Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Whitesnake: Good To Be Bad

Unglaublich gut, jung und frisch wie vor 20 Jahren
Wertung: 10/10
Genre: Blues Hard Rock Melodic Metal
Spielzeit: 59:26
Release: 18.04.2008
Label: Steamhammer/SPV

Elf lange Jahre hat es gedauert, bis es endlich wieder ein Longplayer der weißen Schlange in die Plattenläden geschafft hat. Hin und her gerissen von den letzten Veröffentlichungen, konnte man nicht wirklich erahnen, wie das neue Album klingt. „Restless Heart“ konnte trotz hoher Qualität nicht wirklich viel Erfolg einheimsen. Die letztjährige Liveveröffentlichung „Live In The Shadow Of The Blues“ wartete dann ja mit vier richtig guten neuen Songs als Studiotracks auf, allerdings unterscheidet sich das von dem hier Dargebotenen schon recht deutlich. Hauptsächlich in Sachen Sound, welcher diesmal von Michael McIntyre, David Coverdale und Doug Aldrich angerührt wurde.

David selbst sagt, dass sich das Album wie das erste richtig Whitesnake Album seit fast 20 Jahren anhört. Nun ja, da kann man geteilter Meinug sein. Der grandiose, kräftige Sound klingt wie das „1987“ Album, nur eben mit zwei Gitarristen.

Mit kräftig heulenden Gitarren beginnt der erste Song „Best Years“, um dann aber Fahrt rauszunehmen und recht lässig dahinzugrooven. Der Refrain geht leider nicht so schnell in den Schädel und ich frage mich unwillkürlich, ob das ein gelungener Opener ist. Die Gitarren sind so frisch wie seit seligen John Sykes Zeiten nicht mehr, aber der Song fließt so ein wenig dahin wie z.B. beim „Restless Heart“ Album. Starke Nummer, aber irgendwie nicht der Hammer, den ich nach den starken Liveauftritten und nach einer Schöpfungspause von über zehn Jahren erwartet hätte. Und mit ein paar Sorgenfalten harre ich der Dinge, die da kommen werden.

Freudig donnern mir dann die ersten Gitarrentöne von „Can You Hear The Wind Blow“ entgegen. David`s Stimme klingt hier frisch wie schon lange nicht mehr und der Song knallt so richtig schön. Yehaaa, Whitesnake is back, stronger than ever, bin ich fast geneigt zu sagen. Dieser Song besitzt fast alles, was Whitesnake ausmacht. Rockige, harte Passagen, dann wieder die melodischen Teile und auch die ruhigen Phasen kommen nicht zu kurz. Der Song wird mit einer richtig spürbaren Spielfreude dargeboten, sodass er richtig mitreißt. Ein weitere Hit in der 30-jährigen Bandhistorie.

„Call On Me“ erinnert mich vom Song her am meisten an die „Slip Of The Tongue“ Scheibe, nicht weil dort Gitarrengefrickel Priorität hat, sondern vom Grundgerüst des Songs, wobei sich Doug Aldrich und Reb Beach hier schon zu präsentieren wissen. Sehr schöner Rocker, der sich auch schnell im Kopf festsetzt.

Mit „All I Want All I Need“ folgt dann schon die erste Ballade. Richtig schön zum Träumen und in der Tradition von Megahits wie „Is This Love“. Der Song dürfte ordentlich Airplay bekommen. Trotz aller Seichtheit gibt es aber auch die druckvolleren Parts, so wie man es von damals kennt. Glasklarer Sound, prägnante tolle Gitarren und das gelungen solide Schlagzeug von Neuzugang Chris Frazier sorgen für Gänsehaut.

Richtig in die Vollen geht die Band dann wieder mit dem Titelsong „Good To Be Bad“. Der Song erinnert mich am ehesten an die Songs vom „Slide It In“ Album. David´s genialer Gesang trohnt über den Instrumenten und sorgt für den richtigen Drive. Dazu wieder einmal ein mehr als gelungenes Gitarrensolo und der Fan jubelt.

„All For Love“ wird dann zu meiner Überraschung weit im Hintergrund von kultigen Orgelklängen von Timothy Drury`s Keyboard untermalt. Ich hätte eigentlich nicht erwartet, so etwas nochmal nach „Saints & Sinners“ so zu hören. Stark, richtig stark, allerdings gefallen mir hier erstmalig David`s Vocals nicht so recht. Die Gitarren verzaubern richtig heftig, aber die Gesangslinien sind mir etwas zu seicht geraten. Zwar erreicht man ein hohes Level, aber bei den anderen vorhandenen Songs auf diesem Album ist dies doch eher einer der halt einfach nur guten Songs.

„Summer Rain“ ist dann die zweite Ballade des Albums. Zu Beginn nur akustisch begleitet, stellen sich die Haare an Armen und Beinen auf: Gänsehaut. Stark, was David hier wieder komponiert hat. Hitcharakter ohne Ende. Man verfällt dem Träumen und driftet in die wohligsten Gefühlswelten ab. Nur gut, wenn gerade die Freundin, respektive der Freund da ist und man schmusenderweise die Emotionskurve auf höchstem Level hält. Hört euch nur mal das gefühlvolle Solo an, dazu Davids teilweise recht kratzig alte, dann wieder soft und klar wirkende Stimme. Ein wahrer Ohrenschmaus. Ein weiterer Hit in der Bandgeschichte.

„Lay Down Your Love“ wird dann erstmal rein stimmlich intoniert, bevor die schon recht metallisch anmutenden Gitarren so etwas wie einen Bruder von „Still Of The Night“ herauf beschwören. Nur der Refrain ist da etwas melodischer ausgefallen. Der Song tritt kräftig in den Allerwertesten und David zeigt, was seine Kehle noch hergibt. Das Haupthaar wird kräftig durchgeschüttelt und der Spaßpegel bleibt auf höchster Stufe! Wenn es kein „Still Of The Night“ gegeben hätte, wäre hier wieder einmal ein riesiger Höhepunkt der Bandgeschichte entstanden. Auch wenn Uriah Duffy seinen Job am Bass richtig gut macht, wäre es trotzdem nicht auszudenken, wie der Song quasi explodieren würde, wenn Marco Mendoza hier noch mit seinem etwas moderneren Bassspiel dabei gewesen wäre.

„A Fool In Love“ beginnt Langspielplattenverknistert mit sehr starker Bluesorientierung, bis der Sound ins 21. Jahrhundert gezogen wird. Jawohl, die Gitarren donnern hier so massiv, als ob man auch einen Bruder zu „Crying In The Rain“ kreiieren wollte. Ein anderer Refrain und man hätte vielleicht von einer Kopie reden können, aber so ist der nächste Höhepunkt der CD erschaffen. Man bluest sich hier durch die gut fünf Minuten, dass man fast schon Pipi in die Augen bekommt und an die guten alten, deutlich bluesigeren Tage der Band denkt.

„Got What You Need“ ist dann die obligatorische Up-Tempo Nummer, welche nochmal richtig in den Popo tritt. Man könnte fast meinen, dass die Band gleich aus den Lautsprechern gesprungen kommt und durch das Wohnzimmer rennt. Ein Song, wie er von der Grundidee her auch zu „Trouble“ Zeiten hätte entstanden sein können, das Ganze dann aber im aktuellen Soundgewand.

Und dann kommt zum Abschluss nochmal etwas Unerwartetes. Ein akustischer Song, der gerade auch durch sein stampfendes Schlagzeug ein wenig Countyflair versprüht. Er lebt eigentlich nur von David`s überragenden Vocals. Ein absoluter getragener Hit, welcher selbst „Is This Love“ irgendwie alt aussehen lässt und das soll schon was heißen. Irgendwie eine Symbiose aus „Is This Love“ und Bon Jovi`s „Dead Or Alive“. Wenn man da ein richtig gelungenes Video ohne ständige Livebilder der Band hinzimmert, dürfte man einen riesigen Charterfolg genießen, wage ich hier einfach mal zu prognostizieren. Es ist schwer, wenn ein Album vielfältig ist und derart viele Highlights bietet, aber irgendwie, vielleicht auch weil es der für mich überraschendste Song ist, dies ist mein persöhnliches Highlight des Albums.

Fazit: Eine Band mit entsprechend erfolgreicher Geschichte zu besprechen, ist natürlich immer schwierig, man vergleicht die neue Scheibe automatisch immer mit den Jahrhundertalben von früher. Wenn man dann etwas vorgesetzt bekommt, was vom Stil her nichts komplett Neues darstellt, wird man immer etwas auszusetzen haben. Klar, zu hoch ragt der Schatten. Genau dies macht es auch hier schwierig. Aber ich gehe soweit und würde sagen, wenn es „1987“ nicht gegeben hätte, dann wäre dies das Jahrhundertalbum der Band geworden. So ist es irgendwie der zweite geniale Teil geworden, der noch weitere Facetten der Band aufzeigt.

Unglaublich, wie die Band es geschafft hat, nach 30 Jahren nochmal ein derart heißes Album abzuliefern. Eine ganz tiefe Verneigung von meiner Seite aus vor dieser Energieleistung. Die Band wird somit wohl viele neue Fans gewinnen, die eigentlich bei Whitesnake immer irgendwie eher an verstaubten dreckigen Rock`n`Roll gedacht haben. Wer so an die neue Scheibe geht, wird richtiggehend umgeblasen. Jeder, der denkt, dass Whitesnake immer das gleiche machen und sich selbst kopieren, wird hier eines Besseren belehrt, denn auch, wenn es logischerweise viele Parallelen gibt, klingt dieses Album frischer als die meisten Alben der Band. Ja, ich gehe soweit, dass dies definitv mindestens eines der drei besten Platten der Band darstellt.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna