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Wisdom: Judas

Langweiliger, völlig vorhersehbarer Power Metal
Wertung: 3/10
Genre: Heavy Metal, Power Metal
Spielzeit: 40:10
Release: 04.04.2011
Label: Soundholic

Es scheint ja ein wenig ungünstig, damit ein Review einzuleiten, aber warum zum Teufel trudelt die Promo von Wisdom erst Monate nach der Veröffentlichung ein? Vielleicht bedienen ja die Magyaren die aktuell so angesagte Retroschiene dermaßen kompetent und authentisch, dass Zeit so gar keine Rolle spielt, da man sich beim Lauschen einen Lebenskontrakt mit Scotty eingehandelt hat, der einem nicht zurück in die Zukunft, sondern gleich vorwärts in die Vergangenheit verfrachtet?

Alles falsch. Die Budapester Wisdom musizieren schon seit 2001 zusammen und frönen fröhlich dem beschwingten Power Metal. Ungarn gehört ja schon lange nicht mehr zu den Entwicklungsländern in Sachen metallischer Subkultur, trotzdem dürfte das 2006er Full-Length-Debut „Words Of Wisdom“ zumindest hierzulande nur eine Randerscheinung gewesen sein. Ins Gespräch dürften sie auch wohl erst wirklich durch ihre Shows im Vorprogramm von Judas Priest, Heaven And Hell oder Primal Fear gekommen sein. Mit „Judas“ liegt nun das zweite Studioscheibchen vor. Das ein wenig an frühe Blind Guardian erinnernde Artwork führt zuerst auf die falsche Fährte und lässt nur marginal auf den Inhalt schließen.

Fünf Runden unter brüllender Lautstärke später: von Weisheit weit und breit keine Spur. Power Metal spielen sie, sicher, da gibt es nichts zu deuteln. Kompetent sind sie auch, wissen, wie man Strophe an Bridge an Refrain bastelt, singen kann der gute Gabor Nagy auch, der ja erst seit 2010 in Mikro spuckt, und auch die Gitarristen haben ihre Metalexamina in feiner Technik anscheinend mit Bravour bestanden. Reicht das? Nein, definitiv nicht, denn Songs sollten wenigstens etwas Spannung haben, irgendeine Ecke, an der sich die Ohren festkrallen können. Sie müssen ja nicht vor Originalität für den nächsten Metal-Pulitzer kandidieren, aber auch aus Ungarn sollte man erwarten dürfen, doch ein bisschen mehr „weniger Konstrukt“ aufzufahren.

Kleine Van-Helsing-Grüße mit Wolfsgeheul und Pferdegetrampel zur Begrüßung, und schon sägen die Gitarren bei „Fallin' Away From Grace“, und spontan sucht die interne Festplatte, wo man diese Ansammlung an Riffs schon mal gehört hat. Gut, da kann man mit einem zugekniffenen Auge auch mal gerne hinweghören, aber spätestens beim Gesang, allerspätestens beim Einsetzen der Chöre, will man sich mit seiner Abba-Plattensammlung nach Lummerland verkrümeln. Wenn schon gesägt, dann am Nervenkostüm. Verteufelte Hostie, was soll das? Das hört sich ja jeder Choral in einer beliebigen Baptistenkirche interessanter und vor allem dynamisch inspirierter an. Schnell weiter skippen.

Stampfend knetet sich „Somewhere Alone“ aus den Boxen, statt Headbangen steht Oberkörperwippen und Fingerschnippen auf dem Programm, die Gesangslinien sind ebenso durchsichtig wie unangenehm – nicht falsch verstehen, singen kann der Gabor doch, siehe oben. Aber ja doch, Wisdom stehen auf Chöre, zuckrig, fröhlich erquicklich, doch jede Kaffeesatzleserin hat mehr Esprit als dieser eklig poppige Chor.

Ah, jetzt wird alles klar, die Ungarn gehören zu den parodistischen Vertretern im Metalzirkus -  die süßlichen Vocals sind der Kontrast zu den mit Hass und Dunkelheit gefüllten Texten, der böse Lord trifft auf die arg die fiese Welt – da muss man natürlich erst drauf kommen und sich nicht von dem Drumherum ablenken lassen. So kann man sich schnell in den Abgründen von „Judas“ verlieren und schwupps, da windet sich mit „At The Gates“ schon fast das Ende mittels Laserstahl Richtung Exitus. Und bitte schön, was ist hängen geblieben? Schnell mal überprüfen, ob ein bestimmten Song auf Endlosschleife steht – dem ist nicht so, viel zu ähnlich sind die Songs, durchweg, Überraschungen oder wenigstens ein klitzekleiner Oha-Moment kommen auch nicht hervor, da wollen ja noch nicht einmal die die ungarischen Blutsauger ausschwärmen, denn „Judas“ ist schon blutarm genug.

Ist ja nicht alles so schlecht, wie es sich liest, aber auch nicht beileibe so gut, sodass ein Run auf den nächsten Plattenladen ausbleiben dürfte. Originalität hat sich in die Budapester Straßenfugen verdünnisiert, der Eindruck des guten Gesangs wird durch die völlig vorhersagbaren Gesangslinien pulverisiert, die in jedem Song auftretenden Chöre lassen alle Új köztemet ő-Bewohner in Dauerrotation übergehen und der Silberling „Judas“ fristet zumindest hier in Zukunft ein rottendes Dasein neben „Changes“ von Barons Ball. Wisdom sind durchgefallen und werden auch in der Publikumsgunst einen Abstieg in die Kreisliga erleben. Langweiliger, völlig vorhersehbarer Power Metal – mehr ist das nicht.

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