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Within Temptation: The Unforgiving

Zwischen Disko und Orchester
Wertung: 8.5/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 54:01
Release: 25.03.2011
Label: Sony Music

Es ist schon ein Dilemma, wenn eine Band bereits nach zwei Alben eine große Fanschar zufriedenstellen muss – verzichtet man bei den nachfolgenden Aufnahmen größtenteils auf Veränderungen und feilt nur an den Feinheiten, wird einem Stagnation vorgeworfen, wagt man jedoch Stilbrüche oder baut den Sound aus, wenden sich enttäuschte Fans ob der Untreue ihrer Lieblingsband ab. Den Chartstürmern Within Temptation dürfte dieses Phänomen sicherlich nicht fremd sein, hatten die Niederländer doch sogar schon häufig mit einer Kombination beider Varianten zu tun – obwohl die Truppe relativ wenig an ihrem Stil änderte, landete sie in den Charts und musste so nicht nur Kritik wegen vermeintlich fehlender Weiterentwicklung einstecken, sondern auch die leidigen „Kommerz!“-Rufe über sich ergehen lassen. Doch die sechsköpfige Truppe nimmt all dies gelassen und demonstriert mit ihrem fünften Album „The Unforgiving“, dass sie noch lange nicht alles gesagt hat und dieses Mal einige Überraschungen parat hat.

Die Veränderung beginnt dabei schon auf dem schicken, im amerikanischen Comic-Stil gehaltenen Albumcover, das so wohl kaum jemand erwartet hätte - tatsächlich ist „The Unforgiving“ wie dort angedeutet der Soundtrack zu einem gleichnamigen Comic, der sich über die Bandhomepage beziehen lässt. Wer bei dem Stichwort Soundtrack vermutet, Within Temptation hätten den eingeschlagenen Kurs beibehalten und ihre Musik mit noch mehr symphonischem Bombast ausstaffiert, täuscht sich jedoch, denn so rockig und straight wie auf ihrem neuen Album klangen die Niederländer nie zuvor. Zumeist etwas weniger metallisch als noch zuletzt bilden Gitarre, Bass und Schlagzeug ein treibendes Fundament, das von Sharon den Adels zwischen Power und Zerbrechlichkeit schwankendem Mezzosopran begleitet wird – doch nicht wie gewohnt in hoher Sopranlage, sondern überraschend rockig intoniert, so dass auch bei den hohen Tönen gerne Mal mit voller Stimme gesungen wird, was den Songs einiges an zusätzlicher Kraft verleiht.

Trotz allem gehören Orchester und Chor noch immer fest zum Repertoire der Truppe und bilden eine perfekt funktionierende Einheit mit dem Fundament zwischen Rock und Metal – nach dem stimmungsvollen, Filmmusik-artigen Intro „Why Not Me“, das mit einem kurzen gesprochenen Text den Weg in die Welt von „The Unforgiving“ ebnet, stellen Within Temptation auch schon unter Beweis, dass sie mit den symphonischen Klängen umgehen können wie keine andere Band. „Shot In The Dark“ beginnt langsam und düster; zu Beginn sind lediglich das regelmäßige Wummern der Bassdrum und der Chor zu hören, bevor Sharon in tiefer Stimmlage einsetzt und schon bald von einem poppigen Schlagzeug-Beat Gesellschaft bekommt. Erst im Refrain setzt dann der Rest der Band ein und wird von Orchester und Chor begleitet, die der eingängigen Melodie eine epische Tragweite verleihen und zugleich doch keineswegs aufdringlich eingesetzt werden, wodurch dem Song wie auch dem Rest der CD eine eindrucksvolle Dynamik zu eigen ist – ungewöhnlich für die Niederländer ist hierbei allerdings der wabernde Synthesizer zwischen den gewohnten Klängen, der dem Hörer im Laufe des Albums noch öfter begegnet.

Die Entscheidung, den Bombast zugunsten elektronischer Elemente ein wenig zurückzufahren, mag für den geneigten Fan zwar zunächst eher schwer vorstellbar erscheinen, funktioniert aber in der Praxis überraschend gut, denn synthetischen Sounds werden ebenso geschickt eingesetzt wie ihre klassischen Gegenstücke. Während in dem mit einem mitreißenden, von Sharon spektakulär intonierten Chorus ausgestatteten Ohrwurm-Kandidaten „Faster“ die Synths einen pulsierenden Rhythmus unter die düsteren, tief gesungenen Strophen legen, verleihen sie „Sinéad“ zusammen mit einem gelegentlich auftauchenden, fast schon tanzbarem Elektro-Beat ein kaum zu leugnendes Siebziger-Jahre-Disco-Flair mit einem gleichermaßen markanten Refrain.

Obwohl solche Ausflüge in andere Gefilde durchaus fester Bestandteil von „The Unforgiven“ sind, werden auch bewährte Stilmittel weiter ausgebaut: „Fire And Ice“ ist wohl die cineastischste Ballade, die Within Temptation jemals geschrieben haben und verdankt ihre Dramatik neben dem gefühlvollen Gesang in erster Linie dem perfekt durchdachten Spannungsaufbau, der tatsächlich Soundtrack-Feeling aufkommen lässt, wohingegen das stampfende „Iron“ sich weit Richtung Power Metal lehnt und einen der besten Refrains des Albums serviert. Mit „A Demon's Fate“ ist dann sogar noch ein Song in altbewährter Symphonic-Metal-Manier dabei, der auch auf den vorangegangen Alben durch seine hohe Qualität aufgefallen wäre, während mit „Murder“ auch Freunde härterer Klänge noch bedient werden.

„The Unforgiven“ zeigt die Niederländer so inspiriert und abwechslungsreich wie schon lange nicht mehr und erscheint wie ein Befreiungsschlag – neu eingebrachte Ideen wirken frisch und nicht aufgesetzt, alte Stärken werden selbstbewusst betont und weiterentwickelt. Nörgler wird es ob dem unüberhörbaren Pop-Appeal einiger Songs zweifellos geben, doch rein objektiv betrachtet haben Within Temptation mit ihrem neuen Werk den einzig richtigen Schritt gewagt und ihrem Sound eine Frischzellenkur verpasst, ohne die Essenz ihres Schaffens aus den Augen zu verlieren. Wer sich den neuen Einflüssen auf „The Unforgiving“ nicht verschließt und dem etwas geradlinigeren Grundtenor nicht abgeneigt ist, findet hier eine Lehrstunde des Symphonic Metal/Rock und das mannigfaltigste Album der Bandgeschichte.

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