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Wir Sind Helden: Soundso

Absolut kein Grund zur Panik
Wertung: 8/10
Genre: Pop Rock
Spielzeit: 47:8
Release: 25.05.2007
Label: EMI Music

Wir sind Helden veröffentlichen mit "Soundso" ihr mittlerweile drittes Album. Dass dies in der Musikwelt ach so kritisch beäugt wird, scheint das sympathische Quartett dabei wenig zu beeindrucken. Locker flockig und völlig unbekümmert von kritischen Stimmen entwickelt sich die Band immer fleißig weiter und liefert wieder ein absolutes Schmuckstück ab.

"Soundso" klingt dabei mehr nach "Die Reklamation" als nach "Von Hier An Blind" und ist somit wieder fröhlicher und unbeschwerter, die Melancholie ist verschwunden – oder sie versteckt sich zumindest sehr gut. Fast jedes Lied zaubert ein Lächeln auf die Lippen, man ist immer wieder bemüht, Judith Holofernes' Wortwirrungen so schnell wie möglich zu folgen, um sie möglichst bald lauthals mitsingen zu können.

Das beginnt bereits mit der anfangs seltsam anmutenden "(Ode) An Die Arbeit", in deren Strophen sich Holofernes mit Gitarrist und Keyboarder Jean-Michel Tourette einen wilden Dialog über die Bedeutung und Wirkung verschiedener Dinge und Lebewesen im Arbeitsleben erspinnt, um dann wenig später einen bezaubernden Refrain aufzutischen.

Ohrwurmtauglich geht es gleich im Anschluss mit "Die Konkurrenz" weiter, zu dem man kaum ruhig sitzen bleiben kann oder will. Bereits hier zeigt sich, dass Judith Holofernes ihre Stimme merklich weiter verbessern konnte, es ist noch einmal eine deutliche Steigerung zu "Von Hier An Blind" zu hören. Thematisch geht es hier um private Kleinkriege und elitäres Denken, das doch eigentlich meist völlig unnötig ist.

Ob Jean-Michel Tourette mit seinem wuchtigen Gitarren-Intro in "Soundso" den Scorpions, die wie er aus Hannover stammen, huldigen wollte, weiß man nicht. Gewiss ist dies jedoch der endgültige Wachrüttler für alle, die nach den beiden ersten Songs noch nicht so recht überzeugt waren. Judith Holofernes singt hier von denen, die sich in dieser Welt nicht verstanden fühlen und wieder einmal sorgen ihre liebliche Stimme und die fröhliche Musik dafür, dass jegliche graue Wolke vom Himmel zu verschwinden scheint. Um unverstandene Menschen geht es auch in "The Geek (shall inherit)", welches wegen musikalischer Unbeschwertheit und textlicher Leichtigkeit sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick der vermeintlich stärkste Song des Albums ist.

Selbst die ruhigen Stücke wie "Kaputt" oder "Labyrinth" kommen spätestens im Refrain mit einer überwältigenden Hookline angebraust und fegen damit jegliche aufkommende Melancholie bereits im Ansatz hinfort. "Soundso" ist trotz der teils sehr ernsten Texte sicherlich das bisher fröhlichste Album der Helden.

Mit Francesco Wilking von Tele ist auf "Soundso" das erste Mal ein Gastsänger vertreten. "Für Nichts Garantieren" ist – wenn man die "(Ode) An Die Arbeit" aufgrund seiner besonderen Struktur einmal ausklammert – sogar der erste Duett-Song überhaupt in der Bandgeschichte. Damit revanchiert sich Judith Holofernes dafür, auf dem Tele-Album "Wovon Sollen Wir Leben" zwei Songs mitgesungen haben zu dürfen.

Etwas schwer verdaulich ist das experimentell laute "Endlich Ein Grund Zur Panik", das so sehr nach "Die Reklamation" klingt wie kein anderer Song des Albums und gerade deshalb im ersten Moment ziemlich verwirrt. Verstörend ist auch das folgende "Der Krieg Kommt Schneller Zurück Als Du Denkst", in dem Holofernes mit zum Teil verzweifelter Stimme auf die drohende Gefahr eines jederzeit möglichen Kriegsausbruches auch in unserem Land verweist.

Zum Schluss gibt es mit "Hände Hoch", "Stiller" und "Lass Uns Verschwinden" doch noch drei balladeske Songs, die auf "Von Hier An Blind" aufgrund der vorherrschenden Melancholie-Fülle gestört hätten, hier auf "Soundso" jedoch einen schönen, harmonischen Abschluss darstellen. "Lass Uns Verschwinden" hätte als letzter Song eines Albums bei manch anderer Band wahrscheinlich hanebüchene Auflösungsgerüchte zur Folge gehabt, bei Wir sind Helden kann man sich jedoch sicher sein, dass da noch einiges kommt. Gerne wieder so fröhlich wie dieses Mal.

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