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Woburn House: Sleep Summer Storm

Wesentlich kompakteres Songwriting im Vergleich zum Vorgänger
Wertung: 8/10
Genre: Atmospheric Rock/Avantgarde
Spielzeit: 38:51
Release: 21.11.2011
Label: Zeitgeister Music

Woburn House sind eine weitere Band aus der Zeitgeister-Schmiede, die mit den beiden mit bedeutungsschwangeren Titeln ausgestatteten Platten „Message To Ourselves Outside The Dreaming Machine“ (2006) und „Monstrous Manoeuvres In The Mushroom Maze“ (2009) auf bislang zwei Veröffentlichungen zurückblicken konnte. Wie in der Info nachzulesen ist, bescheinigte man der Combo früher eine Nähe zu progressiven Acts à la Opeth und Isis; sicherlich ein Vergleich, den man so stehen lassen kann. Doch so wie Åkerfeldt und Co. auf ihrem neuesten Streich „Heritage“ eine Kursänderung vornahmen, sind auch Woburn House beim Songwriting diesmal anders vorgegangen.

Nicht, dass sie plötzlich auch mit Jazz-Elementen aufwarten würden, allerdings sind die Stücke diesmal doch wesentlich kompakter als auf dem vorigen Werk geworden, bei dem sich mit „Oil“ und „Transformer“ ja gleich zwei überlange Tracks jenseits der Zehn-Minuten-Grenze wiederfanden. Das Album ist auch insgesamt tatsächlich wesentlich ruhiger geraten als das bisherige Material. Metal-Elemente und verzerrte Gitarren sind zwar immer noch vorhanden, doch wesentlich subtiler eingesetzt worden. So beispielsweise im Opener „Willow“: Während die Strophe mit ihren feierlichen cleanen Gitarren und dem elegischen Gesang Christian Kolfs irgendwie an einen Trauermarsch bei einer Beerdigung erinnert, bietet der Chorus beklemmende, pechschwarze Zerrgitarren – natürlich hat die Band die düstere Atmosphäre beibehalten. Ein beeindruckender Auftakt, der Song hat etwas ungemein Erhabenes und steigert sich grandios.

Ähnlich verhält es sich beim vierten Lied, „Clash“. Im Vordergrund stehen flächig klingende Clean-Gitarren, die jedoch hin und wieder von sich düster dahinwalzenden Riffsalven unterbrochen werden; die Atmosphäre hat, wie so oft bei den Bands, in denen Kolf beteiligt ist, etwas von Celtic Frost und Triptykon. Ziemlich cool kommt auch die Mundharmonika zu Beginn, ein Instrument, von dem man nicht unbedingt gedacht hätte, dass es bei solcher Art Musik tatsächlich gut eingesetzt werden könnte.

Das an zweiter Stelle stehende „Shifter“ hingegen ist mit seinen bedrohlich sägenden Gitarren sicherlich noch das am eindeutigsten metallischste Stück, das Tempo allerdings ist auch hier eher langsam gehalten und die hypnotischen, monotonen Gesangslinien unterstreichen den bedrückenden Charakter nur, während „A Simple Man“ die ganze Zeit auf einen Höhepunkt drängt – und sich dann tatsächlich in einem von schnörkellosem, einprägsamem Riffing gekennzeichneten Ausbruch entlädt.

Beim Rest wird auf Distortion-Sounds komplett verzichtet. „Rain Keeps Falling Down“ ist mit etwas positiver klingenden Vibes sogar stimmungsmäßig auflockernder, der sehr hübsche Titelsong setzt auf Akustikgitarren, Tamburin und aufs Nötigste reduziertes Schlagzeug, und auch das etwas beliebige „Behind You“ und das Chiller-Outro „Hood“ kommen ohne Zerre aus. Eine Konstante auf dem Album bilden die dezenten Synthesizer-Teppiche, die sich wie ein roter Faden durch die acht Songs ziehen und ein unauffälliges, dafür aber umso effektiveres Zusatzelement zum einnehmenden, eigenwilligen Charakter des Longplayers markieren. 

Möglich, dass die Änderungen nach dem ersten Hören ziemlich krass zu sein scheinen, doch man muss „Sleep Summer Storm“ schon ein paar Rotationen gönnen, um sich richtig damit anfreunden zu können. Zwar ist das Songwriting kompakter geworden, was ja eigentlich einen schnelleren Zugang impliziert, doch ist diese Musik natürlich trotzdem nichts zum Nebenher-plätschern-lassen. Daher – so ausgelutscht der Satz auch sein mag, aber es ist nun mal so – muss man schon in der richtigen Stimmung sein, um sich darauf einlassen zu können. Dann jedoch offenbaren sich die Songstrukturen und es wird deutlich, dass Woburn House weder in songschreiberischer Hinsicht noch in Sachen Heraufbeschwören einer ganz eigenen, beklemmenden und dunklen Atmosphäre etwas eingebüßt haben. Sehr schön und passend ist übrigens auch das psychedelische Coverartwork geworden.

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