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Winterborn: Farewell To Saints

Nicht ganz so stark wie das Debüt, dennoch gut
Wertung: 7.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 55:43
Release: 24.04.2009
Label: Massacre Records

Man muss es immer wieder voller Respekt sagen: Aus Finnland kommen zwar unheimlich viele Metalbands, besonders gemessen an der Bevölkerungszahl von gerade mal etwa 5,3 Millionen, aber wenige davon spielen totale Grütze. So verhält es sich auch mit dem 2004 gegründeten Sextett Winterborn, das mit der Eigenbezeichnung „the coldest finnish heavy metal band“ zwar ein bisschen arg dick aufträgt, aber zweifellos einiges auf dem Kasten hat.
Stilistisch agiert man irgendwo in der Schnittmenge zwischen Rock, Heavy- und Power Metal und schon auf dem überzeugenden Debüt „Cold Reality“ von 2006 zeigte die Band, dass sie sich in technischer Hinsicht keineswegs hinter ihren Landsmännern und Genrekollegen von Stratovarius, Sonata Arctica oder Thunderstone verstecken braucht.

Nun also liegt mit „Farewell To Saints“ die zweite Scheibe vor, auf der zumindest in personaltechnischer Hinsicht einige Veränderungen zu verzeichnen sind: So wurde mittlerweile die komplette Rhythmusabteilung ausgetauscht; anstelle von Janne Suvanto bedient nun Pasi Kauppinen den Bass und hinter den Kesseln wurde Rami Heikkilä durch Lauri Bexar ersetzt. Des weiteren ist mit Antti Hokkala ein zweiter Gitarrist zum Line-Up hinzugestoßen.

Musikalisch hingegen hat sich, wie allerdings wohl zu erwarten war, nicht besonders viel verändert. Der Fokus liegt weiterhin auf klassischem Songwriting mit eingängigen Refrains, mal wird einem kraftvolles Heavy-Riffing um die Ohren gehauen, mal werden etwas sanftere, balladeske Töne angeschlagen. Das mag zunächst nichts Besonderes sein und erscheint alles andere als innovativ, sondern vielmehr ziemlich voraussehbar, doch sind die Finnen in dem, was sie tun, definitiv ziemlich gut und hörenswert ist „Farewell To Saints“ allemal. Mal abgesehen davon haben Winterborn mit ihren klaren Classic Rock-Anleihen schon einen recht eigenen Stil und driften niemals in peinliche Klischees ab, wie es bei der ein oder anderen Power Metal-Band der Fall ist. 

Los geht es mit „Black Rain“, einem gut gewählten Opener, da hier sehr melodisches Filigran-Riffing geboten wird und besonders im Refrain sehr schöne Gesangslinien zu hören sind. Auch solotechnisch zeigen sich Bandleader und Gitarrist Pasi Vapola (der wie schon beim Debüt auch diesmal die Produktion übernommen hat) sowie Keyboarder Jukka Hänninen von ihrer besten Seite, sodass Winterborns Stärken gut zutage kommen. Es zeigt sich auch sogleich, dass Sänger Teemu Koskela im Vergleich zu „Cold Reality“ gesanglich noch mal einen Zahn zugelegt hat und stimmlich noch stärker agiert.

„Chaos Dwells Within“ stampft dann deutlich Riff-betonter und düsterer daher; gleichwohl haftet dem Track mit seinen Shouts zwischendurch etwas sehr Hymnenartiges an, ebenso wie dem folgenden „Seven Deadly Sins“, bei dem eine ganze Reihe Gitarrenharmonien auftauchen – hier macht die Band deutlich, warum sie einen zweiten Gitarristen an Bord holte.

Bei „Overture 1939“ geht es dann bei Akustikgitarrenklängen und mehrstimmigem Gesang erstmals ein bisschen besinnlicher zur Sache, bevor der Härtegrad beim mit komplexem Riffing ausgestatteten, sich stetig steigernden „The Winter War“ wieder deutlich angezogen wird. Sehr gut gemacht, wie diese beiden so unterschiedlichen Stücke ineinander übergehen. 

„Land Of The Free“ hat dann genauso wenig mit Gamma Ray zu tun wie „The Real Me“ auf dem vorangegangenen Album mit The Who und auch dieser Midtempo-Track wird aufgrund seiner Eingängigkeit auf künftigen Konzerten der Finnen bestimmt nicht in der Setlist fehlen.

„Emptiness Inside“ bildet dann allerdings leider den ersten klaren Schwachpunkt des Albums. Die Nummer beginnt mit einem an sich recht vielversprechenden Riffing, doch im Laufe des Songs mausert sich die Angelegenheit zu einer Ballade, die mir einfach viel zu kitschig geraten ist. Auch wird deutlich, dass Koskelas Stimme bei Stücken mit Power besser aufgehoben ist. 

Dafür reißt das folgende „Nightfall Symphony“ so einiges heraus. Die Band geht wieder etwas mehr in den düstereren Bereich, wechselt gekonnt zwischen speedigem und Midtempo-Riffing und hat außerdem in gelungener Manier einen ruhigen Part in der Mitte eingebaut, der sich wiederum in einen sich immer mehr steigernden harten Part verwandelt. Eine sehr facettenreiche, vielseitige Nummer, vielleicht die beste des gesamten Albums.

Es schließt sich mit „Last Man Standing“ der härteste Track der CD an, aber irgendwie wirkt die thrashige Härte aufgesetzt. So richtig will der Song nicht zur Band passen und das Ganze erscheint eher eintönig und zündet nicht wirklich.

Den Schlusspunkt bildet dann das über 10-minütige Epos „Another World“, das mit Iron Maiden-artigen Gitarren beginnt, die alsbald in ein starkes Riffing münden, welches von einer hübschen Klaviermelodie untermalt wird. Zwischendurch ertönen immer wieder Bombast-Chöre, mehrstimmiger Gesang und Akustikgitarren, doch wird man das Gefühl nicht los, dass die Band hier ein bisschen zu viel will, denn irgendwie wirkt das Stück leicht überladen. Mit dem ebenfalls 10-minütigen „On The Edge Of Eternity“ vom Debüt kann es jedenfalls nicht ganz mithalten. Trotzdem summa summarum eine gelungene Nummer, besonders der Gesang von Koskela ist wirklich überragend.

Fazit: Mit „Cold Reality“ kann „Farewell To Saints“ aufgrund einiger kleiner Schwächen zwar nicht ganz mithalten, dennoch handelt es sich zweifelsohne um einen würdigen Nachfolger. Mit Winterborn ist auch weiterhin zu rechnen.

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