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Will'O'Wisp: Inusto

Eigenständig und eigensinnig, aber ebenso zerfahren und unausgegoren
Wertung: 5/10
Genre: Avantgarde/Progressive Death Metal
Spielzeit: 58:00
Release: 02.06.2015
Label: Nadir Music

Von Will'O'Wisp aus dem schönen Italien habe ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört, obwohl die Combo bereits Mitte/Ende der Neunziger mit „Enchiridion“ und „Unseen“ zwei Alben veröffentlichte, sich danach allerdings auflöste und erst im Jahre 2008 mit einem neuen Line-up wieder an den Start ging. 2012 folgte das dritte Full-Length-Werk „Kosmo“, drei Jahre später das vorliegende „Inusto“.

Soweit kurz zur Geschichte dieser Band, die ganz offensichtlich Wert auf eine intellektuelle Herangehensweise legt. So ist „Inusto“ laut Promo-Waschzettel als „Prog-Death-Metal-Opera“ anzusehen und eine Hommage an das russische Multitalent Nicholas Roerich, ein Künstler, der als Maler, Archäologe, Philosoph und Schriftsteller tätig war und zusammen mit seiner Frau Helena die theosophische Vereinigung Agni Yoga gründete. Sämtliche Texte auf der CD sind ebenfalls seinem Schaffen entnommen und wurden laut Booklet lediglich zum Teil minimal verändert, um gegebenenfalls besser mit der Musik zu harmonieren.

Dass bei solch ambitionierten Konzeptgeschichten auf der einen Seite Geniales herauskommen, das Ganze andererseits aber auch fürchterlich in die Hose gehen kann, dürfte nichts Neues sein. Manchmal sind die Protagonisten von der Muse geküsst und es entstehen Überwerke der Marke „Tommy“ (The Who), „Thick As A Brick“ (Jethro Tull), „Scenes From A Memory“ (Dream Theater), „Remedy Lane“ (Pain Of Salvation) oder als jüngeres Beispiel Steven Wilsons „Hand. Cannot. Erase.“, doch existiert eben leider auch das andere Extrem, bei dem sich die entsprechenden Musiker einfach zu viel aufgebürdet haben.

„Inusto“ gehört bedauerlicherweise zu letzterer Kategorie. Das Problem ist schlicht, dass die Truppe einfach zu viel auf einmal will: Zwischen heftigen todesmetallischen Eruptionen wird hier eine Klarinette, da ein Akkordeon, dort eine Violine und wiederum woanders eine Flöte ins Gesamtkorsett gepresst, Hauptsache, möglichst viele verschiedene Sounds, die letztlich aber nur von songschreiberischen Defiziten ablenken sollen. Denn nichts gegen Breaks und technische Kabinettstückchen, doch wenn am Ende irgendwie so gar nichts hängen bleibt, ist das Ziel letztlich verfehlt worden.

Die Geige im durchaus noch Eindruck schindenden (weil abwechslungsreichen und schlüssigen) „The Calling One“ mag noch effektiv eingesetzt worden sein, das schauerlich schräge Akkordeon in „When The East Is Aflame“ hingegen musste nun wirklich nicht sein und nervt genauso wie das chaotische Klarinettensolo. Und sorry, aber die Computerspiel-artigen Keyboardsamples, wie teilweise in „Lower Than The Depths“ (einer von vier Instrumentaltracks) zur Schau gestellt, gehen mal gar nicht und passen auch überhaupt nicht ins Gesamtbild, wobei die Tasten insgesamt häufig unfreiwillig komisch wirken. Allerdings fehlt dem Ganzen ohnehin der rote Faden, die Kompositionen sind unausgegoren, was aber wohl auch auf das größte Problem der Platte zurückzuführen ist: Der dünne, dumpfe Sound lässt die Angelegenheit irgendwie unfertig und naiv klingen, dabei steht ja völlig außer Zweifel, dass die Jungs spielen können, wie beispielsweise das jazzige Basssolo im bereits erwähnten „The Calling One“ untermauert.

Merkwürdig platzierte, sporadische Frauenstimmen wie in „Sacred Signs“ (Cradle Of Filth lassen grüßen, nur da passt es halt), das ansonsten zum besseren Material gehört, tun ihr Übriges zum mehr als zwiespältigen Eindruck, den die Scheibe hinterlässt: Gute Ansätze hier und da, Bemühen, etwas komplett Eigenständiges zu erschaffen, kauzig und kantig, handwerklich stark, doch am Ende des Tages zerfahren, wenn nicht gar durcheinandergewürfelt – Will'O'Wisp („Irrlicht“) macht sich da als Bandname recht gut. Außerdem stellt sich sowieso die Frage, ob es überhaupt passt, die Texte eines Esoterikers mit Blastbeats und fiesen Growls zu unterlegen.

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