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Wishbone Ash: Live In London

Hervorragendes Konzert zum 40. Geburtstag der Band
keine Wertung
Genre: Classic Rock
Spielzeit: 178:00
Release: 30.10.2009
Label: Goldencore Records / ZYX Music

„Schon wieder eine Live-DVD von Wishbone Ash?“, wird sich so mancher fragen, da die Band im Laufe ihrer Karriere bereits eine Menge an Livematerial veröffentlichte und der letzte DVD-Release („Live In Hamburg“, bei dessen Aufzeichnung auch meine Wenigkeit vor Ort war) erst zwei Jahre zurückliegt.

Der Grund dafür, nach so kurzer Zeit schon wieder ein Live-Dokument herauszubringen, ist jedoch leicht zu erklären: Das Quartett feiert seinen 40. Geburtstag. Den haben vor nicht allzu langer Zeit auch erst Deep Purple, ZZ Top und Uriah Heep zelebriert, was nur noch einmal verdeutlicht, wie wichtig die Sechziger Jahre für die Entwicklung der Rockmusik waren. Nicht nur, dass damals neben den genannten Gruppen noch weitere bahnbrechende, wegweisende Bands wie Led Zeppelin, The Doors, The Beatles, The Rolling Stones, The Who, Pink Floyd oder Black Sabbath – die Liste ließe sich noch ewig fortführen – entstanden; nein, es ist wohl auch ein deutliches Zeichen, wenn eine Band über ganze vier Dekaden besteht, wenngleich es im Falle von Wishbone Ash zu zahlreichen Line-up-Wechseln kam. Doch das war zumindest was Deep Purple und Uriah Heep betrifft, ja nicht viel anders.

Selbstverständlich hatten Wishbone Ash es nicht leicht, aus vierzig Jahren Bandgeschichte Material für ein zweistündiges Konzert zusammenzusuchen, das alle halbwegs zufriedenstellt, wie auch Bandkopf und einzig verbliebenes Gründungsmitglied Andy Powell in den im Booklet zu dieser DVD befindlichen Linernotes anmerkt, doch dass die ganz großen Klassiker im Set nicht fehlen dürfen, war natürlich von vornherein klar. Denn auch wenn man das Megaepos „Phoenix“, den Setopener „Blind Eye“ (beide vom selbstbetitelten 1970er Debüt), sowie „Sometime World“ (von dem Andy Powell erklärt, es würde ihn niemals ermüden, dieses Stück live zu performen und in der Tat stellt der Song wohl einen der besten überhaupt der Band dar), „The King Will Come“, „Throw Down The Sword“ oder „Blowin’ Free (allesamt vom Überflieger „Argus“, dem 1972 erschienenen, dritten Album) schon x-mal gehört hat – diese Tracks dürfen nun mal auf keinem Konzert fehlen und werden von den Fans gefordert, schließlich wurden die Engländer mit diesen Stücken bekannt. Außerdem hat man diesmal sogar auf „Warrior“, einen weiteren großen Klassiker, ebenfalls von „Argus“, verzichtet.

Dennoch spielt man nicht nur die ganz alten Sachen, sondern hat eine gute Balance gefunden: Mit Songs wie „Rainstorm“ und „Engine Overheat“ werden auch die Achtziger abgedeckt und mit dem nostalgischen „Growing Up“ aus der Feder von Zweitgitarrist Jyrki „Muddy“ Manninen hat sogar ein Track aus dem aktuellen Studioalbum „Power Of Eternity“ den Weg auf die Setlist gefunden.

Des weiteren hat das Quartett als besonderes Bonbon noch ein paar alte Mitglieder eingeladen, die bei einigen Stücken mitperformen dürfen, damit der runde Geburtstag der Combo auch zu etwas ganz Besonderem wird: So übernimmt bei „Everybody Needs A Friend“ Mark Birch (nein, nicht der legendäre Produzent Martin Birch), der von 1998 bis 2001 in der Gruppe aktiv war, Mikro und zusätzliche Akustikgitarre, während bei „Cell Of Fame“ Mervyn Spence die Leadvocals beisteuert – er sang das Stück auf dem 1985 veröffentlichten „Raw To The Bone“ bereits höchstselbst ein.

Der spektakulärste Gastauftritt jedoch dürfte zweifelsohne der von Ben Granfelt sein (die Urmitglieder Martin und Ted Turner sind nicht unter den Gästen, da sie in der Vergangenheit rechtlichen Streit mit Powell wegen des Bandnamens hatten; Martin Turner hat inzwischen eine eigene „Nostalgie-Combo“ unter der Bezeichnung „Martin Turner’s Wishbone Ash“ am laufen). Der Landsmann von Muddy Manninen, der auch dessen Vorgänger an der Gitarre war, wird entsprechend am meisten bejubelt und es ist wahrlich eine Pracht, wenn bei „Almighty Blues“ und „Faith, Hope And Love“ plötzlich drei Gitarristen voll aufdrehen.

Überhaupt ist die ganze Band in Topform, doch anderes ist man von den altersmäßig inzwischen teilweise fast dreißig Jahre auseinander liegenden Mitgliedern ja auch nicht gewohnt. Gleichzeitig routiniert und voller Spielfreude werden die Songs dargeboten: Andy Powell singt immer noch glänzend, Muddy Manninen bietet insbesondere bei „Phoenix“ eine überragende Leistung, und die beiden liefern sich an den Klampfen mal atemberaubende Soloduelle und lassen dann wieder die berühmten harmonischen Doppel-Lead-Läufe erklingen, welche die Gruppe so bekannt werden ließen und die ein immens wichtiger Einfluss für Thin Lizzy und natürlich Iron Maiden waren. Doch auch Cappyträger und Dauergrinser Bob Skeat, der mittlerweile immerhin schon zwölf Jahre bei Wishbone Ash aktiv ist, zockt seine Basslines ganz cool herunter und das jüngste Mitglied, Drummer Joseph Crabtree, spielt so tight, als wäre er schon immer Teil der Band gewesen.

Auch der Humor kommt nicht zu kurz: So verkündet – kurz bevor die Vier die Bühne betreten – eine tiefe Stimme vom Band, Wishbone Ash seien „God’s favourite band“  (doch wer die Gruppe richtig einschätzen kann, wird wohl verstehen, dass dies mit einem Augenzwinkern zu sehen und keineswegs großkotzig gemeint ist) und einmal will Andy wissen, ob im Publikum Familienmitglieder von Manninen aus Helsinki dabei sind. Als dies offensichtlich bejaht wird, fordert er den blondierten Gitarristen dazu auf, ihnen auf finnisch hallo zu sagen. Dieser sagt etwas in seiner Muttersprache, was Andy knochentrocken mit der Aussage „That means ,what the fuck’“, kommentiert.

Das Londoner Publikum ist selbstredend ebenfalls bestens gelaunt (bei einem Jubiläumskonzert kein Wunder, noch dazu, wo es sich um ein Heimspiel für Wishbone Ash handelt), was auch in der etwa 50-minütigen Dokumentation im Bonusmaterial noch einmal sehr gut zur Geltung kommt, als die Jungs zusammen mit ihren Fans einen großen Geburtstagskuchen anschneiden und die Anhänger aus vollem Hals „Happy Birthday“ singen. In diesem Roadmovie, der die Band auf ihrer Tour durch England begleitet, kommt die Fannähe und Bodenständigkeit des Vierers recht gut zur Geltung. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern haben (wie Powell bei einer Ansage während des Gigs erzählt) für sie einst Aerosmith, Kiss, ZZ Top und Bruce Springsteen eröffnet und sie selbst prägten viele Metalbands, wie oben bereits erwähnt – doch sie selbst spielen inzwischen in mittelgroßen Clubs statt in großen Stadien. Damit scheinen die Pioniere des Twin-Guitar-Sounds aber auch völlig zufrieden zu sein, was sie nur um so sympathischer macht.  

Was die Doku selbst angeht, so ist sie sicherlich nicht unbedingt essentiell, aber definitiv unterhaltsam – ich persönlich finde es immer ganz witzig, eine Band on the road zu beobachten. Das Wichtigste jedoch bleibt natürlich der Gig und den sollte man als Fan schon gesehen haben, zumal die Setlist im Vergleich zur „Live In Hamburg“-DVD, wo man sehr viel vom damals aktuellen Album „Clan Destiny“ spielte, schon ziemlich variiert.

Bild und Ton sind glasklar – besonders der Ton ist ein einziger Genuss, so differenziert wie alle Instrumente aus den Boxen ertönen –, der Schnitt ist angenehmerweise nicht so übertrieben häufig gesetzt wie bei so manchen DVD-Veröffentlichungen anderer Bands zuletzt und über die Performance müssen wie gesagt nicht viele Worte verloren werden: Es kann also im Prinzip nur eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden, mit Wishbone Ash live kann man einfach nicht viel falsch machen. Das Konzert ist übrigens auch als Doppel-CD und auf Vinyl erhältlich.

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