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White Darkness: Tokage

Eine digitale Schreckensvision
Wertung: 8.5/10
Genre: Doom, Drone, Dark Ambient
Spielzeit: 47:45
Release: 28.10.2012
Label: Denovali Records

Schon als Mitglied von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble ist Jason Könen daran beteiligt, experimentelle Kompositionen in elegante Finsternis zu hüllen, wie es nur wenigen anderen Musikern gelingt. Doch neben den Darkjazzern ist der Niederländer auch mit vielen weiteren Projekten aktiv – eines davon ist White Darkness, das in erster Linie aus Könen selbst besteht, wobei auf dem aktuellen Album „Tokage“ noch die Gastsängerin Rachael Kozak dazukommt. Wirft man nun einen Blick auf die Gestaltung des Cover-Artworks und die kryptischen Songtitel auf der Tracklist des neuen Albums, kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass auch hier keine hellen Saiten aufgezogen werden.

Das, was den Hörer auf „Tokage“ erwartet, könnte man vermutlich als eine Art digitale Schreckensvision bezeichnen – bei der von Könen gewählten Herangehensweise wird Doom Metal, der auch bei den Darkjazzern einen wichtigen Bezugspunkt darstellt, in seiner düstersten und bösartigsten Form seiner Gitarren beraubt und stattdessen mit Cello, Klavier und reichlich synthetischem Horror ausgestattet, so dass den Lautsprechern hier eine ganz eigene Umsetzung des ursprünglichen Genres entflieht. Wer nun glaubt, auf diese Weise könnte man nicht die pechschwarze, schmutzige Seele des Funeral Doom zum Ausdruck bringen, der könnte falscher kaum liegen, denn über knapp fünfzig Minuten erstreckt sich hier ein Alptraum aus Klängen, der in seiner verstörenden Konsequenz seinesgleichen sucht.

Zugegebenermaßen erschließt sich die Anziehungskraft von „Tokage“ jedoch erst nach einigen Durchläufen, denn gerade bei der ersten Begegnung ist dieses Album beinahe schmerzhaft, doch wer sich der Herausforderung stellt, wird mit einer äußerst eindrucksvollen Klangwelt belohnt, die sich allmählich erschließt. Wenn der Abstieg in den Abgrund mit „{echo internal_type=LUST|name=GASH()|source=null}“ beginnt, lässt der schleppende, zähe Rhythmus tatsächlich zuerst Assoziationen zum Doom wach werden – und doch lässt sich in den seltsam disharmonischen Melodien, die durch die Schwärze hallen, etwas völlig anderes, aber ebenso Beängstigendes erkennen. Tatsächlich gelingt es Könen sogar, diese Atmosphäre im Verlaufe des Albums noch zu verdichten, indem er den eigenwilligen Stil langsam um neue Elemente erweitert, die sich wie von selbst in die Musik einfügen.

Während die massiven, langsam walzenden Schlagzeugbeats samt häufig angeschlagenen Glocken eine Konstante bilden, werden Klavier und Cello, die mehr oder weniger Gitarre und Bass des zur Inspiration dienenden Genres ersetzen, sparsamer, aber dafür umso effektiver eingesetzt. In Perfektion umgesetzt findet sich diese Kombination beispielsweise in „hHi|d4Ee“, wo das Cello tief rumorend subtile Piano-Melodien begleitet und das Songwriting speziell gegen Ende dramatischere Formen annimmt, wenn eine von unheimlicher Ruhe geprägte Passage zum verzerrten, harschen Finale überleitet. Man mag dies bei derart auf eine herabziehende Stimmung ausgelegter Musik gar nicht unbedingt erwarten, doch tatsächlich gelingt es Könen problemlos, jedes der Stücke mit einem einzigartigen Charakter auszustatten, so dass diese zwar wie aus einem Guss wirken, aber dennoch überraschend viel Abwechslung geboten wird.

Diese findet sich gleich in mehrerer Hinsicht, sei es nun auf musikalischer Ebene, wenn der noisige Ausklang „The Volume Of The Enclosure“ der kriechenden Boshaftigkeit von „FF0000 Rituals“ entgegensteht, in dem Gastsängerin Rachael ihre beschwörenden Verse über verstörenden Melodien halb flüstert und halb krächzt, oder sei es der einschneidende Unterschied zwischen der absoluten Dunkelheit von „messe][noir“ und den überraschend positiven und hellen Klängen in „RMNNTs“. Mit „You are the interactive data mutant. sHIVER/sHIVER//sHIVER///“ findet sich dann zudem noch der wohl größte Höhepunkt auf „Tokage“, der in aller Deutlichkeit unter Beweis stellt, dass Könen in der Tat in der Lage ist, Funeral Doom in Reinform zu zelebrieren, ohne diesen im ursprünglichen Sinne zu spielen, wenn über zehn Minuten ein quälend langsamer Rhythmus die Verzweiflung emporsteigen lässt, in die Klavier und Cello sanfte Melancholie einweben.

Selbstverständlich spricht dieses Album mit großer Wahrscheinlichkeit eine eher geringe Hörerschaft an – doch wer die Nerven und den Willen besitzt, sich mit diesem Klang gewordenen Alptraum auseinander zu setzen, findet in „Tokage“ ein Stück experimenteller Musik in verschlingender Intensität, die, wenn sie erst einmal zur Entfaltung gelangt ist, diese knapp fünfzig Minuten zu einem äußerst lohnenden klanglichen Trip macht. Wer zudem mit Könens anderen Projekten vertraut ist und diesen positiv gegenüber steht, sollte hier unbedingt einmal hereinhören, denn das Talent des Niederländers, eine ganz eigene Art von Finsternis zu erschaffen, ist auch hier unverkennbar.

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