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Witchcurse & Iron Kobra: Heavy Metal Drunk Machine

Authentisch wie nix
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 19:54/ 22:11
Release: 25.06.2011
Label: La Medula Espinal Records

Man muss natürlich schon einen Faible für Heavy Metal aus den Achtzigern haben, ansonsten kann man hier gleich aufhören zu lesen, denn Witchcurse und Iron Kobra stecken mit beiden Beinen nicht nur knietief, sondern bis zur Oberkante Unterlippe im traditionellen Old School fest. Zumindest sind beide Bands ein perfekter Beleg dafür, dass viele junge Menschen, die auf NWOBHM und Co. stehen, schon fast mehr Old School sind als so mancher Old-Schooler selbst.

Den Auftakt dieser Split-CD machen die Griechen Witchcurse, die hier die Gelegenheit bekommen, ihre mittlerweile vergriffene, auf Tape veröffentlichte „Demon’s Warning“-EP nochmals herauszubringen. Zuerst muss man sich mit dem Sound der CD auseinandersetzen, denn den Fan erwartet tiefster Underground, was nicht heißen soll, dass es grottig klingt, sondern dass die Jungs direkt aus der NWOBHM-Zeit in die nach der Jahrtausendwende-Phase gebeamt wurden. Der EP-Titeltrack ist eine astreine Maiden-Hommage, denn schon allein der Bassstart erinnert schon an die Anfangstage der eisernen Jungfrauen. Aber auch die Gitarrenarbeit lässt so manche Parallele erkennen. Normalkonsumenten werden sich allerdings am meisten an dem Gesang stören – doch hier muss in Bezug zum Review der „Heavy Metal Poison“-Scheibe Klartext gesprochen werden: So klingt kein im Studio zigfach überarbeiteter, in wochenlanger Arbeit eingesungener Part, sondern das ist Musik mit Herzblut, wie sie zunehmend zumindest im Pott an Zulauf gewinnt – hier sei kurz an die Show Anfang April im Oberhausener Helvete erinnert, als zahlreiche Metalheads als die truesten aller truen in lautstarker Gemeinschaft Witchcurse abfeierten.

„Win Or Lose“ hat dann ebenso ein fettes Maiden-Feeling und auch bei „Jack The Ripper“ machen die Helenen keinen Hehl aus ihrer Neigung – da ist sogar der Notenschlüssel ein beinharter Headbanger. Mit „Hit And Run“ graben sie allerdings nicht den Girlschool-Track aus, sondern holen Satanic Rites etwas aus der Versenkung. KennerInnen der alten Materie können bestätigen, dass schon das B-Seiten-Original mehr nach Hinterhofstudio denn nach High-End-Aufnahmen tönte – ein weiteres Indiz für die bedingungslose Bandtreue und ihrer tiefen Verbundenheit zur damaligen Zeit – Witchcurse haben nicht einen Funken Trendanbiederei oder modere Strömung in und an sich.

Der zweite Teil ist dann den Gelsenkirchener Metallern Iron Kobra vorbehalten. Ihr erster Release „The Cult Of The Snake“ wurde zuerst auf CD gebrannt (gleich beim Raging Death Date Festival waren die 50 (!) Exemplare ausverkauft) und nachher nochmals 50 CDs und 333 Tapes nachgeschoben, die allerdings auch schon lange unters Volk gebracht wurden. Das ist schon überraschend, denn auch die Ruhrpott-Schlangen negieren jegliche Trendanbiederung, spielen early Heavy Metal in Reinkultur, quasi so wie ihnen das frühe Gitarrenriff in die Wiege gelegt wurde. Es ist richtig erfrischend, wie Iron Kobra jegliche Konventionen ausblendend einfach losrocken. Stilgerecht muss natürlich „Speedbiker“ durch ein entsprechend großes Moped eingeleitet werden, bevor dann titelgerecht die Jungs schnell und aggressiv nach vorn preschen – und vor allem das letzte, erst herunter gezogene und dann hoch gekreischte "Speedbiker" ist Kult, wenn auch ein bisschen schief.

Das galloppierende „Fists Of Fury“ und das zügig zulangende „Rocket Riders“ (mit leichten frühen Metallica-Einflüssen) führen dann genau den Stiefel fort, den Iron Kobra vorlegten – powerfaust- und pommesgabelkompatibler Bangerstoff mit dem Hang zum Süchtigmachen – doch Obacht: Trotz der klaren Produktion erwartet hier den Fan kein glatt gebügeltes Studioprodukt – so rumpeln die Jungs auch erfolgreich auf der Bühne. „Valhalla Rock“ schließt sich dem bisherigen Level problemlos an und scheppert mit ordentlich Wumms ins Gemächt, wobei der Refrain auch hier bestens für eine mitgegröhlte Powerfaust gedacht ist.

Einen etwas anderen Weg begehen Iron Kobra mit „Ronin“ – vor allem die auf japanisch gesungenen Passagen stechen sofort heraus und verdeutlichen nochmals ihre Affinität zu den Ostasiaten (Iron Kobra verwenden live ganz gerne eine alte Japan-Flagge im Hintergrund, was allerdings auch dazu führte, dass sie im AZ in Mülheim nicht spielen durften). Mit „Thunder On The Tundra“ huldigen auch sie ihren Vorbildern Thor und verspritzen mit ihrer Kobra-Version reichlich Underground-Gift.

Witchcurse und Iron Kobra sind auf ihren Frühwerken mit erst angeschliffenen Rohdiamanten vergleichbar. Beide haben nicht den Anspruch, sich durch austauschbare Massenware zu verewigen, sondern ihre durchweg Achtziger inspirierte Sounds und Songs drücken vielmehr deren Lebensweise aus – Old-School-Metal runter bis auf die zelluläre Ebene. Das wird vielen nicht gefallen, zumal auch die eine oder andere Gesangspassage mit Schmackes durch die gerade Kurve rutscht – aber so sind sie halt – authentisch wie nix. Wer auf Bands wie Manilla Road, Thor oder generell auf originellen Old-School-Stuff abfährt, sollte sich schnellstens an die Jungs von Iron Kobra unter kobra.krusaders@googlemail.com wenden und für 5 Euro plus Porto und Verpackung die Split-CD abgreifen. 7 Points für Witchcurse, 8 Punkte für Iron Kobra – im Schnitt macht das dann 7,5.

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