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White Stones: Dancing Into Oblivion

Soundtechnisch und kompositorisch eine deutliche Steigerung zum Debüt
Wertung: 8/10
Genre: Death/Groove Metal
Spielzeit: 35:46
Release: 27.08.2021
Label: Nuclear Blast

So ärgerlich es auch ist, dass wegen der Corona-Pandemie so viele Konzerte und ganze Tourneen ausfallen – immerhin nutzen die betroffenen Musiker die viele Zeit zu Hause, um neue Songs zu schreiben. So legt denn auch Opeth-Bassist Martín Méndez nach dem letztjährigen Debüt seiner neuen Nebenspielwiese White Stones lediglich rund anderthalb Jahre später mit dem Zweitling „Dancing Into Oblivion“ nach. Dabei hat sich bereits ein Wechsel im Line-Up vollzogen, für Jordi Farré sitzt nun Joan Carles Marí am Schlagzeug, außerdem wurden die Gitarrensoli – auf dem Erstling „Kuarahy“ noch von Per Eriksson und Méndez’ Opeth-Kumpel Fredrik Åkesson eingespielt – diesmal von João Sassetti übernommen, der in den Anfängen der Band dort schon als Tourmitglied aktiv war.

Inhaltlich, so Méndez, hat er sich mit den eigenen widersprüchlichen Gefühlen während der Pandemie beschäftigt: Denn so schön es natürlich auch sein mag, endlich mal eine längere Zeit am Stück mit der Familie verbringen zu können, sei es auf der anderen Seite doch sehr frustrierend, nicht auf Tour gehen und vor den Fans spielen zu können. Und da Musiker möglicherweise die letzten Personen wären, die wieder normal arbeiten können, würde dies eine große Unsicherheit bedeuten. Sowohl diese Gefühle des Unbehagens habe man auf die Platte übertragen wollen, als auch die glücklichen Momente mit der Familie.

Diese Umschreibung passt tatsächlich recht gut zu den auf dem Album dargebotenen Gegensätzen. Dass Martín Death Metal genauso wie Jazz gerne mag und so unterschiedliche Einflüsse wie John Coltrane einerseits und Morbid Angel oder Deicide andererseits nennt, ist nichts Neues und zeigte sich auch bereits auf „Kuarahy“ streckenweise. Auf „Dancing Into Oblivion“ sind die Gegensätze noch feiner ausgearbeitet, u.a. dadurch, dass neben einem Intro und einem Outro in Form von „Woven Dreams“ noch ein weiteres – ruhiges – Zwischenstück vorhanden ist, um einen größeren Kontrast zu erschaffen und den Zugang zu erleichtern.

In der Tat ist „Dancing Into Oblivion“ einfacher zu erschließen als sein Vorgänger, was allerdings in erster Linie schlicht daran liegt, dass das Songwriting besser ist. Wo das Material auf „Kuarahy“ hin und wieder noch etwas vor sich hinplätscherte, tönt das neue Album selbstbewusster und vor allem abwechslungsreicher. Am deutlichsten wird dies im fast neunminütigen „Iron Titans“, das sich in den ersten Minuten jazzig-relaxt mit atmosphärischen Drums und verspieltem Basslauf präsentiert, um dann zu einer groovigen Death-Metal-Walze mit Doublebass und fiesen Growls zu mutieren und schließlich in ein progressiv angehauchtes Finish überzugehen.

Den anderen großen Höhepunkt des Rundlings bildet das nach dem etwas eintönigen Intro „La Menace“ eröffnende „New Age Of Dark“: Eine richtig starke Midtempo-Nummer mit schnörkeligem und überdies absolut eingängigem Riffing, die den Hörer sofort zum Headbangen animiert und auch gelegentliche Blastbeat-Ausflüge bietet. Geil! Das anschließende „Chain Of Command“ startet dann mit einer entspannten Einleitung, die einmal mehr an die Opeth’sche „Heritage“-Phase erinnert, um danach ebenfalls in grooviges Todesstahl-Territorium überzugehen.

Die große Trumpfkarte heißt weiterhin Groove, Groove, Groove, das gilt ebenso für „To Lie Or To Die“ und „Freedom In Captivity“, die genau wie die drei anderen vollwertigen Songs hauptsächlich im Midtempo angesiedelt sind, gleichzeitig jedoch erneut Blastbeatsequenzen wie gechilltes Jazzfeeling generieren. Da wie erwähnt kompositorisch klar ein Zahn zugelegt wurde, wirken die Stücke durch diese Tatsache aber nicht etwa konfus, sondern wesentlich spannender und halten den Hörer besser bei der Stange.

White Stones können mit „Dancing Into Oblivion“ also eine deutliche Steigerung gegenüber dem Debüt verzeichnen, nicht nur in puncto songschreiberischer Klasse, auch soundtechnisch klingt die Scheibe weitaus klarer und kraftvoller. Instrumental und gesanglich gibt es ohnehin nichts zu bemängeln, Fronter Eloi Boucherie klingt weiterhin fies, böse und garstig. Bemängeln könnte man höchstens, dass fünf Songs von einer halben Stunde Länge (wenn man die drei Zwischenstücke abzieht) quantitativ ein bisschen wenig sind, aber am Ende des Tages gilt selbstverständlich auch hier: Lieber eine halbe Stunde Power als eine ganze Langeweile. Nun bleibt nur abzuwarten, wann Opeth mit ihrer nächsten Platte um die Ecke kommen…

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