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Wintersun: The Forest Seasons

Kein Meisterwerk, aber klar besser als das „Time“-Desaster
Wertung: 7/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 54:01
Release: 21.07.2017
Label: Nuclear Blast

Jari Mäenpää macht es einem nicht leicht. Acht Jahre ließ der Wintersun-Mastermind zwischen dem selbstbetitelten Debüt und dem Nachfolger „Time“ verstreichen, schob das Veröffentlichungsdatum immer weiter nach hinten, wodurch er nach dem (allerorts gefeierten) Erstling den Druck auch auf sich selbst immens erhöhte und die Erwartungshaltung seiner Anhänger ins Unermessliche schraubte. Die Meinungen über das Endresultat gingen bekanntlich sehr stark auseinander, für meine Begriffe stellt die „Time“-Scheibe nach wie vor ein bis zum Größenwahn aufgeblasenes, völlig überladenes und grauenhaft schlecht gemixtes Etwas dar, dessen vollkommen überambitionierte Produktion nur eklatante Songwriting-Schwächen kaschieren sollte.

Seit „Time“ sind nun schon wieder fünf Jahre vergangen und der lang angekündigte Nachfolger lässt weiterhin auf sich warten – allerdings meint der Herr ja, er könne angesichts des komplexen Songmaterials nur in einem eigens konstruierten Studio arbeiten, weswegen er eine Crowdfunding-Kampagne startete, um dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Zwar ist es kaum vorstellbar, dass ein Branchenriese wie Nuclear Blast bezüglich Tonstudios nur Schrott anzubieten hat; ob man daher dieses Verhalten als das einer Diva oder als eines Visionärs, der eben nur das Beste will, ansehen möchte, sei jedem selbst überlassen…

Das vorliegende „The Forest Seasons“ jedenfalls war offensichtlich bereits vor jener Kampagne weitestgehend fertiggestellt, das Album weist auch – zum Glück – nicht den himmelhohen symphonischen Bombast des Vorgängers auf. Im Vergleich zu „Time“ sind die Arrangements deutlich entschlackt, ohne selbstverständlich auf jede Menge Pathos zu verzichten, doch der gehört bei dieser Combo nun einmal zweifellos dazu.

Aufgeteilt in vier Mammutstücke von jeweils rund einer Viertelstunde, dreht es sich inhaltlich um die Jahreszeiten, wie man sich anhand des Titels wohl bereits denken kann – für Wintersun ein absolut typisches Thema. Mit Naturgeräuschen startet das erste Epos „Awaken From The Dark Slumber“ dementsprechend, um sich alsbald in einen Longtrack zu verwandeln, der tatsächlich Atmosphäre beinhaltet und nicht durch prätentiöse Redundanz auf den Keks geht. Das darf man schon mal als Pluspunkt verzeichnen – auch wenn es abzuwarten gilt, ob Jari in puncto Keyboard-Orchestrierung generell einen Schritt zurückgehen wollte, oder ob er dies von Anfang an lediglich für diese Platte plante und „Time II“ dann wieder in eine ganz andere, bombastischere Richtung geht.

Dennoch müssen leider auch auf „The Forest Seasons“ wieder gehörige Abzüge in Sachen Sound gemacht werden. Zwar tönt die Produktion wesentlich organischer, im Mix gibt es jedoch erneut Missverhältnisse; so ist das Schlagzeug im Vergleich zum Rest viel zu laut und undynamisch, was mit fortlaufender Spieldauer irgendwann nervt. Auch wenn er hier noch nicht auf ein superdupertolles eigenes Studio zurückgreifen konnte, kann so etwas nach wiederum fünf Jahren Wartezeit auf eine neue Scheibe einfach nicht sein; bei einem derart begabten Musiker wie Jari Mäenpää ist es umso unverständlicher, so einen Mix abzuliefern. Dann lieber externe Leute machen lassen.

Wenigstens kann man das Songwriting diesmal als einigermaßen gelungen bezeichnen. „Awaken From The Dark Slumber“ und „The Forest That Weeps“ haben ein paar Längen, die beiden Stücke über die kalten Jahreszeiten sind dafür umso besser geworden und die klaren Highlights des Rundlings. „Eternal Darkness“ besitzt eine überraschend starke Black-Metal-Schlagseite, klirrende Gitarren und gnadenlose Blastbeats vereinen sich zu einer schwarzmetallischen, erstaunlich garstigen Nummer, die in der Mitte aber immer noch Platz für sanftere, melodische Momente bietet. Hier packt Jari außerdem eines seiner halsbrecherischen Soli aus – leider das einzige klassische Solo; die frickeligen Achterbahnfahrten vermisst man weiterhin, auch wenn die Gitarrenarbeit trotzdem viele hübsche Details bietet, wie sich nach einigen Durchläufen zeigt.

„Loneliness“ bildet anschließend den totalen Kontrast mit seinem schleppenden Tempo und auffallend viel Klargesang. Hier bringt Jari eine bemerkenswerte Gesangsleistung, Respekt, was für hohe Töne er scheinbar problemlos meistert, zumal die Gesangsmelodien dramatisch und gleichzeitig melancholisch und schön ausgefallen sind. Alles in allem also wieder ein klarer Aufwärtstrend nach der „Time“-Schmonzette, durch einige Längen im ersten Teil des Albums und den erneut nicht wirklich gelungenen Mix reicht es aber nur gerade so für sieben Punkte.

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