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Wishbone Ash: Blue Horizon

Kein Klassiker, aber ein gelungenes Rockalbum
Wertung: 8/10
Genre: Classic Rock
Spielzeit: 59:05
Release: 21.02.2014
Label: Solid Rockhouse Records (Intergroove)

Dass es in der Welt meistens nicht gerecht zugeht, lässt sich jeden Tag beobachten. Im Prinzip können auch Wishbone Ash davon ein Liedchen singen, schließlich waren die Jungs die Pioniere des Twin-Guitar-Sounds, den Bands wie Thin Lizzy oder Iron Maiden aufgriffen und weiterführten. Doch während besonders letztgenannte längst eine der größten Bands der Welt geworden sind, müssen sich Wishbone Ash, nachdem sie in den Siebzigern recht erfolgreich waren, inzwischen schon seit vielen Jahren damit begnügen, nur in verhältnismäßig kleinen Clubs aufzutreten.

Aber man darf annehmen, dass Andy Powell und Co. das gar nicht so wahnsinnig stört, wenigstens ist der Druck, wenn eine neue Platte ansteht, dann nicht so groß, und man kann in aller Ruhe seiner Arbeit nachgehen. So haut das Quartett denn auch in schöner Regelmäßigkeit ein Album nach dem anderen heraus und ist mit vorliegendem „Blue Horizon“ bereits beim 22. regulären Studio-Output angelangt. Trotzdem kennt das ja wohl jede lebende Rocklegende: Die ganzen alten Klassiker wurden bereits vor langer Zeit veröffentlicht, live wollen die Leute immer nur eben jene alten Sachen (man beachte da nur die Diskussion bei Aerosmith oder auch Twisted Sister; Anm. d. Red.) hören und einen großen Wurf erwartet auch niemand mehr.

So allerdings hat man immer noch die Möglichkeit, die Fangemeinde zu überraschen; dennoch muss man es wohl nicht gerade als Spoiler-Alarm bezeichnen, wenn bereits an dieser Stelle erwähnt sei, dass sich der Vierer mit „Blue Horizon“ nicht unbedingt ein zweites „Pilgrimage“, „Argus“ oder „There’s The Rub“ aus dem Kreuz geleiert hat, ein Laune machendes, gelungenes Rockalbum mit ein paar guten, wenigen schwächeren und ein paar richtig geilen Nummern hingegen schon – und das ist ja immerhin besser als ein Totalausfall.

Zunächst einmal war es mit Sicherheit keine schlechte Idee, etwas junges Blut in die Band zu holen – oder zumindest als Gastsongschreiber. Gerade bei einer Combo, die es schon so lange gibt, besteht auf kurz oder lang schließlich immer die Gefahr, dass das Songwriting irgendwann totgenudelt und uninspiriert klingt. Und so durfte sich der Spross von Bandchef Andy Powell, Aynsley Powell, auf der Scheibe mit zwei Songs verewigen (bereits auf dem 2007er Rundling „Power Of Eternity“ trat er übrigens als Gastmusiker an der Rhythmusgitarre in Erscheinung) – und beide gehören weiß Gott nicht zum schlechtesten Material der Platte, im Gegenteil. Besonders der Opener „Take It Back“, ein melancholischer Rocker, bei dem die doppelten Leadgitarren gleich am Anfang keinen Zweifel aufkommen lassen können, wer hier durch die Boxen geistert, ist eine starke Nummer, doch auch „American Century“, ebenfalls aus Aynsleys Feder stammend und in eine ähnlich melancholische Kerbe schlagend (womit der junge Mann durchaus eine eigene Handschrift erkennen lässt), kann sich hören lassen.

Der Sohn des einzig verbliebenen Gründungsmitglieds ist allerdings nicht der einzige Gastmusiker, den sich die Engländer für Songwriting und Aufnahmen geangelt haben: So trägt sich auch der ehemalige Wishbone-Ash-Gitarrist Roger Filgate in Form des sehr smoothen, Jazz-Vibes versprühenden „Strange How Things Come Back Around“ in die Songcredit-Liste ein und mit Pat McManus taucht ebenfalls ein alter Bekannter auf (der Violinist war schon auf dem Vorgänger „Elegant Stealth“ von 2011 zu hören), der in „Take It Back“ sowie dem finalen, folkig geprägten „All There Is To Say“ die Fiedel auspackt.

Es lässt sich demnach erkennen, dass sich „The Ash“ erfreulich vielseitig präsentieren. Natürlich tauchen die doppelten Leadgitarren, das wichtigste Trademark der Briten, immer wieder auf, doch neben den typischen Rocknummern wagt man eben auch Ausflüge in jazzig angehauchte, folkige und bluesige Gefilde – „Deep Blues“ könnte glatt von einer amerikanischen Band aus den Südstaaten stammen – vor allem ZZ Top kommen einem in den Sinn –, so authentisch bluesrocken sich Wishbone Ash durch die Komposition.

Mit dem wunderschön beschwingten, luftig-leichten „Way Down South“, das mit tollen gedoppelten Gesangslinien und einem großartigen Gitarrensolo am Ende punktet, und dem zum Teil fast schon dramatischen Titelstück, bei dem im zweiten Teil in bester WA-Manier gegroovt und soliert wird, was das Zeug hält, sind der Gruppe außerdem zwei wirklich herausragende Tracks geglückt, die es verdienen würden und das Potential haben, für mehr als nur eine Tour in der Setlist zu verweilen.

Ein bisschen ins Schwächeln kommt die Scheibe lediglich durch „Tully Ho!“, einem eher wenig spannenden Versuch, einen auf Seemannslied zu machen (dann lieber „Land Ho!“ von The Doors…) und „Mary Jane“, das nicht nur vom wenig kreativen Titel ziemlich beliebig wirkt. Ansonsten aber darf man den alternden Herren gratulieren – nicht viele Bands schaffen es noch, solch gutklassige Qualität nach so vielen Jahren abzuliefern. Andy Powell singt dabei weiterhin ziemlich souverän, nur bei den höheren Tönen hört man hin und wieder, dass seine Stimme nicht mehr ganz taufrisch ist. Das jedoch ist nun einmal der Lauf der Dinge und außerdem Meckern auf ziemlich hohem Niveau. Ich hätte es trotz des ebenfalls guten Vorgängers „Elegant Stealth“ vorher ehrlich gestanden nicht gedacht, aber die Platte lohnt sich!

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