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White Stones: Kuarahy

Für den ersten Alleingang des Opeth-Bassers okay – aber mit Luft nach oben
Wertung: 7/10
Genre: Death/Groove Metal
Spielzeit: 41:20
Release: 20.03.2020
Label: Nuclear Blast

Als Martín Méndez 1997 bei Opeth als neuer Bassist einstieg, hätte er bestimmt nicht geahnt, dass er mal nach Frontmann Mikael Åkerfeldt das langjährigste Bandmitglied der Formation sein und der Boss der schwedischen Progger ihn einst als „meine rechte Hand“ bezeichnen würde. Gerade vor diesem Hintergrund überrascht es gar nicht allzu sehr, dass der Tieftöner mit White Stones sein eigenes Nebenprojekt aus der Taufe gehoben hat, bei dem er nicht nur den Bass bedient, sondern auch für die Rhythmusgitarren zuständig ist.

Angst muss niemand haben, dass Méndez deswegen seine Hauptband vernachlässigen würde, fühlt er sich doch laut eigenen Worten „zu hundert Prozent wohl“ mit dem, was Opeth heutzutage spielen (was logisch erscheint, da es angeblich ja Méndez selbst war, der seinerzeit nach „Watershed“ Åkerfeldt davon überzeugte, eine etwas andere Richtung einzuschlagen), aber sei es wichtig, um neue Kraft und Energie zu tanken und mal was anderes zu machen, Nebenprojekte zu haben, womit er natürlich vollkommen recht hat.

Dass der stets ruhig und fast schüchtern wirkende gebürtige Südamerikaner ursprünglich auch der Sänger seiner neuen Combo sein wollte, ist irgendwie schwer vorstellbar und es verwundert daher nicht wirklich, dass er diesen Posten doch aufgab, weil ihm diese Rolle nicht lag. Stattdessen ist am Mikro nun Eloi Boucherie zu hören, der ebenfalls in der katalanischen Band Vidres A La Sang aktiv ist und den Méndez in Barcelona kennenlernte, wo er mittlerweile mit seiner Familie hingezogen ist.

Boucherie gibt eine gute Figur ab, seine Growls klingen böse, bedrohlich und zum Teil gar richtig schön eklig, wie es sich gehört; ein bisschen mehr Textverständnis könnte hier und da nicht schaden, zur dargebotenen Musik passt die Stimme aber grundsätzlich wie Arsch auf Eimer. Hierbei handelt es sich nun nicht etwa, wie einige Opeth-Jünger vielleicht bereits gehofft haben, um eine Rückbesinnung auf die für viele beste Zeit der Schweden mit zehnminütigen Prog-Death-Epen, vielmehr liegen kompakte, relativ straighte Todesstahl-Nummern vor, bei denen in erster Linie auf Groove gesetzt wird.

Martín Méndez nennt vor allem Morbid Angel als seinen Haupteinfluss, mit Opeth habe das Ganze eher nichts zu tun. Dabei verbreiten gleich das cleane Intro und Titelsong „Kuarahy“ und streckenweise auch das Outro „Jasy“ durchaus Opeth-Flair und hätten zum Beispiel auch auf „Heritage“ stehen können – dazwischen allerdings sind weder Akustikgitarren noch abrupte dynamische Wechsel oder sonstige typische Eigenschaften, die man mit den Stockholmern verbinden würde, zu finden.

Die Riffs sind recht schnörkelig und technisch durchaus anspruchsvoll, dennoch ist wie erwähnt Groove das A und O, genauso wie fokussiertes Songwriting. Und obwohl hier ein recht populärer und anerkannter Szenebassist diese Band gegründet und alle Stücke komponiert hat, spielt er sich keineswegs in den Vordergrund; natürlich gibt es den einen oder anderen sehr prägnanten Basslauf (ähnliches findet sich bei Opeth allerdings ja ebenfalls von Zeit zu Zeit), aber insgesamt ist alles sehr Band-orientiert und Méndez dürfte ohnehin viel zu bescheiden und zurückhaltend sein, um eine One-Man-Show zu zelebrieren.

Das Problem an der Scheibe ist jedoch, dass die Tracks in ihrer Machart zu ähnlich sind und zu wenig Abwechslung vorhanden ist. Das Tempo wird kaum variiert, es gibt an kaum einer Stelle mal beispielsweise Blastbeats („Ashes“ ausgenommen) oder schleppende Parts, fast alles spielt sich in mittlerer Geschwindigkeit ab. Und obwohl Nummern wie der treibende Opener „Rusty Shell“, die mit eingängigen Gitarren-Hooklines versehenen „Drowned In Time“ und „Ashes“, das teilweise melancholische „Guyra“ oder das aufwühlende „Infected Soul“ gelungen und Anspieltipp-würdig sind, erwischt man sich, betrachtet man das Gesamtbild, häufiger dabei, wie man abdriftet und plötzlich registriert, dass die Chose ein wenig an einem vorbeiplätschert.

Natürlich ist Martín Méndez ein fantastischer Musiker, weswegen alles professionell tönt und durchaus anspruchsvoll arrangiert wurde; selbstredend sind die Gastsoli von Fredrik Åkesson und Per Eriksson mehr als hörenswert und für sich genommen gibt es auch keinen Ausfall – doch sollte er dieses Projekt weiterverfolgen, wäre ein wenig mehr Vielfalt beim Songwriting sicherlich nicht verkehrt. Auch hatte man sich irgendwie mehr folkloristische Elemente erhofft, da schon der Albumtitel „Kuarahy“ auf Alt-uruguayisch „Sonne“ heißt, und auch das rustikale Coverartwork Assoziationen mit Ureinwohnern weckt – von derartigen Einflüssen ist jedoch praktisch nichts zu hören. In Bezug darauf hätte man in Sachen Originalität zusätzlich punkten können, vielleicht ja nächstes Mal. Dafür, dass diese Scheibe den ersten kompositorischen Alleingang des Mannes aus Montevideo darstellt, ist das aber definitiv okay – man sollte allerdings lieber nicht den Fehler begehen, mit songschreiberischer Finesse der Marke Opeth zu rechnen.

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