fensterscheibe sitzend nichts sehnlicher zurück wünscht als die Sommersonne.

Das Wolverine nicht nur träumerisch durchs Leben ziehen, beweist „Liar On The Mount”, der mit Ausschnitten aus Reden von George W. Bush gespickt ist und somit einen aktuellen Bezug zur derzeitigen (traurigen) Realität herstellt. Man könnte das Teil auch als aggressivsten Song der Platte werten. Na ja, bei dem Thema kein Wunder.

Ich empfehle euch folgendes Szenario: Stellt ein paar Kerzen auf den Tisch, zündet diese an und heizt die Wasserpfeife. Dann streckt ihr euch gemütlich aufs Sofa, schaltet das Licht aus und eure Anlage ein. Genau dann entfaltet „Still“ all die Stärken, mit denen Wolverine das Album versehen haben. Zwar ist die Band einigen Genregrößen in punkto Gesang schon um Längen voraus, doch bei den zündenden Riffideen geht sicherlich noch ein bisschen mehr. Aber eine mehr als formidable Ausgangsgrundlage haben sie sich ja jetzt geschaffen. Für alle Liebhaber melancholischer Töne kann ich eine ungeteilte Kaufempfehlung aussprechen. Wer seinen Partner mit einem romantischen Abend überraschen will, der ist ebenfalls gut bedingt. Die „Make it or break it“-Falle hat also nicht zugeschnappt. Bestens.

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