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Wicca Phase Springs Eternal: Suffer On

Ein schwermütiges Crossoverprojekt
Wertung: 7,5/10
Genre: Crossover, Alternative Rock, Emo Rap
Spielzeit: 37:34
Release: 15.02.2019
Label: Run For Cover Records

Augen und Ohren auf, Freunde der Nacht, hier kommt Emo Rap! Sich hochrollende Zehnägel kann ich voll und ganz nachvollziehen bei dieser Genrebezeichnung, ist aber alles gar nicht so schlimm: Kreativer Kopf der recht eigensinnig benannten Wicca Phase Springs Eternal ist der von Tigers Jaw bekannte Adam McIlwee, der sich mit seinem vorliegenden Projekt dem „sad rap“ oder auch „emo rap“ verschrieben hat, was anscheinend vor allem im weltweiten Web ein ganz großes Ding zu sein scheint, an mir aber geräuschlos vorbeigeglitten ist.

Gemeinsam mit neun anderen Künstlern hat der Mann außerdem das Internetkollektiv Gothboiclique gegründet, was eigentlich auch schon wieder anzeigt, worum es im Prinzip geht: düstere, ehrliche Texte und eher gedrückte Musik, eben ein Wiederaufleben der Gothästhetik, nur eben mit Rapsamples. Klingt ein bisschen schräg, ist es auch. Entsprechend ist das Cover der neuen Scheibe „Suffer On“ schön düster gestaltet und erfreut das Goth-Auge, auch wenn der Mastermind himself auf der Rückseite der Platte eher den Eindruck eines Serienmörders macht.

Wie wir spätestens seit Charles Mansons musikalischen Ausflügen in St. Quentin wissen, schließt das eine das andere ja nicht aus – aber wir schweifen ab. Ein bisschen schwierig ist es für ungeübte Ohren, mit der streckenweise doch sehr monotonen Stimme des Songwriters klarzukommen, die natürlich zur allgegenwärtigen Stimmung passt, aber nichtsdestotrotz eine Hürde darstellt.

Das wird vor allem bei Songs wie „I Wake Up In Pain“ klar, das mit ziemlich coolen Beats und kristallklaren Samples daherkommt und sich allein damit schon einen Platz auf dem Treppchen sichern kann, die absolut unakzentuierten Sprechgesänge machen aber eine beträchtliche Eingewöhnungszeit notwendig. Für Scheuklappenträger und Szenepolizisten finden sich auf „Suffer On“ aber ohnehin reichlich Punkte zum Herumkritteln, dabei muss man todtraurige Akustikgitarren wie in „Does Your Head Stop“ doch einfach abfeiern, ob sie jetzt von Samples abgelöst werden oder nicht.

Wenn man sich auch nur ein bisschen mit dem Text beschäftigt, kann man den Track guten Gewissens kaum mehr aus dem Kopf bekommen und auch nur schwer den Kloß im Hals bekämpfen. Schon der Opener „Together“ verbreitet ein ähnliches Gänsehautgefühl, fast ein bisschen Dark Country ist hier herauszuschmecken, zumindest wenn man sich die Samples wegdenkt.

Was in der ersten Hörrunde noch nach ungeordnetem Genremix klang, kann nun langsam aber sicher so weit auseinanderdividiert werden, dass zum Teil spannende und bewegende Songs entstehen. Ein gutes Beispiel ist das durch Angst und Unsicherheit deutlich geprägte „Contact“. Trotzdem: Als Dauerschleife eignet sich „Suffer On“ schon allein aufgrund seiner teils wirklich deprimierenden Texte so ganz und gar nicht. Wohldosiert kann man auf den zehn Songs aber erstaunliche Perlen erkennen, wenn man sich mal von der Bezeichnung „Emo Rap“ erholt hat. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann