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Whom The Moon A Nightsong Sings

Eine unvergleichliche Zusammenstellung
Wertung: 9.5/10
Genre: Neofolk/Acoustic
Spielzeit: 104:34
Release: 29.10.2010
Label: Auerbach Tonträger

Sampler – eine nicht ganz unumstrittene Angelegenheit, bieten doch viele dieser Zusammenstellungen lediglich einen Überblick über die auf dem jeweiligen Label vertretenen Bands und sehen nicht selten nach reiner Geldmacherei aus. Zwischen diesen Negativ-Beispielen gibt es jedoch auch immer wieder löbliche Veröffentlichungen, die sich nicht selten durch ein spezielles Konzept oder unveröffentlichte Songs hervortun – im Falle der von Prophecy Productions zusammengestellten Compilation „Whom The Moon A Nightsong Sings“ werden sogar beide Vorzüge geboten und ein Aufgebot an hochqualitativen Bands präsentiert, das derzeit seinesgleichen sucht.

Wer das Label kennt, weiß, dass die dort vertretenen Künstler zwar aus sehr unterschiedlichen Genres wie Black Metal oder Neofolk stammen, aber alle eines gemeinsam haben: ihren starken Hang zu melancholischem und atmosphärischem Liedgut und häufig auch einer starken Verbindung zur Natur, die sich sowohl in den Texten als auch in der Musik selbst widerspiegelt. Genau das ist bei „Whom The Moon A Nightsong Sings“ auch das Thema, denn Naturmystik spielt bei den bis auf eine Ausnahme komplett akustisch gehaltenen Songs eine tragende Rolle und lässt die hauptsächlich aus dem Neofolk stammenden Stücke trotz ihrer Unterschiedlichkeit eng zusammenhängen. Obwohl schon die Qualität der Songs für sich selbst spricht, wird das Ganze auch noch dadurch aufgewertet, dass bis auf zwei Abweichungen alle Stücke entweder selten oder exklusiv auf dem Sampler zu finden sind.

Aushängeschild dieser besonderen Songs ist dabei fraglos „The Days Before The Fall“ von den kürzlich wiedervereinten Empyrium, die damit ihr erstes Lebenszeichen seit langem von sich geben – und dieses fällt gleich äußerst überzeugend aus, denn die außergewöhnliche Truppe hat nichts von ihrer Faszination verloren. Folkige Klänge in bester „Weiland“-Tradition bauen sich stetig auf und werden von Ulf Theodor Schwadorfs großartigem sonoren Gesang begleitet, bevor gegen Ende tatsächlich verzerrte Gitarren einsetzen und den Doom-Wurzeln der Band einen Besuch abstatten. Weitere prominente Namen finden sich neben Dornenreichs leidenschaftlichem, von gelegentlichem Flüstern einmal abgesehen Instrumental-Stück „Dem Wind Geboren“ und dem mit einer sehr vielseitigen Instrumentierung versehenem Song „Kausienranta“ von Tenhi vor allem mit Ulver und Les Discrets. Letztgenannte, deren Mastermind Fursy sich übrigens auch für das atemberaubende Artwork der Compilation verantworklich zeigt, passen sich mit ihren zwei neuen Songs dem musikalischem Konzept ein wenig an und verzichten zugunsten akustischer Klänge auf ihre übliche Mischung aus Post-Rock, Shoegaze und Post-Punk, klingen aber auch so gewohnt einzigartig und hochklassig. Auch von der norwegischen Legende Ulver gibt es auf „Whom The Nightsong Sings“ weder Black Metal noch elektronische, avantgardistische Musik zu hören, sondern auch hier wird ein folkiges Stück präsentiert, das mit seinen geschickten Arrangements und dem durchdringenden Gesang ebenfalls im Gedächtnis bleibt.

Einzelne Songs hervorzuheben fällt generell sehr schwer, denn jede Band fügt sich mit ihrer Musik perfekt in den Kontext ein - sowohl die in der Mehrzahl vertretenen instrumentalen Stücke, die entweder wie im Falle von Vàli oder October Falls von melancholischen Akustik-Gitarren dominiert werden oder von sanften Piano-Klängen wie in Nhors „Upon The Wind Its Wings Beat Sorrow Into The Stars“ bestimmt werden, als auch die mit emotionalem, ausdrucksstarkem Gesang versehenen Songs, die mal von männlichen (Ainulindalë, Orplid), mal von weiblichen Stimmen (Havnatt) begleitet werden. Relativ ungewöhnlich gestaltet sich das Ende der zweiten CD, denn Syven bewegen sich mit ihrem 17-Minuten-Epos „How Fare The Gods?“ in den Gefilden des Schamanismus und schaffen so einen faszinierenden und mystischen Ausklang, der noch einmal betont, dass es sich hier um eine echte Ausnahme-Compilation handelt.

Prophecy Productions setzen mit „Whom The Moon A Nightsong Sings“ wahrlich Maßstäbe im Bereich der konzeptuellen Sampler und veröffentlichen hier eine Zusammenstellung, die von Anfang bis Ende zu fesseln vermag und durch ihren roten Faden insbesondere als Gesamtkunstwerk begeistert. Nicht nur die Tatsache, dass die meisten Songs unveröffentlicht oder rar sind, sondern auch die Qualität der Auswahl macht diese umfangreiche Compilation zu einer äußerst lohnenswerten Angelegenheit, die sich kein Freund melancholischer, leidenschaftlicher und atmosphärischer Akustikmusik entgehen lassen sollte.

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