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Whitesnake: The Purple Album

Nicht so schlecht, wie man vielleicht befürchten musste
keine Wertung
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 68:28
Release: 15.05.2015
Label: Frontiers Records S.R.l. (Soulfood)

Über Sinn und Unsinn von Coverversionen oder wie im vorliegenden Fall ganzen Coveralben wurde genug geredet und deswegen soll hier auch gar keine neue Diskussion vom Zaun gebrochen werden. Wer grundsätzlich findet, dass so etwas komplett überflüssig ist, braucht gar nicht erst weiterzulesen. Ich persönlich bin eigentlich auch kein Fan von so etwas, auch wenn man bei „The Purple Album“ genaugenommen von Neuaufnahmen sprechen muss, denn Whitesnake-Fronter David Coverdale war damals ja selbst daran beteiligt, die sich in der Tracklist tummelnden Deep Purple-Klassiker zu schreiben.

Man sollte natürlich nicht unbedingt mit der Einstellung „Ach, das ist doch ’ne Schwachsinnsaktion und die können das nur verhunzen“ an die Sache herangehen. Eine gewisse Skepsis ist sicherlich angebracht und es sei von Anfang an gesagt, dass die neuen Versionen nicht mit dem Charme der Originale aus den frühen Siebzigern mithalten können – aber das hat wohl auch niemand ernsthaft erwartet, David Coverdale selbst wahrscheinlich am wenigsten. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, muss man am Ende feststellen, dass das Ganze wirklich nicht schlecht gemacht ist; man hört anhand der Verspieltheit definitiv heraus, dass die Band garantiert einen mordsmäßigen Spaß bei den Aufnahmen hatte.

Man muss sich zunächst daran gewöhnen, dass die ausgewählten Songs fast alle tiefer gelegt sind, das fällt besonders beim eröffnenden „Burn“ sehr krass auf – aber gut, Mr. Coverdale ist nun mal auch keine 25 mehr und gerade „Burn“ (vor allem die Parts von Glenn Hughes) ist eine unheimlich schwer zu singende Nummer, von daher: geschenkt. Vor allem Hughes, der immer noch ein fantastischer Sänger ist und im Gegensatz zu Coverdale mit hohen Passagen nach wie vor keine Schwierigkeiten hat, vermisst man aber doch nicht unerheblich in diesem Track. Dass die Neuinterpretationen außerdem einen schwereren Härtegrad besitzen, konnte man zwar ebenfalls erwarten, Puristen wird die „Metallisierung“ von Songs wie „Might Just Take Your Life“, „Lay Down, Stay Down“ oder „Stormbringer“ dennoch nicht gefallen.

Ein paar nette Einfälle hat die Truppe aber auf jeden Fall: Aus „Sail Away“ eine reine Akustiknummer zu machen, bietet sich an, die Dobro-Gitarre im Intro von „Might Just Take Your Life“ verbreitet ein wenig Western-Flair, was der Nummer gut steht, und die aus den Boxen tropfende Spielfreude bei „Lady Double Dealer“ ist quasi greifbar. Ob die Welt hingegen noch weitere Varianten der bereits bis zum Geht-nicht-mehr gecoverten (wenn auch selbstredend wunderschönen) Songs „Mistreated“ und „Soldier Of Fortune“ gebraucht hätte, sei dahingestellt. Das Solo am Ende bei „Mistreated“ reißt wie immer mit und die Lieder sind ordentlich vorgetragen, trotzdem hätte es das wohl weniger gebraucht.

Schön hingegen, dass Whitesnake sich mit „Holy Man“ eine weniger bekannte Purple-Nummer vorgenommen haben, was auch insofern interessant ist, als dass Glenn Hughes den Track damals alleine einsang, obwohl David Coverdale bereits damals neben Hughes und Jon Lord als Co-Songwriter aufgeführt wurde. Seinen damaligen Purple-Gesangspartner kann Coverdale heute natürlich nicht überbieten, aber zumindest die schön schwebenden Gitarren gegen Ende machen sich wirklich sehr hübsch.

Ebenso das düster-geheimnisvolle „You Keep On Moving“ in der Tracklist zu berücksichtigen (genau wie „Holy Man“ schon immer einer meiner persönlichen Faves), freut zu sehen – überhaupt ist es schön, dass die Band auch auf Songs des sträflich unterschätzten „Come Taste The Band“-Albums, dem einzigen aus der Ära mit Tommy Bolin an der Gitarre, setzt. Vielleicht bringt dies die Leute ja dazu, die Platte mal wieder auszupacken und festzustellen, dass sie eigentlich gar nicht so schlecht ist, wie sie immer gemacht wurde.

Am Ende steht die Frage: Muss man „The Purple Album“ jetzt haben oder nicht? Ich meine, nein, muss man nicht unbedingt. Es ist besser, als man erwarten konnte (und das sagt jemand, der ein Riesenfan der Purple-Ära mit Coverdale ist und allein deswegen mit einer schlimmen Vergewaltigung dieses alten Liedguts rechnen musste) und sicherlich kein Schnellschuss, zumal man David Coverdale glauben darf, dass er die Langrille als puren Tribut ansieht. Es stimmt ja, er verdankte Deep Purple alles, sie machten ihn zum Weltstar, vorher kannte ihn niemand. Insofern sollte man das alles ganz locker sehen; Whitesnake zeigen mit „The Purple Album“ immerhin, dass die alten Klassiker absolut zeitlos sind, auch wenn man den Spirit von damals nicht mehr einfangen kann. Natürlich ist Davids Stimme mit Effekten noch und nöcher zugekleistert, aber das ist nur ein weiterer Punkt, mit dem man rechnen konnte. Dennoch: Fans sollten vorher reinhören und dann entscheiden, ob ein Kauf nötig ist; so oder so wird wohl jeder die Originalversionen vorziehen, darin dürften sich alle einig sein. Ebenfalls darin, dass eine Reunion von Ritchie Blackmore und David Coverdale, die wohl tatsächlich im Raum stand, interessanter gewesen wäre als diese CD.

Zur Info: In der limitierten Auflage liegen mit „Lady Luck“ und „Comin’ Home“ noch zwei weitere Tracks von „Come Taste The Band“ vor.

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