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Wintersun: Time I

Ein sagenhafter Griff ins Klo
Wertung: 4/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 43:59
Release: 19.10.2012
Label: Nuclear Blast

Wie lange wurde dieses Album ankündigt, wie oft der Releasetermin verschoben – der Druck, dem sich Wintersun-Mastermind und Ex-Ensiferum-Frontmann Jari Mäenpää dadurch ausgesetzt hat, wurde so natürlich nicht gerade geringer; „Chinese Democracy“ lässt so ein bisschen grüßen. Nun jedoch ist das scheinbar Unmögliche tatsächlich wahr geworden – „Time I“ steht in den Verkaufsregalen, satte acht Jahre nach Veröffentlichung des viel gefeierten selbstbetitelten Debüts.

Keine Frage, die Scheibe von 2004 war ein absoluter Hammer mit großartigen Songs, fantastischer Epik zwischen Ensiferum-Raserei und erhabenen Melodien sowie unglaublicher instrumentaler Leistung – dies zu toppen, war ohnehin schwer genug, doch wurde die Erwartungshaltung durch die ewige Warterei nur noch immer größer und größer. Anscheinend wollte Mäenpää seinen Fans daher auch etwas richtig Spektakuläres bieten, anders kann man sich den totalen Synthesizer-Overkill, mit dem das Album von vorn bis hinten total überladen ist, nicht erklären. Und noch einmal lässt „Chinese Democracy“ grüßen.

Wenn man das Booklet aufschlägt und sieht, dass da steht „Jari Mäenpää – Vocals, Guitar, Computer“, verheißt das ohnehin schon mal nicht viel Gutes. Sicher, heutzutage ist das nicht mehr so ungewöhnlich und Orchestrierungen werden immer häufiger – allein aus Kostengründen – ausschließlich am Computer programmiert und einiges davon mag sogar relativ authentisch klingen, doch wenn man so viel Bombast einsetzt wie hier geschehen, wird am Ende eben doch überdeutlich, dass alles rein synthetisch ist; merke: kein Computer dieser Welt kann ein echtes Orchester ersetzen, niemals. Mal abgesehen von nicht vorhandener Dynamik und Seele stimmt die Verhältnismäßigkeit auch nicht im geringsten: Die Gitarren werden von dem omnipräsenten Synthie-Gedöns völlig erdrückt und wirken schwachbrüstig, ein potentiell gelungenes Riff wie jenes, auf dem „Land Of Snow And Sorrow“ aufbaut, geht so fast unter, und von den halsbrecherischen Soli, wie sie auf dem ersten Album ohne zu nerven haufenweise untergebracht wurden, ist fast gar nichts zu hören. Lediglich in der Mitte des Titeltracks blitzen mal ein paar Arpeggi und Filigranläufe auf, da kommt dann tatsächlich kurz die Erinnerung an die Debütscheibe auf, doch ansonsten dominiert das Orchester aus der Konserve.

Es ist eben immer eine Frage, wie man solch ambitionierte Arrangements angeht, denn natürlich kann die Verbindung von Klassik und Metal toll und aufregend sein: Dimmu Borgir beispielsweise, die mittlerweile auf jedem ihrer Alben Orchestersounds einsetzen, schaffen es, diese nachvollziehbar in ihre Songs zu integrieren, bei Blind Guardian entstand das stark präsente symphonische Element auf „A Night At The Opera“ ebenfalls am Rechner und an Keyboards, und trotzdem hat das Hand und Fuß und klingt nicht so erzwungen und kitschig – wahrscheinlich, weil das Album zumindest mit gutem Songwriting glänzen kann, und diesbezügliche Unzulänglichkeiten nicht durch pathetischen, affektierten Pomp kaschiert werden mussten.

Damit wären wir nämlich beim nächsten Problem: Es gibt so gut wie keine vernünftigen Hooklines auf „Time I“, womit „Chinese Democracy“ zum dritten Mal grüßen lässt. Das Epos „Sons Of Winter And Stars“ dauert zwar spektakuläre dreizehneinhalb Minuten, doch gibt es kein einziges Highlight dabei zu verzeichnen. Nach dem schon arg langwierigen Intro „When Time Fades Away“ startet der Longtrack mit viel Bombast, der Eindruck schinden soll, doch plätschert dann ohne schlüssige Struktur, ohne mitreißende Melodien, ohne Schmackes, ohne die tollen Riffs, die auf „Wintersun“ en masse zu finden waren, dahin – Langeweile pur. Beim auch immerhin elfminütigen Titelstück weiß wenigstens der einigermaßen erhabene Refrain zu überzeugen, doch auch hier machen vollkommen überladene Arrangements vieles zunichte. Niemand will bezweifeln, dass Mäenpää einen Haufen Arbeit in die Scheibe investiert hat und in guter Absicht handelte, doch 200 Spuren oder wie viele es auch immer sein mögen, haben noch nie von alleine eine gute Platte gemacht. Selbst Nightwish, von deren neueren Alben ich nun wirklich kein Fan bin, und die bekanntermaßen ein großes Faible für Kitsch besitzen, haben ein besseres Händchen für symphonisches Zeug.  

Hinzu kommt ein völlig verhunztes Abmischen, denn neben der Tatsache, dass die Basis (Gitarre, Bass und Schlagzeug – also die Instrumente, die eine Rockband zunächst mal ausmachen) in dem orchestralen Kleister völlig untergeht und viel zu leise tönt, stechen einige Stellen beim Einsatz des Orchesters plötzlich seltsam laut hervor, und überhaupt sind die Laut/Leise-Verhältnisse nicht im Entferntesten stimmig. Kurzum: Eine völlig missratene Produktion, passend zu einem völlig missratenen Album, das durch Überflüssigkeiten wie mehrere Minuten Leerlauf, ein Outro und einen Hidden Track (Gott, wie ich das hasse!) auch noch künstlich in die Länge gezogen wird.

Was Jari Mäenpää nach jahrelangem Herumwerkeln an „Time I“ also zustande gebracht hat, ist unterm Strich ein netto vielleicht 35 Minuten langes, mies produziertes Album mit größtenteils langweilenden Songs und völlig überzogenem, schlecht eingesetztem, künstlich aufgeblasenem Orchesterbrimborium. Da kann man nur hoffen, dass der zweite Teil besser wird, aber das bleibt wohl nur ein frommer Wunsch. Ach ja: Das Albumcover ist unglücklicherweise auch noch ziemlich furchtbar.

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