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Winterfylleth: The Reckoning Dawn

Neues wird hier nicht geboten, aber dies überzeugend
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 59:22
Release: 08.05.2020
Label: Candlelight Records

2013 hatte der Verfasser dieser Zeilen Winterfylleth mal live als Vorband von Enslaved gesehen und war eigentlich angetan genug, um sich vorzunehmen, sich mal eingehender mit der Band zu beschäftigen. Aus welchen Gründen auch immer ist es dann doch nicht dazu gekommen – mit dem vorliegenden „The Reckoning Dawn“ sind die Engländer inzwischen beim siebten Studioalbum angelangt, da man sehr fleißig im konstanten Zweijahresrhythmus neues Material herausgehauen hat.

Und auch wenn meine Wenigkeit nicht mit dem kompletten Schaffen der Band vertraut ist, scheint es so, als habe sich in den sieben Jahren nicht allzu viel verändert: Das Quartett aus Manchester zelebriert auch anno 2020 noch skandinavisch beeinflussten, mit gelegentlichen Folk-/Pagan-Einsprengseln versehenen Black Metal der Alten Schule. Innovationen finden sich auf der Platte nicht wieder, aber es spricht ja nichts dagegen, auf traditionellen Pfaden zu wandeln, wenn es gut gemacht ist und die Band sich in ihrer Nische wohl fühlt. Besser als auf Teufel-komm-raus Neuerungen zu forcieren.

Da die Jungs eben nun auch schon etwas länger im Geschäft dabei sind, wissen sie natürlich, wie es geht und haben offenbar genaue Vorstellungen davon, wie ihre Version nordisch geprägten Schwarzmetalls zu klingen hat und wie man den Hörer damit packt, obwohl eben praktisch nichts auf dem Album zu hören ist, was es in ähnlicher Weise nicht schon vorher gegeben hat. Sprich: Es dominieren Blastbeats und klirrende Gitarrenwände, während der markerschütternde Kreischgesang eher im Hintergrund gehalten wurde.

Klingt zunächst wenig spannend und abwechslungsreich, tatsächlich aber ist es schon allein die unglaubliche Epik und Weite des Sounds, die unheimlich fesselt, weswegen „The Reckoning Dawn“ trotz der geradezu konservativen Vorgehensweise von Winterfylleth von der ersten Sekunde an in den Bann zieht. Zumal aller Härte und Geschwindigkeit zum Trotz immer mal wieder unterschwellige Melodien an die Oberfläche sprudeln, jedoch so gewitzt eingesetzt, dass sie das Endergebnis nicht verwässern, aber letztlich dafür sorgen, dass die Songs auf Dauer im Gedächtnis haften bleiben. Des Weiteren sorgen auflockernde Akustikpassagen (vor allem das Interlude „Betwixt Two Crowns“) sowie Sequenzen, in denen die Geschwindigkeit ein wenig gedrosselt wird dafür, dass man sich nicht mit bloßem Geknüppel konfrontiert sieht, sondern auch mal durchatmen kann.

Bestes Beispiel: „A Greatness Undone“, das von einem beinahe eingängig zu nennenden, von Blastbeats untermalten Riffing über eine schleppende Passage von unfassbarer Epik, die von ganz dezenten Synthie-Klängen im Hintergrund noch verstärkt wird, bis zu einem ruhig gehaltenen, cleanen Part, der letztlich wieder in den Anfangspart mündet, alles beinhaltet, wofür Winterfylleth stehen. Das größte Highlight markiert allerdings wohl das zehnminütige „Absolved By Fire“, das mit einem rein akustischen Intro aus folkigen Gitarren und Cello beginnt, dessen darin vorgestellte Melodien im anschließenden harten Part auf fantastische Weise verarbeitet werden. Ein paar Moonsorrow-artige Männerchöre runden das Ganze ab – grandiose Nummer.  

Wer die Truppe kennt, dem wird sicherlich insbesondere der Titel „A Hostile Fate (The Wayfarer Part 4)“ ins Auge springen – eine späte Fortsetzung der ersten drei Teile, welche sich allesamt auf dem 2010er Album „The Mercian Sphere“ befinden. Eine kleine Anspielung findet sich schon im Coverartwork wieder, das mit seinen Goldtönen farblich dem jener zehn Jahre alten Platte ähnelt und mit seiner landschaftlichen Motivik selbstverständlich sowieso wie Arsch auf Eimer zur dargebotenen Musik passt.

Hervorstechend auch das Finale mit „In Darkness Begotten“, einem weiteren, fast zehn Minuten währenden Longtrack, dessen getragener Endpart, der sich letztlich in erhabenen Chören, Akustikgitarren und Streichern auflöst, „The Reckoning Dawn“ stimmig abschließt. Wie erwähnt: Die Briten machen nicht viel anders als wohl schon immer, punkten jedoch mit starken Songs, einer mächtigen Produktion, die den epischen Sound perfekt einfängt, und einer dichten, einnehmenden Atmosphäre. Fans von Winterfylleth und allgemein nordischem Black Metal können ebenso zuschlagen wie Anhänger von Pagan-beeinflussten Bands der Marke Moonsorrow, Primordial oder Wolves In The Throne Room.

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