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Wolfchant: Call Of The Black Winds

Für den Status "Pagan-Hoffnung" ist das zu wenig
Wertung: 6.5/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 55:09
Release: 25.02.2011
Label: Massacre Records

Genau wie die voll durchstartenden Equilibrium kommt diese Truppe aus Bayern und legt mit „Call Of The Black Winds“ bereits das vierte Album ihrer Karriere vor. Wolfchant wurden schon gerne mal als die „neue Pagan-Hoffnung Deutschlands“ gehandelt und ernteten bislang weitestgehend gute Kritiken - auch bei The-Pit.de mit der letzten Scheibe „Determined Damnation“, die immerhin 7,5 Punkte einfahren konnte.

Nun, aus heutiger Sicht scheint mir die Punktzahl zu hoch gewesen zu sein. Wolfchant sind weiß Gott nicht gerade der hellste Stern am Pagan-Himmel und somit sicherlich nicht Deutschlands größte Hoffnung, was diese Szene angeht – schlecht ist das Gebotene aber keineswegs. Für „Call Of The Black Winds“ gilt Ähnliches, wie für den unmittelbaren Vorgänger: Die Jungs haben ein paar nette Melodien dabei, das Gekreische des Frontmannes ist okay, wenn auch nicht immer verständlich artikuliert, das Songwriting befindet sich auf akzeptablem Niveau, auch handwerklich ist das im Prinzip alles grundsolide – trotzdem fehlt irgendwie etwas. Des Öfteren wirkt die Angelegenheit merkwürdig farblos und etwas unbeholfen.

Die Gitarrenmelodien gehen zum einen Ohr hinein, zum anderen aber auch schnell wieder hinaus – das Abnutzungspotential ist leider recht hoch, da hilft auch prominente Unterstützung in Form von The Vision Bleak- und Empyrium-Tausendsassa Markus Stock, der für Produktion, Mix und Mastering verantwortlich zeichnet, nicht mehr. Schon das Intro, das aus fanfarenartigen Keyboardklängen besteht, ist, obwohl nur zwei Minuten dauernd, zu lang geraten, da sich zu viel wiederholt.

Im Folgenden gibt es eine Mischung aus deutsch- und englischsprachigen Songs, bei denen man von keinem sagen könnte, dass er ein Totalausfall wäre, aber letztlich wirken die Melodien doch oft zu banal, um sich auf Dauer in den Gehirnwindungen festzusetzen. So beispielsweise bei „Heathen Rise“, das eine folkige, von einer Geige (oder besser: von einem Keyboard, das so ähnlich wie eine Geige klingt) gespielte Lead-Melodie bietet, die auch ganz nett ist, aber letztlich auch nichts, was man in ähnlicher Manier nicht schon x-mal zuvor gehört hätte. Außerdem entwickeln die vielen Gitarrenlicks, die auf Biegen und Brechen auf catchy getrimmt wurden, meist jedoch bemüht und wenig innovativ wirken, mit zunehmender Spieldauer eine Penetranz, die einem irgendwann auf die Nerven fällt.

Da wäre bereits der erste „richtige“ Track, „Stormwolves“, der mit seinem martialischen Charakter ein wenig an Ensiferum erinnert, alles in allem im Gegensatz zu den Finnen dann aber doch irgendwie plump wirkt. Oder „Naturgewalt“, das einen einigermaßen gelungenen Refrain beinhaltet, aber dennoch nicht komplett zünden will und eher vorbeirauscht. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass das Ganze häufig überladen wirkt, wenn gleichzeitig Keyboards, Kreisch- und Klargesang, Doublebass, Gitarrenmelodien und hartes Riffing erklingen, wie in „Die Nacht der Wölfe“ oder „Der Stahl in meinem Feinde“, die zum Ende hin, angesichts der überambitionierten Arrangements, zu platzen drohen. Dennoch haben die Bayern mit dem im Chorus fast schon Power-Metal-artigen „Black Fire“, dem treibenden „Never Will Fall“, bei dem wieder die fanfarenartigen Keyboards ertönen, dem von einem besinnlichen Akustikintro eingeleiteten „The Last Farewell“, dessen hymnischer Chorus zu gefallen weiß, und dem neunminütigen Titelsong schon ein paar Nummern im Gepäck, die sich wacker schlagen und auch live bestimmt gut ankommen.

Wolfchant machen also gar nicht so viel falsch, aber eben auch längst nicht alles richtig. Markus Stock hat mit seiner Produktion wieder gute Arbeit abgeliefert und auch die Band selbst ist auf dem richtigen Weg. Um wirklich in der oberen Liga der Pagan-Szene mitzuspielen, fehlt aber noch ein gewisses Quentchen: Das Songwriting muss kreativer und abwechslungsreicher werden und in Sachen Melodien sollte man versuchen, weniger an biederen Konventionen festzuhalten. Der Kreischgesang könnte gerne etwas facettenreicher daherkommen und generell müssen schlicht mehr Höhepunkte in den Stücken erkennbar sein. Der Titelsong ist da ein guter Anfang. Das letzte Album mag zu hoch bewertet gewesen sein, war aber trotzdem etwas besser als „Call Of The Black Winds“, da es etwas abwechslungsreicher gestaltet war.

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