Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Wolfchant: Embraced By Fire

Handwerklich auf jeden Fall ein Schritt nach vorne
Wertung: 7.5/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 43:15 / 60:01 (Bonus-CD)
Release: 01.03.2013
Label: NoiseArt Records

Das Pagan-Genre ist inzwischen reichlich ausgelutscht – die Anzahl an Mitläufer- und Mitklatschbands, die die Szene mit schlagerartiger Mucke verwässert haben, hat das Ganze leider fast völlig in die Banalität getrieben. Wolfchant konnten zwar auch nicht mit jedem Release stets hundertprozentig überzeugen, sind aber schon lange dabei und spielten wenigstens immer Musik, die das Prädikat Metal tatsächlich verdient. In schöner Regelmäßigkeit haben die Jungs seit 2005 immer alle zwei Jahre eine neue Studiolangrille herausgebracht, somit handelt es sich beim vorliegenden „Embraced By Fire“ nun um das fünfte Album der Niederbayern.  

Wie man es erwarten konnte, werden dem Genre nicht gerade revolutionäre Innovationen hinzugefügt, im Prinzip ziehen Wolfchant einfach ihr Ding durch, sind allerdings in handwerklicher Hinsicht klar gereift, was ja immerhin auch schon eine Weiterentwicklung darstellt. Die zahlreichen Gitarrenleads und die Arrangements sind ausgefeilter und technisch anspruchsvoller denn je, das Zusammenspiel tighter – wobei man witzigerweise gleich zu Beginn der CD noch zu einer gänzlich anderen Erkenntnis gelangen könnte. Beim Intro „Devouring Flames“ nämlich muss wohl irgendetwas schief gelaufen sein: Hier ertönen lediglich orchestrale Keyboards, die von vereinzelten Drums unterstützt werden; leider jedoch sind Tasten und Schlagzeug meist nicht wirklich zusammen, was natürlich die Frage aufwirft, warum das bei der Produktion niemandem aufgefallen ist.

Sei’s drum, bei den nachfolgenden „richtigen“ Liedern taucht dieses Problem zum Glück nicht mehr auf. Ganz im Gegenteil, bereits der Titelsong überzeugt mit einer Melange aus hymnischen Gesangsmelodien und anspruchsvollen, melodischen Gitarren, und auch jede Menge Keyboardbombast ist anzutreffen, doch erfreulicherweise nicht auf penetrante Art eingesetzt, stets behalten die Gitarren die Oberhand. Dennoch ist klar, dass diejenigen, die die Musik von Wolfchant immer schon als zu überladen oder gar kitschig angesehen haben, auch mit „Embraced By Fire“ nicht warm werden.

Objektiv betrachtet muss man dem Septett jedoch einen klaren Schritt nach vorne bescheinigen, auch in songschreiberischer Hinsicht. Sicher, der Refrain von „Turning Into Red“ beispielsweise ist pathetisch, aber doch durchaus erhaben und einprägsam, und wird bei Konzerten bestimmt für hochgereckte Trinkhörner und metseliges Mitschmettern sorgen. Auch hier einen Dudelsack – wiederum erfreulicherweise nicht penetrant und klischeehaft in den Vordergrund gerückt, sondern eher dezent als Farbtupfer untergemischt – einzusetzen, kommt ebenso gut wie die kurze Akustiksequenz in der Mitte des Stückes.    

Die weiteren Songs schlagen in eine ähnliche Kerbe und können vor allem durch eingängige, hymnenhafte Refrains und die starke Gitarrenarbeit punkten. Wie gesagt: Einen Innovationspreis wird die Combo damit gewinnen, aber es muss schließlich nicht immer alles wahnsinnig originell sein, um eine brauchbare Platte abzuliefern.

Lediglich mit den deutschsprachigen Kompositionen tut sich zumindest meine Wenigkeit etwas schwer; ich finde, dass deutsche Texte und Metal irgendwie nicht gut harmonieren, aber das ist nun wirklich eine persönliche Angelegenheit. Trotzdem: Während der Chorus bei „Element“ irgendwann etwas nervig wird, geht „Freier Geist“ wirklich gut nach vorne, auch wenn die Lyrics hier doch arg Pathos-behaftet geraten sind. Dass sie sich ausgerechnet für dieses Stück Philipp „Freki“ Seiler, den Frontmann von Varg, als Gastsänger geholt haben, passt da allerdings ins Bild.

Insgesamt ist „Embraced By Fire“ jedenfalls eine durchaus runde Sache und als Bonus hat man noch eine zweite CD hinzugepackt, auf der das komplette Debütalbum „Bloody Tales Of Disgraced Lands“ in einer Neuaufnahme zu hören ist. Meiner Ansicht nach eher überflüssig, auch wenn man natürlich mit einem besseren Sound als damals aufwarten kann, denn Alben sind immer doch Momentaufnahmen einer Band und Neueinspielungen erreichen doch nie die Magie der Originale – so pathetisch sich wiederum das nun anhören mag. Aber da die Scheibe als Bonus beiliegt und nicht – wie zum Beispiel bei Manowar mit „Battle Hymns“ geschehen – einzeln vertickt wird, darf man das als nette Dreingabe verstehen.

comments powered by Disqus