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Wilde Jungs: Hasspirin

Leider nicht so gut wie erwartet
Wertung: 6/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 48:05
Release: 24.05.2013
Label: Rookies & Kings

Deutschrock hat seinen schlechten Ruf ja nur halb zu Unrecht. Wahrscheinlich findet man, abgesehen vom Black Metal, in keinem anderen härteren Genre so viele Pappnasen wie hier, plumpe Texte und Pöbelattitüde nicht mitgerechnet. Bezeichnend ist auch, dass viele der selbsternannten Deutschrocker ihr Land über alles lieben, aber keinen grammatikalisch korrekten deutschen Satz formulieren können.

Trotz oder gerade deswegen machte die Schreiberin dieser Zeilen im Jahr 2012 einen Abstecher auf die G.O.N.D. (Größte Onkelz Nacht Deutschlands), war positiv überrascht von den strikten Eingangskontrollen und lernte neben einer Truppe handzahmer Skinheads auch einige Bands lieben. Eine derselben waren Wilde Jungs, die live nicht nur ordentlich Stimmung machen konnten, sondern generell auch mit powervollen Texten überraschten. Zeit also, in das neue Album „Hasspirin“ mal rein zuhören und in Erinnerungen zu schwelgen.

Fangen wir mit einer mittelgroßen Enttäschung an: Von Knallesongs wie „Freunde in der Not“ oder „Böse Mädchen“ ist weit und breit keine Spur und das etwas über eine Minute lange Intro lässt erste Furcht aufkeimen: Mittelalterrock? Sea Shantys? Man weiß es nicht, zumindest haben die Jungs hier aber unnötige Spielzeit verschenkt. Mit dem ersten „richtigen“ Track „La Familia“ geht es dann aber volle Kraft voraus mit kreischenden Gitarren und rasanten Drums, wie man es von der Truppe aus Fulda nicht anders kennt und auch gar nicht anders haben will.

So optimistisch kommt man aber leider nicht durchs ganze Album. „Willst du es wagen“ mag an und für sich recht romantisch sein, kann aber irgendwie nicht so recht überzeugen und auch „Ich muss nen Scheiß“ verkommt trotz des wunderbaren Titels eher zu einer Persiflage und nötigt einem doch recht schnell die Benutzung des Skipknöpfchens ab.

Ganz großes Kino ist dann aber „Wer hat den Größten“; bei dem Titel werden natürlich erst mal die Augen verdreht, dabei geht es hier nicht um einen szeneinternen Schwanzvergleich, sondern um Religion – reinhören ist definitiv geboten, hier finden sich (leider als Ausnahme auf dieser Scheibe) sehr intelligente Textfragmente.

„Von Drachen und Helden“ mag dann ein autobiografischer Song sein, der die Kindheitssituation von Sänger Björn behandelt, kommt aber leider sowohl textlich als auch von der Melodie her nur unsagbar kitschig durch die Boxen, während aber „Farbe in mein Herz“ das Steuer wieder um 180 Grad herumreißt und sicherlich eine Hymne für alle Tattoobegeisterten werden kann. Hier stimmt alles: der Text, die Gitarren, die Stimme – live haut der Track sicherlich genauso gut rein wie auf Platte.

Eine Achterbahnfahrt sondergleichen bietet sich auf „Hasspirin“ und das leider nicht immer im positiven Sinne. Man hätte durchaus mehr erwarten können, wenn man sich den Backkatalog der Truppe mal so anhört – ein paar top Songs werden leider von der restlichen Durchschnittlichkeit überschwemmt, die auch von der technisch durchweg kompetenten Leistung der einzelnen Bandmitglieder nicht mehr abgewendet werden kann. So bleibt die Scheibe rechnerisch ganz knapp auf sechs Zählern hängen.

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