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Wicked Temptation: Seein' Ain't Believin'

Technisch stark, aber songschreiberisch bieder und altbacken
Wertung: 5.5/10
Genre: Hard Rock / Melodic Metal
Spielzeit: 47:17
Release: 12.03.2010
Label: Rhine Rock Records

Um zu erkennen, dass Gitarrist Peter Wagner, Sänger Dirk Hackenberg, Bassist Marc Herrmann und Drummer Hans in’t Zandt große Fans von klassischem Hard Rock / Heavy Metal sind, reicht schon ein kurzer Blick auf die bisherige musikalische Karriere des Quartetts: Wagner zockte in den Neunzigern bei einer Status Quo-Coverband namens Piledriver, die bisherigen Combos der Jungs eröffneten für so namhafte Acts wie Toto, Doro, Uriah Heep, Smokie oder Kansas, und bei der Achtziger-Metalband Salvage spielten Wagner, Hackenberg und Herrmann sogar eine Zeitlang zusammen.

Da man laut Label damals schon feststellte, wie nahe beieinander die musikalischen Wurzeln der Musiker liegen, fand man sich 2008 zusammen, um Wicked Temptation zu gründen, die ursprünglich lediglich als Hard’n’Heavy-Coverprojekt geplant waren, doch da man feststellte, dass großes songschreiberisches Potential in der Band steckte, entschied man sich, doch lieber eigenes Material zu komponieren, das nun in Form des Debüts „Seein’ Ain’t Believin’“ erhältlich ist.

Und wer sich trotz dieses kleinen Exkurses in die Biographien der Bandmitglieder oder durch einen Blick auf das, sagen wir, irgendwie traditionell wirkende Frontcover immer noch nicht denken kann, dass das Rad hier nicht gerade neu erfunden wird, wird spätestens sobald die ersten Noten des Openers „Money“ erklingen, erkennen, dass Wicked Temptation wirklich tief in den Achtzigern verwurzelt sind. Trends interessieren nicht, diese vier Herren haben sich dazu entschlossen, den Sound zu spielen, den sie lieben.

Prinzipiell ist dagegen ja auch gar nichts einzuwenden, jeder kann schließlich machen, was er will, und Retro-Bands sind mir lieber als die hunderttausendste Metalcore-Kapelle, die ein geiferndes Label in irgendeinem ranzigen Proberaum aufgegabelt hat und meint – so schlecht sie auch sein mag –, signen zu müssen, in der Hoffnung, auch vom Trend profitieren und ein paar Cents herausquetschen zu können. So lange das Songwriting und die Leistung stimmen...

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer: Dass die Jungs ihr Handwerk verstehen, ist überhaupt nicht abzustreiten, die Erfahrung ist jederzeit hörbar, doch irgendwie plätschert das Ganze vor sich hin, das angespriesene songschreiberische Potential kann ich nicht so richtig erkennen.

Klar, die Riffs von „Money“, „Love Just Ain’t Enough“ oder „Rock’n’Roll Disaster“ haben was Eingängiges, aber man hat ständig das Gefühl, das alles bei den angegebenen Einflüssen wie Ozzy Osbourne, Judas Priest oder Dio schon mal besser gehört zu haben. Außerdem fehlt dem Ganzen schlichtergreifend einfach der Biss; bei allem Verständnis für Retro-Mucke muss man halt schon darauf achten, nicht altbacken zu klingen und das ist hier leider der Fall. Die Songs sind allesamt entsetzlich vorhersehbar und die Refrains nicht nur absolut austauschbar, sondern – wie im Falle von „Liar“ – teilweise sogar fürchterlich. Dieser Song gibt übrigens auch ein sehr gutes Beispiel für vor Klischee triefende Texte beziehungsweise Schulenglisch-Reime ab: „She’s a liar, she set my heart on fire, burning with desire“ – sorry, aber das geht gar nicht. Auch sind sämtliche Songtitel nicht gerade der Weisheit letzter Schluss und ziemlich ausgelutscht. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Gesang: Man wird über die gesamte Spieldauer das Gefühl nicht los, dem guten Herrn Hackenberg ginge die Puste aus; hier fehlen ganz klar Leichtigkeit und Frische und aus diesem Grund fangen die Vocals irgendwann an zu nerven.

Dennoch sei hier trotz aller Meckerei noch einmal betont, dass sämtliche Bandmitglieder an ihren Instrumenten ansonsten eine gute Figur machen und das Album nicht wirklich schlecht ist – mit „Children“ gibt es sogar einen wirklich starken Track –, aber es ist eben auch nichts Besonderes. Als Hintergrundberieselung ist „Seein’ Ain’t Believin’“ okay, aber zum Abrocken ist es mir zu wenig mitreißend und zu unspektakulär.

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